Lehrer kritisieren Sparpaket

Der Lehrerverein Gossau wehrt sich gegen geplante Sparmassnahmen. Diese würden die Schule «empfindlich treffen». Man solle besser andernorts sparen.

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An einer Zusammenkunft mit den Schulhausverantwortlichen hat der Lehrerverein Gossau (KLVG) kürzlich das Sparpaket des Gossauer Stadtrats thematisiert. Die geplanten Kürzungen würden den Schulstandort Gossau «empfindlich treffen», heisst es in einer Mitteilung des Vereins. Leidtragende seien in erster Linie die Kinder, und ein «pädagogischer Rückschritt wäre vorprogrammiert».

Steigende Schülerzahlen

Das Gossauer Stadtparlament berät am 24. September über insgesamt 53 Sparmassnahmen. Eine dieser Massnahmen sieht vor, die durchschnittliche Klassengrösse zu erhöhen. Damit sollen gemäss Stadtrat ab 2017 jährlich 540 000 Franken eingespart werden. Dies entspricht laut Lehrerverein Gossau einem Abbau von fünf Lehrerstellen. «Das wäre nicht so schlimm», heisst es in der Mitteilung weiter. «Wenn die Bevölkerung in Gossau abnehmen würde und die Klassenbestände zurückgingen.» Nun sei aber das Gegenteil der Fall. Die rege Bautätigkeit werde in den kommenden Jahren die Schülerzahlen markant ansteigen lassen. Damit keine unter- oder überdotierten Klassen entstünden, werde es unumgänglich sein, Schüler vermehrt in quartierferne Schulhäuser zu schicken, bestehende Klassen aufzuteilen oder gar aufzulösen.

Grosse Klassenbestände stehen gemäss Lehrerverein Gossau zudem im Widerspruch zum «allseits geforderten» individualisierten Unterricht und zu einer «zeitgemässen Pädagogik». Ausserdem würden grosse Klassen dem neuen Sonderpädagogikkonzept widersprechen. Sonderschüler würden nach den neuen kantonalen Vorgaben vermehrt Regelklassen zugewiesen. Dies beanspruche die Lehrpersonen stärker, was in Grossklassen zu Betreuungsdefiziten führen werde.

Musikschule müsse «bluten»

Eine weitere geplante Sparmassnahme des Stadtrats betrifft Förder- und sonderpädagogische Massnahmen. Ab 2017 sollen in diesem Bereich 400 000 Franken weniger ausgegeben werden. Gemäss Lehrerverein hätte das 100 Förderstunden weniger zur Folge. Anträgen von Kinderärzten, Schulpsychologen und anderen Fachstellen könnte dann gemäss Mitteilung nur noch beschränkt Folge geleistet werden.

Weiter sollen von Schülern und Eltern «hoch geschätzte Sportangebote zusammengestrichen werden», heisst es in der Mitteilung: Zwei Skilager weniger und ab der dritten Klasse keinen Schwimmunterricht mehr. Die Musikschule müsse auch «bluten» und werde gezwungen sein, Elternbeiträge zu erhöhen. Dasselbe gelte für das Gymnasium Friedberg. Eine Kürzung der Beiträge an die Mädchensekundarschule stehe ebenfalls im Raum.

Ist ein Sportkoordinator nötig?

Der Lehrerverein Gossau sei sich bewusst, dass die «Sparschraube» nicht vom Stadtrat gedreht werde, sondern eine Folge von Steuersenkungen sei. «Heute bekommt Gossau die Rechnung präsentiert.» Es gebe aber auch Sparpotenzial, das den Schulalltag nicht derart hart treffe: «Warum einen Sportkoordinator finanzieren und gleichzeitig Sportangebote in der Schule abbauen?», fragt der Lehrerverein. Und weiter: «Warum ein sündhaft teures Alarmierungskonzept aufrechterhalten, dessen Nutzen stark angezweifelt wird? Warum in allen Schulhäusern das Mobiliar ersetzen, obwohl es in vielen Fällen noch funktionstüchtig ist?» Der Lehrerverein hoffe, «dass die Parlamentarier dem Schulstandort Gossau Sorge tragen werden, die Schulqualität nicht aufs Spiel setzen und dort sparen, wo es auch Sinn macht». (pd/roh)