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LEINWAND: Der Höhenflug des Kinok

Während kommerzielle Stadtkinos schweizweit aus den Innenstädten verschwinden, floriert das Kinok in der Lokremise. Mit den Zuschauerzahlen steigen jedoch auch die Ansprüche des Publikums.
Matthias Fässler
Im Kinok in der Lokremise finden pro Jahr über 1200 Vorstellungen statt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Im Kinok in der Lokremise finden pro Jahr über 1200 Vorstellungen statt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Matthias Fässler

matthias.faessler@tagblatt.ch

Samstagabend. Die Schlange vor dem Kinok zieht sich am Kunstraum und Restaurant vorbei bis hin zum Eingang der Lokremise. Anlass ist die Premiere von «Mario», einem Film über Homosexualität im Fussball. Der Saal ist bis auf den letzten Platz besetzt. Das Bild dieses Abends trügt nicht. Das Programmkino in der Lokremise durchläuft aktuell eine Blütezeit, die Zuschauerzahlen steigen seit Jahren: Im vergangenen Jahr besuchten mehr als 50000 Zuschauer eine der rund 1200 Vorstellungen. Und auch die Mitgliederzahlen wachsen: Mittlerweile sind es über 2000. Sogenannte Arthouse-Kinos liegen auch schweizweit im Trend, wie René Gerber vom Dachverband der Schweizer Kino- und Filmverleihunternehmen erklärt: «Zwischen 2009 und 2017 stiegen die Besucherzahlen im Arthouse-Bereich von 900000 auf 1,3 Millionen an.»

Anfang des Jahres gab der Kino-Riese Kitag bekannt, alle seine Stadtkinos in Bern in den kommenden zwei Jahren zu schliessen. Als Grund nannte die Kitag vor allem die hohen Miet- und Personalkosten in der Innenstadt. Der Entscheid löste eine Debatte über die Zukunft der Stadtkinos aus, die auch in anderen Schweizer Städten zunehmend verschwinden, während die Multiplexkinos am Stadtrand florieren. Die Stadt St. Gallen stellt hier, zumindest vorläufig, eine Ausnahme dar. Die Kitag will die beiden letzten Stadtkinos, das Scala und das Rex Studio, vorerst weiter betreiben.

«Das Kino ist ein Fenster zur Welt»

Die Entwicklung des Mainstream-Kinos betreffe sie nicht, sagt Sandra Meier, Leiterin des Kinok. «Als Programmkino haben wir eine ganz andere Konzeption. Und die kommt beim Publikum sehr gut an», sagt sie. Gezeigt werde eine Mischung aus thematischen und retrospektiven Reihen mit aktuellen Studiofilmen. Damit vergleichbar sei schweizweit nur das Kino Rex in Bern. Der Umzug des Kinok von St. Fiden in die Lokremise vor acht Jahren habe sich als Glücksfall entpuppt, wie Sandra Meier erklärt. «Wir litten am alten Standort daran, dass wir kaum Entfaltungsmöglichkeiten hatten», sagt Meier. Der neue Ort mache es aber möglich, sich verstärkt an ein breiteres, auch bürgerlicheres Publikum zu wenden.

Das Kinok hat sich etabliert, das politische Verständnis des Kinobetriebes ist geblieben. «Wir greifen gesellschaftliche Debatten auf. Das heisst auch, einen interkulturellen Ort zu schaffen», sagt Meier. Gezeigt werden deshalb beispielsweise italienische und kurdische Filme oder wie aktuell eine Filmreihe aus dem Iran. «Die Mainstreamfilme stammen meist aus den USA, Deutschland oder Frankreich. In Programmkinos ist die Vielfalt grösser», sagt auch Gerber. «Das Kino ist hier ein Fenster zur Welt.»

Mit zunehmendem Erfolg würden jedoch auch die Ansprüche des Publikums steigen, sagt Meier. Ausdruck davon ist die Forderung nach einem Reservationssystem für Sitzplätze. Heute gebe es ein solches System nicht, was immer wieder für Unmut sorge, sagt Meier. Wer bei Filmen mit grossem Andrang einen guten Sitzplatz will, muss früh kommen. «Ein Reservationssystem verlangt von uns aber einen organisatorischen und administrativen Aufwand, der Zeit und Geld kostet», sagt Sandra Meier. Weiterhin darauf verzichten könnten sie jedoch nicht. «Mit dieser Entwicklung müssen wir Schritt halten. Wir sind bereits daran, den Wunsch des Publikums nach einem solchen System umzusetzen.»

Das Kulturverhalten ändert sich rasant

Ein zweiter Saal hingegen sei momentan kein Thema. Finanziell lohne sich das nur, wenn er am selben Standort betrieben werden könne. Auch deshalb habe man das Angebot, das Kino Storchen zu übernehmen, abgelehnt. Ein zweiter Saal würde aber Vieles erleichtern, sagt Meier. «Wir könnten entspannter programmieren.» Wie lange es das Kinok noch gebe, sei schwer zu beantworten, sagt die Leiterin Sandra Meier. Das Kulturverhalten verändere sich rasant. «Bei der jungen Generation hat sich der Film stark von der Leinwand abgekoppelt. Ob es in 25 Jahren überhaupt noch Kinos gibt, ist offen.»

Bis dahin wird das Kino weiter zelebriert: Im März zeigt das Kinok verschiedene iranische Filme, die meisten mit englischen Untertiteln. «Die werden nicht viel Publikum anlocken, da mache ich mir keine Illusionen», sagt Meier. Aber ein subventionierter Betrieb müsse immer auch mutige und schwierige Programme anbieten. Auf mehr Interesse dürfte dann wieder die geplante Filmreihe zum Thema Überwachung stossen.

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