LANDWIRTSCHAFT: Mit ihnen hat die Stadt den Salat

Heute beginnt in St. Gallen die Saison des Bauernmarktes. Andreas und Clara Andermatt verkaufen Gemüse aus biologischem Anbau. Der Markt ist für sie eine Herzensangelegenheit – aber nicht nur.

Adrian Lemmenmeier
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Ab heute wieder regelmässig am St. Galler Bauernmarkt: Andreas und Clara Andermatt aus Steinach. (Bild: Michel Canonica)

Ab heute wieder regelmässig am St. Galler Bauernmarkt: Andreas und Clara Andermatt aus Steinach. (Bild: Michel Canonica)

Adrian Lemmenmeier

adrian.lemmenmeier@tagblatt.ch

Die hellgrünen Salatköpfe liegen wie ein weiter Teppich am Boden des Gewächshauses. Daneben wachsen bräunliche Salate. Am Rande des Weges, der durch die Ackerflächen führt, stehen ­Kisten. Hier lagern Setzlinge für Gurken und Peperoni sowie Kartoffeln. Demnächst werden sie in die Erde gepflanzt. Andreas Andermatt führt durch das «Paradies». So nämlich heisst der Hof in Obersteinach, den der 52-jährige Landwirt seit über 20 Jahren bewirtschaftet.

«Dank des guten Frühlings haben wir im Moment besonders feine Salate», sagt Andermatt. Auch verschiedene andere saisonale Gemüse sind bereit für den Markt. Vom frischgeernteten Rucola sind nur noch kleine grüne Stummel auf der schwarzen Erdoberfläche zurückgeblieben. Daneben gedeihen Zwiebeln, Kohlrabi und Fenchel. Einige Meter weiter blühen bereits die ersten Kirschbäume. Im «Paradies» werden auch Äpfel, Birnen, Zwetschgen und verschiedene Beeren angebaut. Ebenso werden Heilkräuter gezogen.

Biologischer Anbau geht in die Knochen

Der Hof der Andermatts ist ein Biobetrieb, der saisonal produziert. «Dies bedeutet natürlich einen Mehraufwand», sagt Andermatt. So muss etwa das Unkraut von Hand gejätet werden, da keine Chemikalien eingesetzt werden. Und die Obstbäume werden mit Netzen umspannt, wenn die Früchte reif sind. Weil man auf chemische Substanzen verzichtet, ist das Risiko grösser, Ertragsausfälle zu haben. Dem wird unter anderem mit natürlichen Schädlingsbekämpfern entgegengetreten, sogenannten Nützlingen. «Das können etwa Raubmilben sein, die andere Milben fressen, welche den Pflanzen gefährlich werden.»

Weil man ein sehr breites Sortiment habe, sei ausserdem der organisatorische Aufwand grösser. Ein Gemüsebauer, der für den Grosshändler anbaue, spezialisiere sich in der Regel auf ­einige wenige Sorten. Im «Paradies» in Steinach aber setzt man auf die breite Palette.

Von Beginn an mit dabei

Beim St. Galler Bauernmarkt ist Andreas Andermatt Mitglied der ersten Stunde. Seit über 25AABB22Jahren bietet er zusammen mit anderen Landwirten aus der Region dort seine Produkte feil. «Angefangen hatten wir damals mit einem sehr kleinen Angebot.» Mittlerweile aber hätten sich alle Stände wegen der grossen Nachfrage enorm entwickelt.

«Der Bauernmarkt ist für uns eine Herzenssache», sagt Andermatt. Es zähle vor allem der direkte Kontakt mit den Leuten. «Unsere Stammkundschaft reicht vom Studenten bis zum Porschefahrer und vom 15-Jährigen bis zum 95-Jährigen.» Es ­seien auch langjährige Bekanntschaften entstanden.

Doch auch wirtschaftlich gesehen sei der Bauernmarkt für den Hof wichtig. «Er ist ein wichtiger Betriebszweig geworden.» Nirgendwo sei man so nahe am Kunden und könne so gut auf dessen Bedürfnisse eingehen. «Weil die Zwischenhändler wegfallen, können wir auch gute Preise anbieten.» Und schliesslich, sagt Andreas Andermatt, sei es auch immer wieder ein Ereignis, mal wieder von Steinach nach St. Gallen in die Stadt zu gehen.