Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LESEZYKLUS: Der Erfinder der «Lesinen»

Johannes Kessler brachte der St. Galler Bevölkerung die Reformation näher. In Anlehnung an seine öffentliche Bibellesungen organisiert das Stadtarchiv ab Februar sechs «Lesinen».
Christoph Renn
Ein Ölgemälde von Laienprediger Johannes Kessler. Er war ein Weggefährte von Vadian und erklärte der breiten Bevölkerung die Bibel und den Glauben. (Bild: PD/Vadianische Sammlung der Ortsbürgergemeinde)

Ein Ölgemälde von Laienprediger Johannes Kessler. Er war ein Weggefährte von Vadian und erklärte der breiten Bevölkerung die Bibel und den Glauben. (Bild: PD/Vadianische Sammlung der Ortsbürgergemeinde)

Christoph Renn

christoph.renn

@tagblatt.ch

Vadian brachte der Obrigkeit die Reformation näher. Doch auch die breite Bevölkerung interessierte sich dafür. Ihnen las Johannes Kessler – neben Vadian eine der bekanntesten St. Galler Persönlichkeiten aus der Reformationszeit – an öffentlichen Bibellesungen vor. Angelehnt an seine «Lesinen» organisiert das Stadtarchiv und die Vadianische Sammlung der Ortsbürgergemeinde sechs Lesungen zum Reformationsjubiläum. Start ist am 22. Februar (siehe Kasten).

Kessler war Laienprediger und er verfasste auch die eigentliche St. Galler Reformationschronik, die Sabbata. «Zudem kann er als Erfinder der ‹Lesinen› bezeichnet werden, die bald institutionalisiert und über Jahrhunderte fortgeführt wurden», sagt Rezia Krauer, Historikerin und Leiterin der Forschungsstelle Vadianische Sammlung der Ortsbürgergemeinde. Kessler war es nämlich, der 1524 zum ersten Mal eine solche Bibellektüre abhielt.

Ein Sattler erklärt die Bibel

Kessler hatte mehrere Semester Theologie an verschiedenen Universitäten studiert, auch bei Luther und Melanchthon. Als er Ende 1523 nach St. Gallen zurückkehrte, konnte und wollte er aber nicht Priester werden. «Die Lehre nach dem traditionellen Modell zu predigen, entsprach ihm nicht mehr», sagt Krauer. Also entschloss er sich, Handwerker zu werden und seinen Lebensunterhalt als Sattler zu verdienen. Doch einige Männer aus der Stadtbevölkerung traten an ihn heran und baten ihn, ihnen die Bibel zu erklären. Und das tat er mit grossem Erfolg. «Er begann in einem Privathaus mit seinen Lesinen.» Bereits im Frühjahr 1524 musste er zuerst in die Zunftstube der Schneider und bald in die grössere der Weber umsiedeln. Es war für die damalige Zeit jedoch etwas Unerhörtes, dass sich ein Laie, also ein nicht geweihter Priester, anmasste, Bibel und Glauben zu erklären.

Inzwischen hatte der städtische Rat im April 1524 mit der Einführung des Schriftprinzips den Startschuss zur offiziellen Einführung der Reformation gegeben. Neu war die Bibel alleinige Grundlage der Predigt. Weil die katholischen Orte der Eidgenossenschaft Druck aufsetzten, verbot im Herbst 1524 der Rat Kesslers Lesungen bis auf Weiteres. «Die Zuhörer der ‹Lesinen› wollten aber weiterhin, dass ihnen aus der Bibel vorgelesen und der Text erläutert wurde», sagt Krauer. Deshalb holten sie einen ehemaligen Mönch von Chur nach St. Gallen, der anstelle von Kessler Bibellesungen hielt. Doch das Leseverbot wurde bald wieder gelockert.

«Lesinen» in der Kirche St. Laurenzen

In der Folge hielt Kessler in der Metzg am Rindermarkt wieder «Lesinen» ab. Das war den Zuhörern aber noch immer zu wenig, zumal der Platz sogar auf den Treppen knapp wurde. «Deshalb gelangten sie an den städtischen Rat und baten darum, dass die ‹Lesinen› in einer Kirche stattfinden dürfen.» Ab Februar 1525 wurde dann die Kirche St. Laurenzen zur Verfügung gestellt. «Von nun an war es auch ungeweihten Personen erlaubt, in der Kirche aus der Bibel zu lesen», sagt Krauer.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.