Lange Leitung wegen Klima

RORSCHACH. Der Fornogletscher schwindet weiter. Wie vor vier Jahren einen neuen Weg muss der SAC Rorschach deshalb zu seiner Hütte in den Bündner Bergen auch eine neue Wasserversorgung bauen – mit Hilfe von Armee, Freiwilligen und Spendern.

Christoph Wick*
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Material für Tanks, damit die Hütte beim schwindenden Fornogletscher auch im Winter Wasser hat, brachten Armeehelikopter. (Bild: SAC Rorschach)

Material für Tanks, damit die Hütte beim schwindenden Fornogletscher auch im Winter Wasser hat, brachten Armeehelikopter. (Bild: SAC Rorschach)

Eine gut funktionierende Wasserversorgung ist für den Betrieb einer SAC-Hütte unerlässlich. Seit Jahren kämpft die Sektion Rorschach des Schweizer Alpenclubs (SAC) wegen des Gletscherschwunds als Folge des Klimawandels mit zunehmendem Wassermangel in ihrer Fornohütte auf 2574 Metern über Meer im Bergeller Berggebiet.

Durch den Einbau von zwei Wassertanks wurde nun die ganzjährige Versorgung mit Wasser sichergestellt.

Ausbau genügt nicht mehr

Die Versorgung der Fornohütte mit Wasser ist schwerig geworden. Weil der Fornogletscher laufend schwindet, mussten die Alpinisten immer wieder nach neuen Quellen suchen. Die Wasserfassung wird durch einen kleinen Staudamm sichergestellt. Durch eine vor fünf Jahren erstellte, teilweise unterirdisch verlegte Leitung fliesst das Wasser in einen 15 000 Liter fassenden Tank.

Dieses System ist störungsanfällig: Die Leitung gefriert im Winter ein, womit die Hütte nicht mehr mit fliessend Wasser versorgt werden kann. Das führt unter anderem dazu, dass ein unökologisches und unhygienisches Winter-WC benutzt werden muss. Das rief bei Gästen der Fornohütte teilweise heftige Kritik hervor. Eine auch auf Winterbetrieb ausgelegte Berghütte sollte diesbezüglich zeitgemässeren Komfort bieten.

Helikopter überbrückte Ausfall

Vor dem Osterwochenende 2010, an welchem die 100plätzige Hütte für vier Tage ausgebucht war, floss kein Wasser mehr – wegen eines Defekts an der Leitung, wie der Hüttenwart feststellte. Deshalb musste die Hütte innerhalb eines halben Tages durch Armeehelikopter mit Wasser versorgt werden. Dieses stellte die Gemeinde Bregalia in eigens wegen dieses Ausfalls aufgestellten Becken in Maloja zur Verfügung.

Hätte diese Aktion nicht mit Hilfe der Armee durchgeführt werden können, wären zulasten des Hüttenwarts respektive der SAC-Sektion Kosten von rund 8000 Franken entstanden. Oder man hätte sämtlichen Gästen absagen müssen.

Wenn für dieses Problem nicht schnell eine Lösung gefunden worden wäre, hätte man überlegen müssen, auf der Forno den Winterbetrieb aufzugeben.

Dies wäre angesichts des optimalen Tourengebiets ein immenser Schaden für die SAC-Sektion und den Hüttenwart.

Zusätzliche Wassertanks erstellt

Nach eingehender Abklärung durch Spezialisten wurden rund 50 Meter von der Hütte entfernt zwei doppelwandige Kunststoff-Speichertanks à 11 000 Liter erstellt. Aufgrund ihrer unterirdischen Lage sollte das Wasser dort nicht gefrieren. Diese Tanks werden im Sommer gefüllt und versiegelt.

Damit stehen neben den 15 000 im ersten Tank im Winter neu zusätzlich 22 000 Liter Wasser zur Verfügung. Bei Bedarf könnte die Anlage um einen weiteren Tank ergänzt werden.

Fronarbeit der Mitglieder

Gleichzeitig mit dem Einbau der Wassertanks wurde ein defekter Warmwasserboiler ersetzt. Dieser befand sich in einem Schlafraum hinter einer Holzverkleidung, welche entfernt werden musste. Diese Massnahme ermöglichte es auch, den grossen Schlafraum in zwei kleinere, modernere umzubauen.

Das ganze Projekt kostet rund 61 000 Franken. Dabei wurden grosse Anstrengungen unternommen, die Kosten tief zu halten: Die Materialtransporte wurden glücklicherweise durch die Armeehelikopter-Dienste ausgeführt. Die Tanks konnten zu Herstellungskosten erworben werden. Die Arbeiten führten weitgehend Mitglieder der SAC-Sektion Rorschach in Frondienst aus. Und die Finanzierung erfolgt unter anderem auch durch eine Sponsorenaktion (siehe Kasten).

* Der Autor ist Aktuar der Alpenclub-Sektion Rorschach