Lesend ein Schulhaus bauen

Mörschwil startet das Projekt «Sponsorenlesen»: Schulkinder lesen Bücher und lassen sich von Sponsoren bezahlen. Das Geld geht an ein Entwicklungsprojekt.

Adrian Vögele
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Mörschwil. Sponsorenläufe sind gang und gäbe. Die Teilnehmer tun etwas für ihre Gesundheit und sammeln dabei Geld für einen bestimmten Zweck. Auch die Mörschwiler Primarschüler sammeln in den kommenden Wochen Geld für eine gute Sache – aber nicht laufend, sondern lesend. «Sponsorenlesen» nennt sich das Projekt deshalb: Jedes Kind sucht sich Geldgeber – Eltern, Verwandte, Bekannte –, die ihm pro gelesener Seite einen frei wählbaren Betrag zusichern.

Acht Wochen lesen

Haben die Kinder ein Buch fertig gelesen, lassen sie sich dies von Lehrern oder Eltern in einem «Lesepass» bestätigen. Das gesammelte Geld fliesst in ein Entwicklungsprojekt in Madagaskar. Dort wird es in den Bau eines Schulhauses investiert. «Das Projekt soll die Kinder zum Lesen animieren und ihre Lesekompetenz fördern», sagt Schulbibliothekarin Marie-Luise Salaorni. Die «Lesephase» startet am 19. September und dauert acht Wochen. Vorher werden die Klassen von Vertreterinnen der Kinderhilfe Madagaskar über das Entwicklungsprojekt informiert. «Uns ist wichtig, dass die Schulkinder verstehen: Wenn ich etwas für meine Bildung tue, kann ich bewirken, dass auch Kinder in Madagaskar zur Schule gehen können», sagt Salaorni. Am 21. November ist dann eine grosse Schlussveranstaltung geplant.

Die Kinder wählen ihren Lesestoff frei – mehr oder weniger: «Die Lehrerinnen und Lehrer werden ein Auge darauf haben, dass die Schüler Bücher lesen, die etwa ihrem Leseniveau entsprechen», sagt die Bibliothekarin.

Das «Sponsorenlesen» an der Schule Mörschwil findet bereits zum zweiten Mal statt. Das erste solche Projekt im Jahr 2004 war ein Erfolg: «In der Bibliothek herrschte sehr viel Betrieb damals», blickt Marie-Luise Salaorni zurück. Die Kinder hätten sich gegenseitig zum Lesen animiert und regelrecht um die Wette gelesen. Es kamen über 25 000 Franken zusammen, die ebenfalls in den Bau eines Schulhauses flossen, damals in Angola.

An Erfolg von 2004 anknüpfen

Die Organisatoren hoffen, an den Erfolg anknüpfen zu können – auch wenn heuer weniger Klassen teilnehmen. «Das Interesse der Schüler am Lesen hat in den vergangenen Jahren insgesamt eher etwas nachgelassen», sagt Salaorni. Allerdings verlaufe die Entwicklung wellenartig: «Wir beobachten, dass es immer wieder Phasen gibt, in denen die Kinder viel lesen.» Das habe manchmal auch mit dem Erscheinen populärer Bücher zu tun – wie etwa der Harry-Potter-Reihe.

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