LEBENSQUALITÄT: Chronisch Kranken Zeit widmen

Seit Dienstagabend hat die Region ein breitabgestütztes Palliative-Care-Forum. Es kümmert sich um die Betreuung von chronisch Kranken und Sterbenden. «Was kann tragen bis zuletzt?» stand im Fokus.

Res Lerch
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Die Gründung des Palliative-Care-Forums fand grossen Anklang. (Bild: Res Lerch)

Die Gründung des Palliative-Care-Forums fand grossen Anklang. (Bild: Res Lerch)

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redaktionot@tagblatt.ch

Manchmal wissen Initianten nicht, ob ein Anlass überhaupt Anklang findet: Umso erfreuter zeigten sich die Organisatoren im Evangelischen Kirchgemeindezentrum in Rorschach, als sie zusätzliche Stuhlreihen aufstellen mussten. Rund 180 Personen besuchten den Gründungsanlass für das Palliative-Care-Forum Bodensee und widerlegten somit die weitverbreitete Ansicht, dass Tabuthemen kaum publikumswirksam sind. Und die Diskussionen rund um schwere, chronische und unheilbare Erkrankungen und das Sterben gehören generell nicht zu den wirklichen Lieblingsthemen in der Gesellschaft und im täglichen Smalltalk. Musikalisch wurde der Abend durch Darbietungen der Alphorngruppe Bodensee und von Peter Roth umrahmt.

Forum verfügt über grosses Netzwerk

Im Palliative-Care-Forum Bodensee sind folgende Netzwerkpartner integriert: Spitex Bodensee, Spitex Helios, Palliativer Brückendienst, Hausärztinnen und Hausärzte der Region, Spital Rorschach, Palliativzentrum Kantonsspital St. Gallen, Palliative-Hotline Ostschweiz, Psychiatrisches Zentrum Rorschach, Pflegeheim Pelago der Region Rorschach, Altersheim Rorschach, Altersheim Seeblick Rorschacherberg, Alterszentrum La Vita Goldach, Pflegeheim Helios Goldach und das Altersheim Gartenhof Steinach. Ebenfalls mit dabei ist die Pro Senectute, die Seelsorge beider Kirchgemeinden, die beiden Hospizgruppen Rorschach/Rorschacherberg und Goldach, der Entlastungsdienst der Region Rorschach sowie Palliative Ostschweiz.

Palliative Care hat zum Ziel, betroffenen Menschen in jeder Krankheitsphase eine optimale Lebensqualität zu geben, und umfasst deshalb eine umfassende Betreuung, Behandlung und Pflege von Menschen mit einer unheilbaren, chronisch fortschreitenden Krankheit und natürlich auch Sterbenden.

Karin Kaspers-Elekes hat als Präsidentin von Palliative Ostschweiz den inhaltlichen Teil dieses Gründungsanlasses geleitet. In ihren Ausführungen ging sie unter anderem darauf ein, was in den jeweiligen Krankheits- und Lebensabschnitten für Betroffene und deren Angehörige am tragfähigsten ist. «Die Angst vor körperlicher, seelischer, sozialer und spiritueller Not ist in solchen Situationen weit verbreitet und löst die noch grössere Angst vor einem eigentlichen Autonomieverlust aus», sagte sie und fügte gleich bei: «Seelisches und körperliches Leid können einander verstärken. Indem man das eine lindert, kann man auch das andere erträglicher machen.»

Betroffenen sowie Angehörigen helfen

Von Schwersterkrankungen Betroffene und deren Bezugspersonen benötigen deshalb nicht nur Begleitende, sondern auch Professionelle mit Zeit, Fachwissen und Personalkompetenz und eben auch Freiwillige, die ihre Zeit, ihre Erfahrung und ihr Können zur Verfügung stellen. Letztlich sollte das vom Erkrankten und seinen Angehörigen gebildete «Netz» durch die schwierige Zeit tragen. «Die Beziehung zwischen Erkrankten, Bezugspersonen und Begleitenden ist mindestens so wichtig wie die zur Ver­fügung stehenden Mittel», sagt Karin Kaspers-Elekes.

Wahrscheinlich bringt es ein Zitat von Cicely Saunders aus dem Jahr 1967 auf den Punkt: «Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.»