Lebendige Kultur stiftet Identität

«Wahlstafette: Kultur soll sich selber finanzieren», 22.8.2012

Drucken
Teilen

«Wahlstafette: Kultur soll sich

selber finanzieren», 22.8.2012

In seiner Antwort auf die Frage, für welche kulturelle Institutionen der Stadt er sich rückhaltlos einsetzen würde, zitiert SVP-Kandidat Lambert den Duden, erfasst aber das Wesen von Kultur nicht. So schreibt er im Widerspruch zu seiner Definition von einer «eigentlich toten Kultur». Das ist eine paradoxe Vorstellung, wenn Kultur notwendigerweise lebendige Menschen voraussetzt.

Zum Glück ist unsere Stadt (noch) nicht tot. Wir haben ein wunderbares Spektrum an lebendigen kulturellen Institutionen und Angeboten. Die Bereicherung, die jeder einzelne für sich aus dieser kulturellen Vielfalt erfahren kann, ist nicht zu ermessen. Das Betrachten eines Gemäldes, das Erleben einer Theatervorstellung, das Eintauchen in einen Film, der Hörgenuss einer Musikaufführung. Dies sind Momente, in denen Menschen zutiefst emotional berührt werden können. Das ist Leben, nicht Luxus. Identität stiftet keine neu, noch so gut gebaute Strasse, sondern stiften Institutionen wie der FC St. Gallen, ein Sinfonieorchester, ein Puppentheater, eine Grabenhalle oder eine Bibliothek.

Als Mitglied des Sinfonieorchesters St. Gallen arbeite ich in einer Kulturinstitution, in der insgesamt über 250 Menschen mit Herzblut und hoher Professionalität sich einsetzen, um ein gemeinsames künstlerisches Ziel zu erreichen. Das ist wirklich keine «tote Kultur». Die Qualität der hier gepflegten Zusammenarbeit könnte im Gegenteil auch für politische Arbeit vorbildlich sein.

Karl Schimke

Tubist und Konzertpädagoge/Kandidat Stadtparlament FDP

Scheitlinstrasse 4, 9000 St. Gallen

Aktuelle Nachrichten