Lehrerinnen verdienen sich gute Noten

Für Lehrerinnen und Lehrer muss der Kinderfestumzug ganz schön streng sein. Gerade gegen Ende, wenn sie die Kinder für den «Schlussspurt» motivieren und zugleich erste Schweisstropfen wegwischen müssen. Natürlich gilt immer noch: gut aussehen, lächeln und winken.

Sebastian Schneider
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Für Lehrerinnen und Lehrer muss der Kinderfestumzug ganz schön streng sein. Gerade gegen Ende, wenn sie die Kinder für den «Schlussspurt» motivieren und zugleich erste Schweisstropfen wegwischen müssen. Natürlich gilt immer noch: gut aussehen, lächeln und winken. Und vor dem Festgelände: nochmals lächeln und den obersten Lehrer, Stadtrat Markus Buschor, grüssen. Dieser trägt ein weisses Hemd aus St. Galler Stickerei und einen Anzug mit Textildruck. Als erster vor dem Festplatz angekommen, konnte er die Lehrerinnen und Lehrer beobachten und sich eine Meinung über deren Kleidung bilden.

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«Feierlich, sehr schön», lauten Buschors Prädikate. Man spüre, dass die Lehrerinnen mit viel Freude ihre Kleider, Röcke, Blusen, Hüte, Schirme und Taschen ausgewählt hätten. Und was ist mit dem männlichen Schulpersonal?: «Unter uns: Man sieht, dass sich die Frauen mehr Mühe gemacht haben.»

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Tatsächlich: Herren mit edlem Anzug, wie etwa die Schulleiter der Realschule Engelwies oder des OZ Zil, bilden Ausnahmen. Nebst einzelnen «bunten Vögeln» fallen viele männliche Lehrkräfte damit auf, dass sie sich mit kariertem Leinenhemd, brauner Hose und Lederschuhen so angezogen haben, wie man es von Lehrern im Alltag kennt: Weder leger noch elegant, einfach pädagogisch korrekt.

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«Die müssen auch gar nicht auffallen», nimmt eine stilbewusste Besucherin die Herren Lehrer in Schutz. Ihre Tochter geht noch weiter: «Ich schaue die Männer gar nicht an.» Den Lehrerinnen stellen die beiden ein gutes Zeugnis aus: «Wunderschön. Es ist super, dass die Stickereien wieder wichtiger werden», sind sich Mutter und Tochter einig. Die Verzierungen wirkten auch bei den Kleidern der Schülerinnen sehr schön. «Schade nur, dass nicht alle Besucher den Anlass mit passender Kleidung würdigen», sagen sie und mustern kurz den Tagblatt-Redaktor in T-Shirt, kurzen Hosen und Turnschuhen. Eine ältere Besucherin ist ebenfalls erfreut und entzückt über die Kleidung der Lehrerinnen. Es sei schön, wieder mehr Stickereien zu sehen als an vergangenen Festen. Dies wird eine junge Lehrerin, die in einem hellbraunen Kleid mit edlem Stoff von Forster Rohner unterwegs ist, wohl gerne hören.

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Und welchen Schluss zieht Markus Buschor? Müsste er ein Zeugnis schreiben, könnte die Note im Fach «Auftritt Kinderfest» sein: Lehrerinnen: 5–6, Lehrer: besucht.