LESERBRIEFE: Freude und Ärger über die binäre Bahnhofsuhr

Leserbriefe

Hermann Bigler, Hagenbuchstrasse 27, 9000 St. Gallen
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Schon fast täglich beobachtete ich diesen «SBB-Neubau» von der Bus-Haltestelle aus gesehen. Vom Baugerüst zum Stahlbauskelett bis zu den mühsamen Milchglasplatten. Und dann das, ein optisches Kunstwerk mit Nullen, Kreuzen und Quadraten. Was soll das? Das ist doch so nicht fertig? Gibt das ein Farbenspiel oder sogar ein unerwartetes Infospiel, Nachrichten, Fahrpläne, einmal anders? Endlich, die Auflösung! Binär? Binär! Binäruhr. Binäruhr? So ein Mist, heisst es sofort mehrheitlich im Volk. Praktisch von null bis zum Binäruhr-Experten habe ich mich innert Kürze entwickelt. Mein Urteil heute: wahnsinnig, einmalig, fantastisch. Ein Kunstwerk am Hauptbahnhof St. Gallen, das in die Geschichte eingehen wird. Gratulation dem Künstler, Gratulation den Machern. Von rechts nach links die Zahlenreihe 1, 2, 4, 8, 16, 32. Von oben nach unter die Stunden, Minuten, Sekunden. Und Klick, das Kunstwerk lebt, stündlich, minutlich, jede Sekunde, so schnell kann ich ja gar nicht zusammenzählen. Aber ich trainiere, wie damals in der Unterstufe!

Hermann Bigler, Hagenbuchstrasse 27, 9000 St. Gallen

Im Tagblatt vom 7. April wurde ein Artikel über die neue binäre Uhr am Hauptbahnhof veröffentlicht. Beim Lesen dieses Berichts ist mir aufgefallen, dass das Wort Digitalisierung, das momentan in allem Mund ist, nirgends erwähnt wurde. Warum wohl? Ist der Zusammenhang «binäre Uhr» und «Digitalisierung» jedermann völlig klar, also nicht erwähnenswert, oder hat niemand den Zusammenhang erkannt? Wie auch immer, Tatsache ist, dass das binäre Zahlensystem die Grundlage der Digitalisierung ist. Alle Daten, Texte, Dezimalzahlen, Fotos, Töne, Filme et cetera bestehen aus binären Zahlen. Diese werden von einem Prozessor mit binären Befehlen verarbeitet und werden als binäre Zahlen gespeichert auf CDs, Harddisks, Memorysticks und so weiter. Also alles binär. Die binären Zahlen sind also das A und O der Digitalisierung. Dass man ein Kunstwerk erstellt, welches digitale Zahlen zeigt, finde ich eine fantasievolle Idee. Nur schade, dass das Bild im Bericht mit den einmontierten Zahlen verunstaltet wurde. Trotzdem lohnt sich der Versuch, die Bits der Stunden, Minuten und Sekunden mal selbst zu interpretieren. Dazu brauchen wir ein bisschen mehr Zeit als ein Computer, der macht das in ein paar Nanosekunden (1 Nanosekunde = 0,000 000 001 Sekunden). Und wenn wir die Entschlüsselung der Zahlen nicht schaffen, können wir die Zeit nebenan auf der schönen alten analogen Bahnhofuhr ablesen.

Uli Schoch, Schönenbüel 677,

9053 Teufen

Die «binäre Uhr» im Hauptbahnhof von Sankt Gallen empfinde ich als amüsantes, aber weniger als substanziell relevantes «Zeitsymbol». Ich hätte mir eine riesige Sanduhr gewünscht. Ein Universum voller Sandkörner, ein kontemplatives «Zeit-Los» oder «Los-Zeit».

Raffaele Ferdinando Schacher, Löwengartenstrasse 15, 9400 Rorschach

Zu der binären Uhr am HB: Das Konzept der binären Uhr stammt aus den 1990er-Jahren und wurde um 2005 realisiert. Solche Uhren sind seit 10 Jahren kaufbar. Von etwas «Neuem» und «Unbekanntem» zu schwätzen, wie das Herr Rechsteiner macht, ist fast schon fahrlässig. Und hier geht es um Technik und nicht um Kunst.

Andrea Spychiger, Nideren 20,

9043 Trogen

Kein Husarenstück. Ein Schildbürgerstreich. Geld zurück!

Thomas Hotz, Scheidwegstrasse 10,

9000 St. Gallen

Zuschriften für den Lokalteil Stadt St. Gallen sind zu richten an stadtredaktion@tagblatt.ch oder an St. Galler Tagblatt, Stadtredaktion, Fürstenlandstrasse 122, 9000 St. Gallen. Leserbriefe sollen immer argumentieren und nicht verunglimpfen. Beleidigende Texte werden nicht publiziert. Leserbriefe sollten sich kurz und präg­nant halten; maximal zulässig sind 2400 Zeichen.