Lehrer künden Widerstand gegen neue Projekte an

Der Kantonale Lehrerverband ist enttäuscht über den Entscheid des Parlaments, die St. Galler Lehrerinnen und Lehrer nicht zu entlasten. Nun macht der Verband Druck.

Regula Weik
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ST. GALLEN. Lilo Lätzsch fordert 4,5 bis 6 Prozent mehr Lohn für die Zürcher Lehrerinnen und Lehrer – und das, nachdem sie eben gerade drei Prozent mehr bekommen haben. So weit wie die Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands mag Hansjörg Bauer gar nicht erst denken. Den Präsidenten des St. Galler Lehrerinnen- und Lehrerverbandes plagen derzeit ganz andere Sorgen. Das Kantonsparlament hat mit seinem Entscheid, die St. Galler Lehrerinnen und Lehrer nicht zu entlasten, einen ziemlichen «Scherbenhaufen» zurückgelassen. Bauer verfolgte die Debatte von der Tribüne aus: «Der Entscheid ist nicht nachvollziehbar. Er löst Empörung und Unverständnis aus.»

Es sei ausgewiesen, dass Lehrerinnen und Lehrer überlastet seien, sagt Bauer. Öffentlichen Widerspruch gibt es kaum – und gab es diese Woche auch im Kantonsparlament kaum. Dennoch wurden die Vorschläge zur Entlastung bachab geschickt. So verwundert nicht, dass Bauer festhält: «Die Anliegen der St. Galler Lehrerinnen und Lehrer werden nicht ernst genommen – einmal mehr.» Und weiter: «Das Parlament versenkte die Vorlage, ohne eine Lösung aufzuzeigen.»

Nein zu neuer Sonderpädagogik

Inzwischen haben sich die Exponenten des Lehrerverbandes zu einer ersten Sitzung getroffen. Und der Verband ist entschlossen, weiter für eine Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer zu kämpfen: Nur so könne das Kerngeschäft, das Unterrichten, überhaupt noch vollumfänglich erfüllt werden.

Der Lehrerverband macht Druck: «Wir sehen uns gezwungen, laufende und zukünftige Projekte, welche Mehrbelastungen für die Lehrpersonen mit sich bringen, abzulehnen.» Woran denkt der Verband konkret? «Das in der Endphase befindliche Sonderpädagogik-Konzept kann unter den aktuellen Voraussetzungen nicht umgesetzt werden», sagt Bauer.

Sieht das neue Konzept vor, Kinder mit auffälligem Verhalten oder einer Behinderung in die Regelklassen zu integrieren? Die St. Galler Regierung ist damit zurückhaltend. «Wir wollen Integration dort ermöglichen, wo es Sinn macht und für alle Beteiligten einen Mehrwert ergibt. Sonderschulen werden aber im Kanton St. Gallen auch in Zukunft eine grosse Bedeutung haben», hatte Bildungschef Stefan Kölliker bei der Vorstellung des Konzepts im Juli vertreten. Und: Das Bildungsdepartement will die sonderpädagogischen Angebote im Kanton geographisch besser verteilen.

Die Vernehmlassung für das Sonderpädagogik-Konzept dauert noch bis Ende Oktober. Es dürfte nächstes Jahr im Kantonsparlament diskutiert werden und 2014 in Kraft treten.

Lohnsystem vereinfachen

Mit einer Motion nachgestossen haben auch Mitglieder der vorberatenden Kommission. Nun müssten ein zeitgemässer Berufsauftrag und eine ebensolche Besoldungsordnung geschaffen werden. Das heutige Entlöhnungssystem für die Lehrerinnen und Lehrer sei «sehr kompliziert», sagt Ruedi Blumer, Präsident der vorberatenden Kommission. Ziel einer Revision müsse eine Vereinfachung sein. So müsse auch über eine Jahresarbeitszeit für Lehrpersonen nachgedacht und diskutiert werden. Denn derzeit gewiss sei nur eines: «Eine Patentlösung gibt es nicht.»