Lampen tanzen aus der Reihe

Fussgänger zu schützen, ist vorbildlich. Dass Fussgängerstreifen und die richtige Beleuchtung ihre Sicherheit erhöhen, ist logisch. Die baulichen Massnahmen in Rorschacherberg erscheinen für den Laien aber doch ungewohnt.

Christoph Renn
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Die Strassenbeleuchtung wurde wegen Komplikationen mit dem Fussgängerstreifen verschoben. (Bild: Ruedi Hirtl)

Die Strassenbeleuchtung wurde wegen Komplikationen mit dem Fussgängerstreifen verschoben. (Bild: Ruedi Hirtl)

RORSCHACHERBERG. Ob er funktional ist, darüber möchte sich niemand klar äussern. Aber das Zentrum verschönern soll er alleweil. Soll, denn der Zentrumsbegriff in Rorschacherberg schwebt ebenso im Dunkeln. Die Rede ist vom ausgezeichneten Lampendschungel auf der Goldacherstrasse in Rorschacherberg. Eine Lampe reiht sich an die andere, immer im gleichen Abstand, immer mit dem Zwilling auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Eine Allee, perfekt, wie es sie nur von Menschenhand erstellt gibt. Und nun das! Zwei Lampen tanzen seit kurzem aus der Reihe. Sicherheitsmassnahmen haben sie dazu gezwungen. Sie strahlen einander nicht mehr an, sie strahlen versetzt. Und das wegen eines Fussgängerstreifens, der sich zwischen sie drängt und ihr Dasein untergräbt.

Der Kanton zahlt

Die gelben Streifen verliefen nicht nach den Vorschriften. «Der Warteraum für Fussgänger war bei der Einbiegung der Paradiesstrasse in die Goldacherstrasse nicht gesichert», sagt Florin Scherrer, Projektleiter Langsamverkehr des kantonalen Tiefbauamtes. Und das sei eines der grössten Probleme. «Da sind wir relativ streng.» Aufmerksam auf die Sicherheitsmängel wurde das Tiefbauamt im Rahmen der Überprüfung der rund 1400 Fussgängerstreifen, die über die St. Galler Kantonsstrassen führen. «Bei knapp der Hälfte aller Fussgängerstreifen sind aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse Massnahmen erforderlich», sagt Scherrer. «Für die Kosten der Verschiebung des Fussgängerstreifens und der Beleuchtungen kommt der Kanton auf», sagt Marcel Suhm von den Technischen Betrieben Rorschacherberg.

Weiter rechts geht nicht

Auch die Kantonspolizei bestätigt, dass die Sicherheit bei diesem Strassenübergang nicht den Vorschriften entsprach. Laut Mediensprecher Gian Andrea Rezzoli liege in diesem Fall kein Fehler in der Planung oder Ausführung vor. Auch wenn es vielleicht so wirken könnte. «Der Fussgängerstreifen muss nach den Vorschriften genau dort sein», ergänzt er. Dies sagt auch Florin Scherrer. «Nach links haben wir ihn nicht verlegen können, weil dort der Parkplatz der Bäckerei ist. Und weiter nach rechts ging es nicht, weil dort eine Einfahrt ist», erklärt er.

Da der heutige Standort des Fussgängerstreifens nach den Vorschriften der einzig wahre ist, müssen die Kandelaber weichen. Nicht nur, weil Passanten sich an ihnen den Kopf hätten stossen können, sondern weil auch die Beleuchtung zur erhöhten Sicherheit beiträgt, weiss Scherrer. «Das Licht darf in keinem Fall direkt von oben kommen.» Denn es müsse nicht der Fussgängerstreifen beleuchtet werden, sondern die Passanten. «Wenn das Licht seitlich eintrifft, werden sie durch den Schattenwurf optisch vergrössert», erklärt Rezzoli. Und Scherrer fügt hinzu: «Die Beleuchtung war schon vorher nicht optimal.»

In Absprache mit der Gemeinde hat man sich laut Scherrer für diese Massnahmen entschieden. Diese Lösung sei die wirtschaftlichste – auch wenn sie für Laien komisch wirke. «Eine andere Möglichkeit wäre beispielsweise ein Umbau der Kreuzung gewesen», sagt Florin Scherrer.

Sicher ist dieser Übergang nun also. Dafür musste man in die «Lichtallee» ein Loch reissen. Die zwei Kandelaber sind so zu Ausreissern geworden. Einer nach links, einer nach rechts.

Lampen werden verschoben. (Bild: ren)

Lampen werden verschoben. (Bild: ren)