Lehrer dürfen nicht mehr krank werden

Aus Spargründen werden kranke Lehrpersonen in der Stadt St. Gallen neuerdings erst nach drei Tagen durch eine Stellvertretung ersetzt. Mein Enkel ist bereits einmal in den «Genuss» dieser neuen Regelung gekommen.

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Aus Spargründen werden kranke Lehrpersonen in der Stadt St. Gallen neuerdings erst nach drei Tagen durch eine Stellvertretung ersetzt. Mein Enkel ist bereits einmal in den «Genuss» dieser neuen Regelung gekommen. Sein Lehrer erkrankte, und die Schüler seiner Klasse wurden am Morgen auf andere Klassen verteilt. Am Nachmittag fiel der Unterricht dann aus, was mein Enkel natürlich «echt cool» fand.

Als ehemalige Lehrerin, Jobsharing-Partnerin, Stellvertreterin und «Springerin» auf der Primarschulstufe habe ich an die Verantwortlichen dieser äusserst fragwürdigen Sparmassnahme einige Fragen: Wie unterrichtet/beschäftigt die Lehrperson, welche einen Teil der Schüler aus der Klasse des erkrankten Kollegen übernehmen muss, diese Kinder und gleichzeitig ihre eigenen Schüler? Geht die Aufmerksamkeit für den fremden Klassenteil nicht zulasten der eigenen Klassen (in der Stadt St. Gallen ist das Mehrklassensystem Usus)? Traut sich eine Lehrperson überhaupt noch, sich krankzumelden, wenn sie weiss, dass dadurch die Kolleginnen und Kollegen belastet werden? Besteht die Gefahr, dass bei Ausfall der Klassenlehrperson schulische Heilpädagogen (sie gehören einer höheren Lohnklasse an!) für die Betreuung der verwaisten Klassen temporär eingesetzt werden? ISF-Lehrpersonen werden möglicherweise an verwaiste Klassen delegiert. Wer erteilt dann den ISF-Unterricht, der jeder Klasse zukommt? Oder fällt er aus? Gemäss neuesten Erhebungen ist bereits jede dritte Lehrperson wegen Überbelastung von einem Burn-out gefährdet. Was wird diese weitere Zusatzbelastung bewirken? Warum hoffen die umliegenden Gemeinden, das System der Stadt St. Gallen nicht übernehmen zu müssen? Was denken Eltern betroffener Schulkinder über diese neue Regelung der Stadt St. Gallen? Und wie wehren sie sich dagegen?

Ich hoffe, dass die Verantwortlichen bezüglich solcher Fragen nochmals über die Bücher gehen, bevor diese neue Regelung definitiv eingeführt wird. Sie wäre ganz klar ein Sparen am falschen Ort!

Margitta Vorburger-Enz

Tannenstrasse 44, 9000 St. Gallen

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