Letten sägen sich zum Sieg

RORSCHACH. Triumph für Karlis Ile und Maija Puncule: Das lettische Paar sägt sich mit seiner äusserst riskanten Skulptur «Interior, Exterior» zum Sieg am Sandskulpturen-Festival. Damit verteidigt Lettland den Titel. Der Publikumspreis geht an Edith van de Wetering und Speed-Sieger Wilfred Stijger.

Corina Tobler
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Die Sieger und ihre Werkzeuge: Karlis Ile und Maija Puncule haben mit ihrer Skulptur «Interior, Exterior» viel riskiert und alles gewonnen. (Bild: Corina Tobler)

Die Sieger und ihre Werkzeuge: Karlis Ile und Maija Puncule haben mit ihrer Skulptur «Interior, Exterior» viel riskiert und alles gewonnen. (Bild: Corina Tobler)

Uldis Zarins schüttelt nur den Kopf. Einfach nur verrückt sei das Risiko, das seine Landsleute Karlis Ile und Maija Puncule auf sich genommen hätten. Doch Karlis Ile, dessen Vision hinter der Siegerskulptur des 17. Sandskulpturen-Festivals auf der Arionwiese steht, kann irgendwie nicht anders. Er lotet die Grenzen des Sands aus, baut höher, steiler, schmaler. Die «Froschkönigin», die ihm 2011 den Sieg einbrachte, ist die höchste Skulptur, die in Rorschach gebaut wurde.

Für «Interior, Exterior» wurde mit zwei mehrere Meter langen Sägen gearbeitet. (Bild: Urs Bucher)
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Internationales Sandskulpturen Festival in Rorschach (Bild: Urs Bucher)
Internationales Sandskulpturen Festival in Rorschach (Bild: Urs Bucher)
Die Siegerskklptur "internal, external". (Bild: Urs Bucher)
Internationales Sandskulpturen Festival in Rorschach (Bild: Urs Bucher)
Die Siegerskulptur wurde von Karlis Ile und Maija Puncule aus Lettland geschaffen. (Bild: Urs Bucher)
Internationales Sandskulpturen Festival in Rorschach (Bild: Urs Bucher)
Internationales Sandskulpturen Festival in Rorschach (Bild: Urs Bucher)
Internationales Sandskulpturen Festival in Rorschach (Bild: Urs Bucher)
Internationales Sandskulpturen Festival in Rorschach (Bild: Urs Bucher)
Internationales Sandskulpturen Festival in Rorschach (Bild: Urs Bucher)
Internationales Sandskulpturen Festival in Rorschach (Bild: Urs Bucher)
Bild: Rudolf Hirtl
Bild: Rudolf Hirtl
Bild: Rudolf Hirtl
Bild: Rudolf Hirtl
Bild: Rudolf Hirtl
Bild: Rudolf Hirtl
Bild: Rudolf Hirtl
Bild: Rudolf Hirtloceandesign@bluewin
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Bild: Rudolf Hirtl
Bild: Rudolf Hirtl
Bild: Rudolf Hirtl
Bild: Rudolf Hirtl
Bild: Rudolf Hirtl

Für «Interior, Exterior» wurde mit zwei mehrere Meter langen Sägen gearbeitet. (Bild: Urs Bucher)

Publikum favorisiert «Imagine»

Seine diesjährige Mission zum Festivalthema «Metamorphosen» nahm Karlis Ile, der zum zweiten Mal mit Maija Puncule antrat, mit spektakulären Werkzeugen in Angriff. Für «Interior, Exterior» entwarf er zwei mehrere Meter lange Sägen. «Sie haben funktioniert, doch es gab die eine oder andere Überraschung. Kollapse beim Zersägen des Sands in schmale Blöcke», sagt er und lacht verschmitzt. Er weiss, dass der Sand auch komplett hätte einstürzen können – 2013 passierte genau das. Doch dieses Mal pokerte Karlis Ile richtig und ist mit der Skulptur zufrieden. «Von vorne ist einfach diese Frauenfigur zu sehen, deren Herz offen ist. Doch in der dritten Dimension drangen wir mit der Säge in ihre Gefühlswelt ein. Ihr Herz öffnet sich nach hinten, wird grösser. Es ist, als ob die äussere Welt einstürzt und die innere Welt nach aussen dringt», sagt er. Diese Idee und die damit verbundene Dynamik in der Skulptur überzeugten die Jury («Ostschweiz am Sonntag» von gestern). Den Erfolg führt Ile vor allem darauf zurück, dass die Skulptur Gefühle weckt. «Heute sind Konzepte in der Kunstszene in, Gefühle out. Doch ich liebe Gefühle. Klar braucht eine gute Skulptur eine gute Idee dahinter, doch ich mag es nicht, wenn man das Werk anschaut und erst ein erklärendes Blatt Papier braucht, um es zu verstehen.»

Dies ist offenbar auch bei der Skulptur «Imagine» von Edith van de Wetering und Wilfred Stijger nicht nötig. Das erfolgreichste Duo in Rorschach holt sich ein weiteres Mal den Publikumspreis. Und hat damit nach dem erstmaligen Sieg im Speedcarving von Wilfred Stijger einen zweiten Grund zum Feiern. Die Skulptur der Holländer fordert die Vorstellungskraft des Betrachters heraus, sich wie die Leute in der Skulptur zu überlegen, was das zerknitterte Papier im Zentrum bedeutet. Bei der Jury kamen zwei andere Oranjes in die Kränze. Die zweitplazierte Skulptur «Caterpillars» ist eine Sandskulptur, die sich selbst zum Thema macht. «Es soll so wirken, als ob die Skulpturen sich aus den unbearbeiteten Sandsäulen selbst formen. Alle befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Verwandlung», erklären die holländischen Künstler Helena Bangert und Joris Kivits.

Das Publikum denkt mit

Während sie sich mit ihrer Kunst beschäftigen, stellen die lettischen Drittplazierten die Frage nach dem Menschsein. «Wie ein Mensch auszusehen reicht nicht, so wie die Affen, die in der Skulptur Masken tragen. Es braucht menschliches Handeln und das Übernehmen von Verantwortung für sein Tun», sagt Liga Zarina. Partner Uldis Zarins ergänzt, die Skulptur zeige aber auch, dass das Menschsein oft überschätzt werde. «So toll sind wir nicht. Und wie gesagt auch ein bisschen verrückt. Besonders wir Künstler.»

Uldis Zarins / Liga Zarina dritter Rang

Uldis Zarins / Liga Zarina dritter Rang

Helena Bangert / Joris Kivits zweiter Rang

Helena Bangert / Joris Kivits zweiter Rang

Zweiter Rang für «Caterpillars», die Säulen, die zu leben beginnen.

Zweiter Rang für «Caterpillars», die Säulen, die zu leben beginnen.

Publikumspreis: «Imagine» von Edith van de Wetering und Wilfred Stijger.

Publikumspreis: «Imagine» von Edith van de Wetering und Wilfred Stijger.

Dritter Rang für «What is it to be human?», die Frage nach Menschsein.

Dritter Rang für «What is it to be human?», die Frage nach Menschsein.