LEBENSMITTEL: Ein Unglück als Chance sehen

Nach einem Brand im vergangenen Herbst musste sich die Bufis AG in Gossau neu organisieren. Das Familienunternehmen hat aus der Misere das Beste gemacht und seine Produkte umgestellt.

Perrine Woodtli
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Geschäftsführer Benjamin Wüst im Lagerraum. Seit rund zwei Wochen sind die neuen Saucen mit neuem Design im Umlauf. (Bild: Ralph Ribi)

Geschäftsführer Benjamin Wüst im Lagerraum. Seit rund zwei Wochen sind die neuen Saucen mit neuem Design im Umlauf. (Bild: Ralph Ribi)

Perrine Woodtli

perrine.woodtli

@tagblatt.ch

In der Luft liegt ein würziger Geruch. Kein Wunder, die Bufis AG hat sich vor allem auf die Herstellung von Saucen und Würzprodukten spezialisiert. Das Unternehmen in Gossau liefert seine Produkte schweizweit an Restaurants, Detailhändler sowie Grossverteiler. So werden in der Produktionshalle bereits am Morgen fleissig Flaschen abgefüllt und etikettiert. Dass es den Familienbetrieb mit 25 Angestellten heute überhaupt noch gibt, war vor sieben Monaten noch unklar.

Zahlreiche Lebensmittel weggeworfen

Am 27. Oktober 2016 entstand in der Lebensmittelmanufaktur ein Brand, als zwei Elektriker mit Arbeiten an einem Elektroschaltkasten beschäftigt waren. Ein Arbeiter erlitt eine Rauchgasvergiftung. «Wir können von Glück sagen, das nicht noch Schlimmeres passiert ist», sagt Geschäftsführer Benjamin Wüst. Der 30-Jährige musste damals zusehen, wie sich der Rauch seinen Weg vom Keller bis in den dritten Stock in die Produktionshalle und die Lagerräume bahnte. «Das Feuer selbst konnte schnell gelöscht werden. Das eigentliche Problem war der Rauch, der die ganzen Räume durchflutete», sagt Wüst. Alle kontaminierten Lebensmittel mussten weggeworfen werden. Die Produktionshalle musste komplett von oben bis unten gewaschen werden.

Entstanden war ein Sachschaden in Millionenhöhe. «Das war wirklich alles andere als eine lustige Erfahrung», sagt Wüst. Doch er und sein Team beschlossen, das Beste aus der Situation zu machen. Wüst forderte Hilfe vom Gesundheitsdepartement an. Zwei Lebensmittelinspektoren unterstützen die Firma fortan. Bloss zwei Tage lang stand der Betrieb still. Die Räume konnten etappenweise gesäubert werden. Wüst: «Es waren sehr anstrengende und lange Tage.»

Das Unternehmen stand vor einem weiteren Problem: «Weil wir sehr viel wegwerfen und neu produzieren mussten, waren wir in Verzug. Auch die Verpackung musste neu geliefert werden. Diese bezogen wir damals aus dem Ausland», sagt Wüst. Mit dem weiten Weg hätte die Bufis AG ihre Lieferfristen nicht einhalten können. «Wir entschieden uns, die Flaschen in der Region herstellen zu lassen.»

Neue Verpackung und neues Design

Seit dem Brand werden die Flaschen aus Bischofszell geliefert. Doch damit nicht genug. «Wir wollten im selben Zug unsere gesamten Produkte überarbeiten.» Mit der neuen Verpackung sollte auch ein neues Design her. Dieses entwarf ein St. Galler Grafikerbüro. «Unser altes Design war veraltet. Das neue entspricht dem Zeitgeist und ist trendiger», sagt Wüst. Die Etiketten werden in Rorschach hergestellt. «Für uns ist es einfacher wegen der kurzen Wege, und es ist ökologischer.»

Die wichtigste Änderung betrifft den Inhalt der Flaschen. Die Bufis AG entschied sich dazu, alle Produkte vegan, allergenfrei, mit möglichst wenigen Zusatzstoffen und teils auch glutenfrei herzustellen. «Wir hatten den Vegantrend schon länger beobachtet.

Das Bedürfnis ist klar da. Man muss kein Hellseher sein, um zu sehen, dass vegane Produkte ein Riesenpotenzial haben.» Da die Firma nun sowieso im Umbruch stand, wagte sie den Schritt. Die Traiteur-Saucen seien alle noch die gleichen, nur eben auf veganer und allergenfreier Basis. «Geschmacklich verändert haben sie sich kaum. Wir haben das Rad nicht neu erfunden», sagt Wüst.

Die Saucen und Kräuterbutter seien sowohl für Poulet oder Fisch als auch für Gemüse geeignet. «Wir wollen ein Produkt, das für alle ist.» Die Umstellung sei dennoch eine Herausforderung gewesen. «Wir hatten die Änderungen von einem Tag auf den anderen entschieden. Es musste schnell gehen. Innerhalb zweier Wochen war alles fertig.» Dies sei der Vorteil an einer kleinen Firma. «Wir können alles selber entscheiden.»

Die neuen Produkte werden seit gut zwei Wochen an die Detailhändler und Gastronomiebetriebe geliefert. Die Firma erhielt bereits mehrere Anfragen vom Kantonsspital St. Gallen, wo allergenfreie Produkte gefragt sind. Wüst sieht es positiv, dass aus einem Unglück «etwas Schönes erschaffen wurde». «Wir haben aus der Situation das Beste gemacht und die Chance genutzt, etwas Neues aufzubauen.»

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