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LETZTE TAGE: St.Gallen verliert Kult-Kiosk: Valora schliesst Verkaufsstelle bei Mühlegg-Bergstation

56 Jahre lang hat die Valora den Kiosk bei der Bergstation der Mühleggbahn in St.Georgen betrieben. Diese Verkaufsstelle unter anderem für Zeitungen, Heftli, Rauchwaren und Süssigkeiten kennen viel St.Galler vom Weg in die Badi am Mannenweier. Nun wird sie aufgegeben. Am Samstag ist der Kiosk letztmals geöffnet.
Christina Weder
Der Kiosk neben der Bergstation der Mühleggbahn ist eine Institution. Er schliesst Ende Woche. (Bild: Sabrina Stübi)

Der Kiosk neben der Bergstation der Mühleggbahn ist eine Institution. Er schliesst Ende Woche. (Bild: Sabrina Stübi)

Noch scheint alles beim Alten. Süssigkeiten und Zigaretten wechseln die Hand. Lotto-Scheine, Heftli und Zeitungen liegen in der Auslage. Doch die Tage des Kiosks an der Bergstation der Mühleggbahn in St.Georgen sind definitiv gezählt. Am kommenden Samstag wird er – zumindest vorläufig – zum letzten Mal öffnen. Die Betreiberin Valora hat entschieden, den Kiosk aufzugeben.

Sie macht wirtschaftliche Gründe dafür geltend. «Ausschlaggebend für unseren Entscheid sind die tieferen Kundenfrequenzen», sagt Valora-Sprecher Lukas Mettler. Kioskfrau Klara Krüsi hat die Kündigung erhalten – kurz nach ihrem vierzigjährigen Arbeitsjubiläum.

Ein Provisorium war in Aussicht gestellt

Für den Zeitpunkt der Schliessung ist wohl mitentscheidend, dass die Mühleggbahn demnächst saniert wird. Das Gebäude an der Bergstation, in welchem auch der Kiosk untergebracht ist, wird sich im April in eine Baustelle verwandeln. Der Tunnel wird saniert, die Kabine ersetzt, und die Stationsgebäude werden baulich angepasst. Der Betrieb der Mühleggbahn wird ab April für etwa ein halbes Jahr eingestellt.

Man habe der Kioskbetreiberin Valora für diese Zeit ein Provisorium in Aussicht gestellt, sagt Philip Schneider, Verwaltungsratspräsident der Mühleggbahn AG. Doch diese habe abgelehnt und den Mietvertrag gekündigt. Das kam für Schneider nicht überraschend. Die Valora sei schon länger auf dem Absprung gewesen, da sie mit den Zahlen des Kiosks nicht mehr zufrieden war.

Die Mühleggbahn AG ist gemäss Schneider auf der Suche nach einer Nachfolgelösung. Man sei mit zwei Interessenten im Gespräch. Der Verwaltungsratspräsident strebt eine langfristige und seriöse Lösung an, wie er sagt. Ziel sei, einen Kiosk mit einem ähnlichen Angebot wie bisher zu betreiben. Wenn alles rund läuft, soll er im kommenden November eröffnet werden, wenn die neue Mühleggbahn ihren Betrieb aufnimmt.

«Ich glaube nach wie vor, dass an diesem Standort eine Existenz als Kioskbetreiber möglich ist», sagt Schneider. Man sehe immer Leute am Kiosk. Auch die Fahrgäste der Mühleggbahn würden diesen schätzen.

Belebter Ort im Quartier

Wer von der Stadt nach St. Georgen will, kommt unweigerlich am Kiosk vorbei. Es ist ein gut frequentierter, belebter Ort. Bushaltestelle, Briefkasten, Bancomat, ein Café, eine Tankstelle, ein Blumenladen und zwei Coiffeurgeschäfte befinden sich in nächster Nähe. Seit 1962 betreibt die Valora an dieser Stelle einen Kiosk. Hier haben sich Kinder auf dem Schulweg mit Kaugummi-Zigaretten und Schleckzeug eingedeckt. Pendler haben einen Halt eingelegt, um schnell eine Zeitung zu holen. Im Sommer sind jeweils Scharen von Badegästen auf dem Weg zu den Drei Weieren daran vorbeigezogen. Passanten, Anwohnerinnen und Anwohner hatten die Möglichkeit, eine Kleinigkeit zu kaufen – an sieben Tagen in der Woche.

Der Quartierverein St.Georgen bedauert die Kiosk-Schliessung denn auch sehr, wie Präsident Andy Rechberger sagt. Er hofft, dass jemand in die Bresche springt, damit es im Quartier weiterhin einen Kiosk geben wird. Auch Susanne Schmid vom Verein «Wohnliches St.Georgen» findet es schade, dass der Kiosk am 17. März schliesst. Doch sie ist optimistisch, dass sich an diesem Standort etwas Neues machen lässt. Sie setzt ihre Hoffnungen auf eine Parlamentsvorlage, welche die Neugestaltung der St. Georgen-Strasse zum Thema hat.

Deren Ziel ist es, die Verkehrssicherheit an dieser Stelle zu verbessern und die Attraktivität zu steigern. Die Vorlage enthält gar eine Perspektive für den Kiosk: In Zukunft bestehe die Möglichkeit, mittels Stehtischen eine kleine Aussenwirtschaft zu betreiben, heisst es darin. Das Geschäft ist für die Parlamentssitzung von kommender Woche traktandiert. Der heutige Kiosk wird dann allerdings bereits Geschichte sein.

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