Lämmlerbrunnen kommt zurück

Die Bronzeskulptur «Textil» wird wieder auf dem Bahnhofplatz installiert. Weil das Projekt Akari zur Neugestaltung des Bahnhofplatzes geändert wird, muss nochmals eine öffentliche Auflage mit Einsprachemöglichkeit durchgeführt werden.

Daniel Wirth
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Der Lämmlerbrunnen vor seiner Demontage in der südöstlichen Ecke des Bahnhofplatzes. Hier wird er auch wieder aufgestellt – in neuem Glanz. (Archivbild: Ralph Ribi)

Der Lämmlerbrunnen vor seiner Demontage in der südöstlichen Ecke des Bahnhofplatzes. Hier wird er auch wieder aufgestellt – in neuem Glanz. (Archivbild: Ralph Ribi)

Wie das Tagblatt bereits gestern exklusiv berichtet hat, wies das Departement des Kantons St. Gallen eine aufsichtsrechtliche Anzeige Roman Weibels gegen den Entscheid des Stadtrates, den Lämmlerbrunnen anstelle des ursprünglich geplanten Wasserspiels zu belassen, ab. Der Entscheid des Kantons bedeute, dass sich der Stadtrat nach einer Abstimmung nicht mehr an seine Versprechungen vor der Abstimmung halten müsse: Das schreibt Beschwerdeführer Roman Weibel in einer Stellungnahme. Die Stimmberechtigten der Stadt hatten im Juni 2013 mit einem Ja-Anteil von 54 Prozent einer Neugestaltung des Bahnhofplatzes zugestimmt. Teil des Projekts Akari war ein Wasserspiel anstelle des 1980 von Köbi Lämmler installierten bronzenen Brunnens.

Weibel fühlt sich verschaukelt

In der Abstimmungsbroschüre habe der Stadtrat versprochen, den Lämmlerbrunnen abzubauen und ein Wasserspiel zu realisieren, schreibt Weibel. Zum Wasserspiel habe der Stadtrat mehrmals Bildvisualisierungen publiziert. Darum fühle er sich als Stimmbürger verschaukelt. Im Nachhinein zu sagen, das Wasserspiel sei kein wesentliches Projektelement gewesen, sei zu einfach, moniert Weibel.

Genugtuung beim Stadtrat

Der Stadtrat dagegen hat mit Genugtuung vom Entscheid des Departements des Innern Kenntnis genommen, wie er gestern in einem Communiqué mitteilte. Der Kanton als Rekursinstanz sei der Argumentation der Stadt gefolgt, wonach die Bürgerschaft ein Projekt mit der Bewilligung eines Kredits nur mittelbar genehmige. Der Zweck des Kredits bleibe gewahrt, wenn die Projektänderung keine wesentliche sei. Die vorliegende Projektänderung sei gerechtfertigt und nicht wesentlich. Roman Weibel sieht das anders, wie er schreibt: «Ein wichtiger Grund, warum ich der Umgestaltung zugestimmt habe, war das Wasserspiel.» Er als Beschwerdeführer akzeptiere den Entscheid der Aufsichtsbehörde, auch wenn dieser nicht mit seinem Rechtsempfinden übereinstimme.

Der Entscheid des Stadtrates, auf das Wasserspiel zu verzichten und den Lämmlerbrunnen auf dem Bahnhofplatz zu belassen, sei aufgrund neuer Erkenntnisse somit hinreichend begründet und gerechtfertigt, kommentiert der Stadtrat die Stellungnahme des Kantons, die am 17. September den Parteien zugestellt wurde. Zu diesen neuen Erkenntnissen gehörten die fehlende Standortalternative für den Lämmlerbrunnen und die gemäss neuen Berechnungen unverhältnismässig hohen Kosten für den Unterhalt und den Betrieb des geplanten Wasserspiels. Deshalb habe der Stadtrat sein Ermessen bei der Beschlussfassung im Dezember vergangenen Jahres nach Auffassung des Departements des Innern korrekt ausgeübt, heisst es im Communiqué der Stadt.

Neues Auflageverfahren

Die Stadt hatte schon früher kommuniziert, dass der Entscheid für den Lämmlerbrunnen und gegen das Wasserspiel eine Projektänderung darstellt. Hierfür muss gemäss den Bestimmungen im Strassengesetz nochmals eine öffentliche Auflage mit der Möglichkeit der Einsprache durchgeführt werden. Derzeit seien die Detailarbeiten zur Neugestaltung der südöstlichen Ecke des Bahnhofplatzes, die als Kornhausplatz bezeichnet wird, noch im Gange. Über den Zeitpunkt des Auflageverfahrens kann heute noch keine Aussage gemacht werden.

Der Lämmlerbrunnen wurde im März demontiert und in die Kunstgiesserei im Sitterwerk gebracht. Dort wird die Skulptur untersucht und aufgefrischt.