Letten sägen sich zum Sieg

Das lettische Paar, Karlis Ile und Maija Puncule, sägt sich mit «Interior, Exterior» zum Sieg am Sandskulpturen-Festival in Rorschach. Der Publikumspreis geht an die Holländer Edith van de Wetering und Speed-Sieger Wilfred Stijger.

Corina Tobler
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Publikumspreis: «Imagine» von Edith van de Wetering und Wilfred Stijger.

Publikumspreis: «Imagine» von Edith van de Wetering und Wilfred Stijger.

RORSCHACH. Uldis Zarins schüttelt nur den Kopf. Einfach nur verrückt sei das Risiko, das seine Landsleute Karlis Ile und Maija Puncule auf sich genommen hätten. Doch Karlis Ile, dessen Vision hinter der Siegerskulptur des 17. Sandskulpturen-Festivals auf der Arionwiese steht, kann irgendwie nicht anders. Er lotet die Grenzen des Sands aus, baut höher, steiler, schmaler. Die «Froschkönigin», die ihm 2011 den Sieg einbrachte, ist die höchste Skulptur, die in Rorschach gebaut wurde.

Publikum favorisiert «Imagine»

Seine diesjährige Mission zum Festivalthema «Metamorphosen» nahm Karlis Ile, der zum zweiten Mal mit Maija Puncule antrat, mit spektakulären Werkzeugen in Angriff. Für «Interior, Exterior» entwarf er zwei mehrere Meter lange Sägen. «Sie haben funktioniert, doch es gab die eine oder andere Überraschung. Kollapse beim Sägen des Sandes in schmale Blöcke», sagt er. Er weiss, dass der Sand auch komplett hätte einstürzen können – 2013 passierte genau das. Doch dieses Mal pokerte Karlis Ile richtig und ist mit der Skulptur zufrieden. «Von vorne ist einfach diese Frauenfigur zu sehen, deren Herz offen ist. Doch in der dritten Dimension drangen wir mit der Säge in ihre Gefühlswelt ein. Ihr Herz öffnet sich nach hinten, wird grösser. Es ist, als ob die äussere Welt einstürzt und die innere Welt nach aussen dringt», sagt er.

Diese Idee und die damit verbundene Dynamik in der Skulptur überzeugten die Jury («Ostschweiz am Sonntag» von gestern). Den Erfolg führt Ile vor allem darauf zurück, dass die Skulptur Gefühle weckt. «Heute sind Konzepte in der Kunstszene in, Gefühle out. Doch ich liebe Gefühle. Klar braucht eine gute Skulptur eine gute Idee dahinter, doch ich mag es nicht, wenn man das Werk anschaut und erst ein erklärendes Blatt Papier braucht, um es zu verstehen.»

Dies ist offenbar auch bei der Skulptur «Imagine» von Edith van de Wetering und Wilfred Stijger nicht nötig. Das erfolgreichste Duo in Rorschach holt sich ein weiteres Mal den Publikumspreis. Und hat damit nach dem erstmaligen Sieg im Speedcarving von Wilfred Stijger einen zweiten Grund zum Feiern. Die Skulptur der Holländer fordert die Vorstellungskraft des Betrachters heraus, sich wie die Leute in der Skulptur zu überlegen, was das zerknitterte Papier im Zentrum bedeutet. Bei der Jury kamen zwei andere Oranjes in die Kränze. Die zweitplazierte Skulptur «Caterpillars» ist eine Sandskulptur, die sich selber zum Thema macht. «Es soll so wirken, als ob die Skulpturen sich aus den unbearbeiteten Sandsäulen selber formen. Alle befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Verwandlung», erklären die holländischen Künstler Helena Bangert und Joris Kivits.

Das Publikum denkt mit

Während sie sich mit ihrer Kunst beschäftigen, stellen die lettischen Drittplazierten die Frage nach dem Menschsein. «Wie ein Mensch auszusehen reicht nicht, so wie die Affen, die in der Skulptur Masken tragen. es braucht menschliches Handeln und das Übernehmen von Verantwortung für sein Tun», sagt Liga Zarina.

Weitere Bilder: www.tagblatt.ch

Fröhliche Sieger: Karlis Ile und Maija Puncule haben mit «Interior, Exterior» viel riskiert und alles gewonnen. (Bilder: Corina Tobler)

Fröhliche Sieger: Karlis Ile und Maija Puncule haben mit «Interior, Exterior» viel riskiert und alles gewonnen. (Bilder: Corina Tobler)