Lebensraum in Gefahr

Der allgemeine Tenor in den Leserbriefspalten lautet: Arbeitsplätze müssen her, drum handelt verantwortungslos, wer gegen die Umzonungen in der Gossauer Moosburg und Sommerau ist. Ein Leserbriefschreiber kritisiert vor allem Pensionierte, die sich nicht mehr um einen Arbeitsplatz sorgen müssen.

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Der allgemeine Tenor in den Leserbriefspalten lautet: Arbeitsplätze müssen her, drum handelt verantwortungslos, wer gegen die Umzonungen in der Gossauer Moosburg und Sommerau ist. Ein Leserbriefschreiber kritisiert vor allem Pensionierte, die sich nicht mehr um einen Arbeitsplatz sorgen müssen. Ich fühle mich als «Jungpensionär» angesprochen. Auch ich mache mir Gedanken über die Arbeitsplätze, aber das ist nur ein Aspekt. Wir alle, vom Kleinkind bis zum Rentner, sitzen im gleichen Boot. Soeben hat Bundesrätin Leuthard an die Bevölkerung appelliert, mit dem Boden haushälterisch umzugehen. Alle Verantwortlichen beteuern, «massvoll» zu planen, trotzdem schreitet die Zersiedelung voran, denn das Raumplanungsgesetz ist so dehnbar wie ein Nylonstrumpf. Unsere Gossauer Politiker und Ortsparteien tun so, als ob uns das alles nichts angeht. Es steht uns aber nicht zu, das Abholzen der Tropenwälder zu verurteilen, während wir gleichzeitig unsere Lebensgrundlagen durch ungebremsten Bauboom nach und nach zerstören. Künftige Konflikte entstehen vermehrt durch knapper werdende Anbauflächen und Wasserquellen. China hat vorsorglicherweise die Fühler Richtung Afrika ausgestreckt unter dem Vorwand der «Entwicklungshilfe», um sein Volk in Zukunft ernähren zu können. Ob es ehrlich gemeint ist, wird sich weisen, sonst werden noch mehr Afrikaner zur Flucht nach Europa gezwungen. Die «Kornkammer» Russland hat eine Jahrhundertdürre erlebt und Getreideexporte gestoppt. Australien leidet unter der grössten Überschwemmung seit Menschengedenken. Wir sind gefordert, unsere Landreserven zu schonen, indem wir, auch was Industrie und Gewerbe angeht, noch verdichteter bauen. Es gilt, erst mal Lücken zu schliessen, zum Beispiel im Raum Gossau Ost und innerhalb der Stadt. Je nach Konjunkturverlauf ist es unter Umständen gar nicht notwendig, weiteres Kulturland zu opfern. Das Kostbarste, das wir unseren Kindern mit in die Zukunft geben können, ist schlicht und ergreifend – unverbautes Land.

Felix Granwehr

Gerenstr. 34, 9200 Gossau