Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LEBENSWEG: Autobiografie eines St.Gallers ausgezeichnet: «Mein Vater wollte uns ermorden»

Als Kind flüchtete Peter Marko in der Slowakei vor der deutschen Besetzung und vor dem Antisemitismus. Auf Umwegen kam er in die Schweiz. Nun hat der St.Galler Arzt den ersten Schweizer Autobiografie-Award gewonnen.
Nina Rudnicki
Arzt und Autor Peter Marko mit der Auszeichnung für seine Autobiografie. (Bild: Michel Canonica)

Arzt und Autor Peter Marko mit der Auszeichnung für seine Autobiografie. (Bild: Michel Canonica)

«Ich schärfte meine Ohren, und vernahm, dass Vater am kommenden Vormittag einen Revolver besorgen wollte. Die Situation war aussichtslos. Zuerst würde er Mutter, dann mich und zuletzt sich selbst erschiessen. Wozu sollten wir uns in den Bergen plagen, sie erwischen uns sowieso. Ich bekam enorme Angst, einen Riesenschreck und Wut. Selbstverständlich konnte ich nicht mehr einschlafen und dachte dauernd, dass mich Vater ermorden wollte und was ich dagegen tun konnte.»

Mit diesen Sätzen beschreibt der St.Galler Arzt Peter Marko jene Nacht mitten im zweiten Weltkrieg, als er erfuhr, wie hoffnungslos die Situation der Juden in der Slowakei war. Diese Episode aus seinem Leben gehöre für ihn zu den eindrücklichsten Momenten, sagt der heute 80-Jährige, der seine Lebensgeschichte auf der Autobiografie-Plattform «Meet my life» veröffentlicht hat. An der Universität Zürich wurde Marko nun mit dem ersten Preis des ersten Schweizer Autobiografie-Awards ausgezeichnet. «Die Auszeichnung ist für mich einerseits eine Anerkennung des Leides, das meine Familie erfahren hat, anderseits eine Anerkennung meiner Fähigkeit zu schreiben», sagt er.

Biochemiker und danach Landarzt in der Schweiz

Die Schilderung zieht den Leser schnell in die Handlung hinein. Marko kam 1937 in Martin in der Slowakei zur Welt, flüchtete während der deutschen Besetzung mit seiner Familie in die Berge und erlebte den Antisemitismus der Nachkriegszeit. In Bratislava studierte er Medizin, kam 1970 in die Schweiz und arbeitete als Biochemiker im Hirnforschungsinstitut der Universität Zürich. Später holte er die Ausbildung als Allgemeinpraktiker nach, bestand das Schweizer Staatsexamen, und verfasste seine Doktorarbeit. Anschliessend führte er im Bernischen Zweisimmen eine Praxis, danach in Romanshorn und St.Gallen.

In den vergangenen drei Jahren hat Marko intensiv an seiner Lebensgeschichte geschrieben. Er war über einen NZZ-Artikel auf die «Meet my life»-Plattform aufmerksam geworden. Das war der Ansporn für ihn, seine Aufzeichnungen und Geschichten, an denen er seit den 1980er-Jahren arbeitete, zusammenzufügen, Lücken zu ergänzen und zu recherchieren. Er stützte sich dabei auf die Erzählungen seiner Eltern. Einiges blieb ungeklärt, anderes wollte Marko damals nicht wissen, weil es ihn persönlich belastete. Dass er Jude war, verschwieg er beispielsweise lange Zeit. So erfuhr seine Tochter nur zufällig davon, als sie Dokumente in einem alten Koffer fand.

Keine Bekannten der Familie mehr gefunden

2004 reiste Marko an einige Orte seiner Kindheit zurück, um zu recherchieren. Die dabei entstandenen Fotos sind ebenfalls in seiner Autobiografie enthalten. Einiges erkannte Marko wieder wie etwa die Reste einer alten Seilbahn. Personen, die seine Familie gekannt hatten, traf er in der alten Heimat allerdings keine mehr an.

Nicht weniger spannend als Markos’ Erlebnisse während des zweiten Weltkrieges in der Slowakei ist auch jene Zeit im Bernischen Zweisimmen und in den benachbarten Berggemeinden, die in den 1970er-Jahren zum Teil nur aus rund 40 Häusern bestanden. Seine Autobiografie enthält mehrere Episoden, in denen Marko humorvoll seinen Arbeitsalltag in der abgeschiedenen Gegend und mit seinen Patienten beschreibt.

Nach St.Gallen kam Marko im Jahr 2000. Hier gründete er eine Praxis mit den Schwerpunkten Ernährungsberatung und Nahrungsmittel-Unverträglichkeit. Seither lebt er mit seiner Frau im Heiligkreuz. Die nächsten Monate möchte er dafür nutzen, seine Biografie in seine Muttersprache zu übersetzen. Er sagt: «Es ist mein Wunsch, meine Lebensgeschichte auch in der Slowakei zu veröffentlichen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.