Leben in der Asylunterkunft

ST.GALLEN. Betonwände und Neonlichter: Die Zivilschutzanlage im Quartier Riethüsli wirkt derzeit kalt. Doch der Zivilschutz ist bemüht, bis Ende August daraus ein warmes Zuhause zu machen. Dann nämlich ziehen rund 100 Asylanten ein.

Alexandra Pavlovic
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Der Aufenthaltsraum ist der grösste Raum der Zivilschutzanlage. Hier können die Asylsuchenden zusammenkommen und sich austauschen. (Bild: Ralph Ribi)

Der Aufenthaltsraum ist der grösste Raum der Zivilschutzanlage. Hier können die Asylsuchenden zusammenkommen und sich austauschen. (Bild: Ralph Ribi)

Düster wirkt der Treppenabgang zum Eingang der Zivilschutzanlage beim Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum im Quartier Riethüsli. Doch wer durch die dicke Luftschutztür schreitet, gelangt nicht etwa in ebenso düstere Innenräume, sondern in einen «warmen» Bunker. Gelbe und grüne Wände lassen die mit Halogenlichtern beleuchtete Anlage einladend erscheinen. Auch die Luft unter Tage ist angenehm. Was an der guten Lüftung liegt, wie Oliver Caspari, Kommandant der regionalen Zivilschutzorganisation St. Gallen, erklärt.

132 Schlafmöglichkeiten

Ende August wird die Anlage das neue Zuhause für bis zu 100 Asylsuchende. Unterstützt von fünf bis acht Zivildienstlern, werden die neuen Bewohner hier die Möglichkeit haben, Deutsch zu lernen, Spiele zu spielen oder auch fernzusehen. Schlafmöglichkeiten stehen für 132 Personen zur Verfügung. Wie viele Personen pro Schlafraum untergebracht werden, weiss Caspari noch nicht. «Sicher ist, dass wir Frauen und Männer trennen.»

Eingang zur Zivilschutzanlage der Gewerbeschule Riethüsli. (Bild: Ralph Ribi)
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Die Matratzen im Schlafraum sind 80 Zentimeter breit. (Bild: Ralph Ribi)
Männerbad. Insgesamt gibt es zwölf Toiletten, sechs Pissoirs und fünf Duschen. (Bild: Ralph Ribi)
Aussenansicht der Gewerbeschule Riethüsli. (Bild: Ralph Ribi)
Für den Aufenthalt tagsüber wird ein Container auf der Wiese plaziert. Darin soll es ausserdem weitere Duschmöglichkeiten geben. (Bild: Ralph Ribi)
Und hier vor dem Auto geht's abwärts in die Zivilschutzanlage. (Bild: Ralph Ribi)
Hier werden die Asylanten schlafen. In der Anlage hat es Schlafmöglichkeiten für insgesamt 132 Personen. (Bild: Ralph Ribi)
Waschmöglichkeiten und WC-Benutzung in einem. (Bild: Ralph Ribi)
Waschräume (Bild: Ralph Ribi)
Der Abfall soll getrennt werden. (Bild: Ralph Ribi)
Der Aufenthaltsraum ist der grösste Raum der Zivilschutzanlage. Hier können Asylsuchende zusammenkommen und sich austauschen. (Bild: Ralph Ribi)
In der Küche dürfen nur kleine Gerichte gekocht werden. (Bild: Ralph Ribi)
Das Sanitätszimmer. (Bild: Ralph Ribi)
Ein Schliessfach für persönliche Gegenstände für jeden Bewohner. (Bild: Ralph Ribi)
Ein weiteres Schlafzimmer/Massenlager für die Flüchtlinge. (Bild: Ralph Ribi)

Eingang zur Zivilschutzanlage der Gewerbeschule Riethüsli. (Bild: Ralph Ribi)

Die Anlage besitzt neben diesen auch ein Sanitätszimmer, zwölf Toiletten, sechs Pissoirs und fünf Duschen. Weitere Duschmöglichkeiten sollen dann im Container-Provisorium eingerichtet werden. Damit die Asylsuchenden ihre Habseligkeiten sicher verstauen können, erhält jeder Bewohner ein Schliessfach. Die Nutzung einiger anderer Räume ist derzeit noch unklar. «Da wir in den Vorbereitungen stehen, schauen wir fortlaufend, was noch gebraucht wird», sagt Caspari.

Keine geschlossene Anstalt

Die Asylsuchenden sollen sich bei ihrer Ankunft schnell in ihrem neuen Zuhause zurechtfinden. Daher will der Zivildienst mit einigen Ämtli, wie etwa Toiletten- oder Küchendienst, ein wenig Struktur in deren tristen Alltag bringen. Ansonsten seien die Bewohner weitgehend frei, zu entscheiden, wie sie ihre Freizeit gestalten wollen, so Caspari. «Die Anlage soll nicht als eine geschlossene Anstalt gesehen werden, sondern vielmehr als Chance, das Leben in einem fremden Land, so gut es geht, neu zu organisieren.»