Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LANDESVERWEIS: Nach Messerstecherei in St.Gallen zu Haft, Busse und Landesverweis verurteilt

Ein Eritreer und ein heute in Spanien wohnhafter Mann sind vor einem Jahr in einen Streit geraten, der in der Spitalgasse in St.Gallen in einer Messerstecherei gipfelte. Der Täter musste sich jetzt vor dem Kreisgericht St.Gallen verantworten.
Symbolbild: Ein Mann aus Eritrea, der einen anderen mit einem Messer verletzt hatte, stand dieser Tage vor dem Kreisgericht St.Gallen. (Bild: Tagblatt-Archiv)

Symbolbild: Ein Mann aus Eritrea, der einen anderen mit einem Messer verletzt hatte, stand dieser Tage vor dem Kreisgericht St.Gallen. (Bild: Tagblatt-Archiv)

Der Angeklagte, ein 36-jähriger Mann aus Eritrea, schilderte an der Verhandlung am Kreisgericht, was sich in der Nacht vom 19. März 2017 aus seiner Sicht zugetragen hatte. Er habe das spätere Opfer, einen heute in Spanien lebenden Mann, vor einem Restaurant im Linsebühl getroffen. Der Mann sei ihm nur vom Sehen her bekannt gewesen. Er habe ihn gefragt, ob er ein Sportgerät von ihm kaufe, da er Geld brauche. Um das Gerät zu besichtigen, gingen sie in die Wohnung des Beschuldigten an der Langgasse.

In die Stadt gefolgt

Laut dem Angeklagten kam es in der Wohnung dann zum Streit, weil der Mann das Gerät nicht kaufen wollte und später Kokain statt Geld dafür bot. Schliesslich verliess er die Wohnung. Der Beschuldigte nahm ein Klappmesser an sich und folgte ihm fünf Minuten später. Er habe das Messer nur mitgenommen, weil er von dem Mann zuvor massiv bedroht worden sei und er ihn im Notfall damit auf Distanz habe halten wollen. Die beiden trafen wenig später wieder aufeinander und der Streit ging auf dem Marktplatz weiter.

Auf einer Videosequenz, die an der Gerichtsverhandlung gezeigt wurde, sah man, dass der Beschuldigte dem anderen Mann folgte, mit ihm redete, und die beiden Männer sich dann gegenseitig schubsten. Am Anfang der Spitalgasse ging der Beschuldigte erneut auf seinen Gegner los. Dieser wehrte ihn mit Fusstritten ab. Schliesslich kam es zum Messerstich. Das Opfer erlitt an der Brust eine etwa zwei Zentimeter tiefe Wunde. Er habe sich nur verteidigt, beteuerte der Beschuldigte, der sich seit dem 21. März 2017 in Untersuchungs- und Sicherheitshaft befindet.

Der Staatsanwalt klagte den Beschuldigten wegen versuchter eventualvorsätzlicher Tötung und wegen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes an. Der 36-Jährige hatte regelmässig Marihuana geraucht. Als Sanktion beantragte die Anklage eine Freiheitsstrafe von 42 Monaten, eine Busse und Landesverweisung. Der Auslöser der Auseinandersetzung sei unklar, da die Aussagen des Beschuldigten als Schutzbehauptung angesehen werden müssten und deshalb als nicht gesichert gelten könnten, erklärte der Staatsanwalt. Für ihn war erwiesen, dass der Beschuldigte der Angreifer war und nicht umgekehrt.

Sich nur gegen stärkeren Mann verteidigt?

Der Verteidiger forderte einen Freispruch vom Hauptanklagepunkt. Sein Mandant sei wegen des Konsums von Marihuana zu einer Busse von 250 Franken zu verurteilen. Aufgrund der Überhaft sei ihm eine Genugtuung von 67'000 Franken auszuzahlen.

Hintergrund der Geschichte sei, dass der Beschuldigte in charmanter Begleitung im Ausgang gewesen und ihm das Geld ausgegangen sei. Deshalb habe er mit dem Verkauf eines seiner Sportgeräte zu einigen Franken kommen wollen, um den Abend fortsetzen zu können. Das Opfer, das dem Beschuldigten körperlich weit überlegen gewesen sei, habe es in seinen Aussagen mit der Wahrheit nie ernst genommen. Der Mann habe seine Verwicklung in den Drogenhandel verschwiegen. Einige Wochen später sei er aber deswegen der Polizei aufgefallen.

Sein Mandant habe niemanden verletzen oder töten, sondern sich nur verteidigen wollen. Die Verletzung durch den Messerstich könne man als leicht bezeichnen. Der Verteidiger machte auch geltend, sein Mandant habe wegen der Sicherheitshaft Arbeit und Wohnung verloren. Er habe sich, seit er in der Schweiz sei, redlich um Integration bemüht. Die heutige Situation sei für ihn nicht leicht, zumal er durch die Kriegssituation in seinem Heimatland schlimme Dinge erlebt habe.

Haft, Busse und Landesverweis

Das Kreisgericht St. Gallen folgte der Argumentation der Verteidigung nicht. Es ging sogar über das von der Anklage beantragte Strafmass hinaus und verurteilte den Eritreer wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und einer Busse von 250 Franken. Der Beschuldigte wird für zehn Jahre des Landes verwiesen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.