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Landmark spielt schon lange keine Rolle mehr

ST.GALLEN. Der erneute Sektenverdachts-Vorstoss der St.Galler Kantonsrätin Verena Frick hat Kopfschütteln ausgelöst. Und doch ist an ihren Spekulationen etwas dran: Zwei kantonale Angestellte liessen sich tatsächlich Kurse der Psychogruppierung Landmark bezahlen, jedoch vor über 20 Jahren.
Marcel Elsener

Verena Frick erregt erneut die Gemüter. «Ihr politischer Vorstoss ist nicht nur dumm, sondern verursacht unnötige Kosten», schimpft die Bernecker alt Kantonsrätin Helga Klee in einem Online-Kommentar über ihre frühere Ratskollegin (Ausgabe 1.9.). Abgesehen von den Motiven für neue Sektenvorwürfe zweifelt Klee (FDP) an der Wahrnehmung Fricks (Ex-SVP), wenn diese, erst Ende 2006 Kantonsrätin geworden, in St.Gallen einen Aushang einer Sekte gesehen haben wollte, die seit 1999 «in der Schweiz keinen direkten Ansprechpartner» mehr habe. Gemeint ist die US-Organisation Landmark, die mit ihren Kursen zur Persönlichkeitsentwicklung in den 1990ern in der Schweiz einen Boom erlebte, der aber nach Aufklärungsarbeit der Sektenberatungsstellen und kritischen Medienartikeln schnell platzte.

Strittige Erwachsenenbildung

Wenigstens eine Spur davon – und die Bestätigung einer von Frick genannten Lokalität – findet sich im Tagblatt-Archiv: Am 13. September 1997 beschreibt Jolanda Spirig-Zünd unter dem Titel «Erwachsenenbildung – oder doch etwas anderes?» eine «Einführungsveranstaltung der Landmark Education im St.Galler Hotel Ekkehard» – mit einem Kursleiter Richard Brunner aus Zürich, drei «euphorischen» Freiwilligen und aber nur neun erst noch reservierten Besuchern. Ein zäher Abend, wie die Journalistin schreibt: «Worum es im 850 Franken teuren Landmark-Forum geht, ist auch nach 90 mühsamen Minuten unklar.»

Im Artikel wird auf die Bedenken seitens InfoSekta und den hängigen Prozess zwischen der Beratungsstelle und Landmark hingewiesen sowie auf das Buch «Das Forum. Protokoll einer Gehirnwäsche. Der Psycho-Konzern Landmark Education». Am 4. Oktober weist Anna Zollinger als Landmark-Verwaltungsrätin im Tagblatt die Manipulationsvorwürfe zurück: «Tausende in der Schweiz haben <das Forum> sowie unsere anderen Kurse besucht und fanden sie wertvoll.»

«Noch nicht sensibilisiert»

Unter den Teilnehmern – hier finden Fricks Phantasien Nahrung – zwei St.Galler Staatsangestellte, deren Landmark-Kurse gemäss Artikel vom Kanton bezahlt wurden. 1992 erhielt eine Mitarbeiterin 450 Fr. aus dem zentralen Kredit für Aus- und Weiterbildung, 1994 zahlte «eine selbständige Institution des Kantons mit eigener Rechnung» 850 Fr. für den Kursbesuch eines Beamten. Man sei «damals noch nicht sensibilisiert» gewesen, wird der damalige Leiter des kantonalen Personalamtes, Elmar Kobler, zitiert. «Seither sind keine weiteren Landmark-Kurse mehr finanziert worden.»

Das war wie gesagt 1997, kurz darauf erhielt InfoSekta vor dem Zürcher Bezirksgericht mehrheitlich recht, und 1999 musste Landmark sein Büro in Zürich schliessen. Seither hört man kaum mehr von der Gruppe, wie Georg Otto Schmid von der Informationsstelle Kirchen – Sekten – Religionen bestätigt: «Landmark hat heute längst nicht den gleichen Stellenwert, nichts erinnert an die Welle der 90er-Jahre.» Landmarks erfolgreiches Forum sei vom ebenfalls amerikanischen Psychokurs von Avatar abgelöst worden, erklärte Schmid 2009 im «Bund», als sich die Bieler Verkehrsbetriebe bei einer Weiterbildung für ihre Buschauffeure bei Avatar «vergriffen».

Was Fricks Vorstoss immerhin bewirken könnte: Dass der Kanton St.Gallen genug sensibilisiert ist punkto Weiterbildungen seiner Angestellten – und heiklen Psycho-Marketing-Angeboten.

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