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Lernen mit einem Wisch

Neue Medien Apps gibt es seit neustem nicht nur zum reinen Vergnügen. Der Lehrmittelverlag St. Gallen geht neue Wege und lanciert die Lern-Apps appolino für den Schulunterricht. Das App bietet auf spielerische Art einen neuartigen Lernzugang und ergänzt den Unterricht. Bruno Knellwolf
Die Lern-App «Lesen» aus appolino, entwickelt vom Lehrmittelverlag St. Gallen für Unterstufenkinder im ganzen deutschsprachigen Raum. (Bilder: Lehrmittelverlag St. Gallen)

Die Lern-App «Lesen» aus appolino, entwickelt vom Lehrmittelverlag St. Gallen für Unterstufenkinder im ganzen deutschsprachigen Raum. (Bilder: Lehrmittelverlag St. Gallen)

Apps im Schulunterricht? Wischen die Kinder nicht sonst schon genug mit ihren Fingern auf Bildschirmen hin und her? Diese Art von technischem Kulturpessimismus teilt Achim Arn nicht. Der Wiler Lehrer hat appolino, die «kindergerechten Lern-Apps für Tablets», in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule unter Leitung des Lehrmittelverlags St. Gallen entwickelt.

Altersdurchmischte Klassen

Und mit Kindern kennt sich Achim Arn aus. Er unterrichtet an der Prisma-Schule in Wil, einer öffentlichen Primarschule mit altersdurchmischten Klassen. Dort führt er zu zweit eine Klasse mit Kindern im Alter zwischen sechs und zehn Jahren. Integriert sind auch Buben und Mädchen, die besondere Unterstützung brauchen, und viele Fremdsprachige. Diese Erfahrung mit heterogenen Klassen und deren Lernbedürfnissen fliesse in das Lern-App appolino ein, erklärt Arn. Das individuelle Lernen sei in einer solchen Klasse ein sehr wichtiges Thema.

Doch was brachte ihn auf die Idee? Die Computer seien an der Schule in die Jahre gekommen, und so habe er sich die Frage gestellt, was denn die beste Hardware für Kinder im Alter zwischen fünf und zehn sei. «Und das ist unbestritten das Tablet», erklärt Arn. Tablets sind berührungsempfindlich und leicht zu handhaben. Für Arn war somit klar, dass das Lernen auf dem Tablet in diesem Alter Potenzial hat.

Zwar gibt es inzwischen Millionen von Apps, aber Arn hat vor zwei Jahren kein Lern-App mit fachdidaktisch sinnvoll aufbereiteten Inhalten gefunden. «Und zwar gilt das nicht nur für die Schweiz, sondern auch international. Es gibt kein einziges Mathematik-App, das fachdidaktischen Kriterien genügt und gleichzeitig eine gewisse Breite abdeckt», sagt Arn. Damit meint er Lern-Apps, die länger als einen Monat zu gebrauchen sind und mit denen mehr als kleine Ausschnitte aus einem Fachgebiet erarbeitet werden können.

Im Oktober hat der Lehrmittelverlag St. Gallen appolino in den App-Store gestellt und damit Neuland betreten. Vorderhand sind die beiden Apps «Zahl & Menge» und «Lesen» im Store, vier weitere appolino-Apps werden im Laufe des Jahres dazu kommen, wie Heiko Kahl vom Lehrmittelverlag mit Sitz in Rorschach erklärt.

«Die sechs Apps sind modular aufgebaut», erklärt Beatrice Straub von der Fachstelle Informatik des Amts für Volksschule. Innerhalb der neun Module eines Apps gibt es verschiedene Levels, die Komplexität wird laufend gesteigert und der Lernstand gespeichert. Vier Kinder können auf einem Gerät mit dem kunsthandwerklich gestalteten appolino arbeiten. Beatrice Straub leitet zurzeit die Erprobung von appolino in acht Versuchsklassen der Unterstufe im Kanton St. Gallen.

Denn für die Unterstufe im ganzen deutschsprachigen Raum ist appolino gedacht, wie Straub betont. Ältere Schulkinder hätten andere Bedürfnisse bezüglich der Hardware, da reiche ein Tablet kaum mehr, weil beispielsweise Arbeiten auf einer Tastatur geschrieben werden müssten. Das sieht auch Achim Arn so, der appolino in seiner Klasse anwendet. «Tablets sind für Unterstufen-Kinder das richtige Werkzeug, weil sie griffig sind, schnell startbereit und am Boden und auf dem Tisch einsetzbar sind», sagt der Wiler Programm-Entwickler.

Sofort eine Antwort

Das Lernen mit appolino habe noch andere Vorteile, sagen Straub und Kahl. appolino gibt dem Kind sofort eine Antwort, ob es die Aufgabe richtig oder falsch ausgeführt hat. Die flexiblen Apps sind abgestimmt auf die anderen Lerninhalte, Fehler im App können durch Upgrades sofort korrigiert werden. Sie sind pfiffig, handlungsorientiert und dialogisch. «Die Kinder können im eigenen Lerntempo damit arbeiten», sagt Straub. «Schüler, die andere Aufgaben im Unterricht schon gelöst haben, können individuell mit appolino weiterarbeiten», ergänzt Kahl.

Bleibt die Frage, ob Kinder heute nicht sowieso schon zu viel Bildschirmpräsenz haben? Die Schule könne sich der Technik nicht verschliessen, sagt Straub. Die Frage der Bildschirmzeit müsse unabhängig von appolino immer wieder mit den Eltern diskutiert werden. Für Arn ist klar: «appolino ersetzt keinen Lehrer, sondern ist eine Ergänzung zum Lehrmittel in Deutsch und Mathematik.»

Trotzdem in den Wald

Die Arbeitstage mit der Klasse im Wald werde er deswegen nicht abschaffen. Die Kinder befänden sich wegen appolino keinesfalls in einem Hype, sondern gingen ganz natürlich mit dem Lern-App um. «Das Arbeiten mit appolino ist lustvoll, aber auch anstrengend», erklärt der Lehrer. Beim Einsatz von Apps in der Schule sei auf eine gute Balance zu achten, sagen Straub und Arn. Die Arbeit damit sei kein passiver Medienkonsum wie das Fernsehen.

Angesprochen sind Lehrpersonen und auch Eltern, welche appolino aus dem App-Store beziehen können. Eine Ausweitung appolinos auf Fremdsprachen könnte sich Arn vorstellen. Allerdings nicht auf das Fach «Mensch & Umwelt», da geht Arn mit seinen Schülern lieber nach draussen oder druckt mit den Kindern mit uralten Bleibuchstaben ein echtes Buch. Offen bleibt, ob Tablets bald flächendeckend zum Schulunterricht gehören.

«Zahl & Menge», ein anschaulich gestaltetes Mathematik-App.

«Zahl & Menge», ein anschaulich gestaltetes Mathematik-App.

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