Lebensbaum ist Gold wert

GOSSAU-ANDWIL. Jugendliche zu bewegen, auf Suchtmittel zu verzichten: Das ist das Ziel des neu gegründeten Kodex-Vereins Gossau-Andwil. Der Verein sucht nun Jugendliche.

Rita Bolt
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Suchtmittel-Prävention: Thomas Bienz (rechts) und Stefan Lenherr engagieren sich im Vorstand des Kodex-Vereins. (Bild: Urs Bucher)

Suchtmittel-Prävention: Thomas Bienz (rechts) und Stefan Lenherr engagieren sich im Vorstand des Kodex-Vereins. (Bild: Urs Bucher)

Null Drogen, null Tabak, null Medikamente (ausser bei Krankheit), massvoll Alkohol: Wer von den Jugendlichen diese Vorschriften nach drei Jahren mit gutem Gewissen unterschreiben kann, der hat sich einen Lebensbaum verdient. «Die Begeisterung der Jugendlichen ist jeweils gross und sie sind stolz, wenn sie ihren Baum pflanzen dürfen», sagt Thomas Bienz, einer der Initianten des Vereins Kodex Gossau-Andwil, der kürzlich gegründet wurde.

Ausgezeichnet werden die Jugendlichen für ihren Durchhaltewillen aber schon nach einem Jahr mit Bronze, Silber oder Gold oder einem entsprechenden Zertifikat. Den Lebensbaum gibt's, wenn das ganze Programm – volle drei Jahre – erfolgreich abgeschlossen wurde. Und eine Urkunde. «Diese Urkunde ist etwas Wertvolles», sagt Vorstandsmitglied Stefan Lenherr. Diese könne bei Bewerbungen um eine Lehrstelle beigelegt werden.

«Und vielleicht kann diese Bescheinigung sogar entscheidend sein für den Erhalt der Lehrstelle», sagt Lenherr.

Keine Abstinentenorganisation

Kodex-Vereine gibt es bereits einige – auch in der nächsten Umgebung, beispielsweise in St. Gallen, Herisau oder Uzwil. Alle haben sie das Ziel, möglichst viele Jugendliche im Oberstufenalter zu motivieren, freiwillig auf Suchtmittel zu verzichten.

«Die Vereine haben gemeinnützigen Charakter und sind keine Abstinentenorganisationen», heisst es auf der Homepage von Kodex. «Für mich ist dieses Projekt eine gute Sache», sagt Thomas Bienz, der Vater von drei Kindern ist, eines davon im Oberstufenalter. Über die Schulen und Vereine werde der Kodex-Verein versuchen, an Jugendliche zu gelangen, um sie für das Projekt zu gewinnen und zu begeistern.

Das dreijährige Kodex-Programm beginnt Mitte des ersten Oberstufenschuljahres und endet ein halbes Jahr nach Beendigung des neunten Schuljahres. Bereits seien 25 Gossauerinnen und Gossauer – ein Grossteil aus der Maitlisek – mit dabei. «Sie sind keine Vereinsmitglieder, sie sind Programm-Teilnehmende», sagt Thomas Bienz.

Vereinsmitglieder sind bis dato die Gründungsmitglieder des Ortsvereins. Das sind: Erika Müller (Präsidentin), Thomas Bienz (Kassier), Gabriela Ziegler (Aktuarin), Stefan Lenherr, Peter Boppart (Andwil) und Alfred Felix vom Gossauer Jugendsekretariat als Beisitzer. Revisor ist Bruno Damann, Ersatzrevisorin Esther Bänziger.

Eigenverantwortung

Im Kodex-Programm wird viel Wert auf die Eigenverantwortung der Jugendlichen gelegt.

«Kontrollieren, ob die Jugendlichen Suchtmittel konsumiert haben und zu Recht eine Medaille oder den Lebensbaum bekommen, können und wollen wir auch gar nicht», sagt Stefan Lenherr. Der Jugendliche müsse ehrlich mit sich selber sein. Das wiederum trage auch zur Persönlichkeitsbildung bei.

Erster Gönner

Kodex wird von der politisch und konfessionell neutralen Kodex-Stiftung und von lokalen Kodex-Vereinen oder Stützpunkten durchgeführt und auch finanziert.

Die Ortsvereine sind auf Mitglieder und Gönner angewiesen. Der Gossauer Verein hat bereits den ersten Gönner, und zwar die Raiffeisenbank Gossau-Niederwil. Anlässlich der Kontoeröffnung durfte Thomas Bienz 3000 Franken entgegennehmen. Damit könne der Verein nun seine Arbeit aufnehmen.