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LÄDELISTERBEN: Abenteuer Selbstständigkeit

Wer wagt es heutzutage überhaupt noch, ein eigenes Geschäft aufzumachen? Sara Poplasen beispielsweise. Sie hat für ihren Traum die Pensionskasse geplündert und schlaflose Nächte verbracht.
Daniel Walt
In der ehemaligen Confiserie Pfund am Marktplatz 10 führt Sara Poplasen neu das Café Goldkind. (Bild: Benjamin Manser)

In der ehemaligen Confiserie Pfund am Marktplatz 10 führt Sara Poplasen neu das Café Goldkind. (Bild: Benjamin Manser)

Daniel Walt

daniel.walt@tagblatt.ch

Das Lädelisterben grassiert – in kleineren Gemeinden, aber auch in Städten wie beispielsweise St. Gallen. Wie die «Ostschweiz am Sonntag» berichtete, haben sich in der Ostschweiz die leerstehenden Verkaufsflächen innert der letzten drei Jahre verdoppelt. Einen Beitrag gegen diesen Trend hat die 51-jährige Sara Poplasen geleistet: Sie hat im vergangenen September jenes Ladenlokal im Herzen St. Gallens übernommen, in dem sich zuvor über Jahrzehnte die Confiserie Pfund befunden hatte. «Mir macht das Lädelisterben in der Ostschweiz Sorgen», sagt sie. Trotz einer schwierigen Anfangsphase im Café Goldkind mit einigen schlaflosen Nächten bereut sie den Schritt in die Selbstständigkeit aber nicht.

«Es war schon immer mein Traum»

Natürlich habe es kritische Stimmen gegeben, als sie sich für die Nachfolge der Confiserie Pfund interessiert habe, sagt Sara Poplasen. Der Tenor lautete, es sei heutzutage ein Risiko, ein eigenes Geschäft aufzumachen. Bekanntlich waren die Umsätze des Vorgänger-Geschäfts in den letzten Jahren rückläufig gewesen. Poplasen, Mutter dreier bereits erwachsener Söhne, liess sich davon aber nicht beeindrucken. «Wenn man etwas nicht versucht, weiss man nicht, wie es herausgekommen wäre», entgegnete sie den Warnern. Und steckte ihre Pensionskassengelder ins Abenteuer Selbstständigkeit.

«Es war schon immer mein Traum, ein eigenes Café mit selber hergestelltem Brot und Confiserie-Produkten zu betreiben», sagt Poplasen. Die ausgebildete Lebensmitteltechnologin aus Bosnien lebt seit 27 Jahren in St Gallen. Hier arbeitete sie als Aushilfe in einer Cafeteria, hier half sie später in der Backstube aus. Zuletzt war sie Pöstlerin – ein verhältnismässig sicherer Job mit garantiertem Einkommen, den sie für ihr eigenes Café aufgab.

20-Stunden-Tage waren keine Seltenheit

«Alles oder nichts – ich gehe volles Risiko ein», sagt Sara Poplasen. So müsse man wohl auch ticken, wenn man den Schritt in die Selbstständigkeit tatsächlich wagen wolle. Zudem müsse man bereit sein, überdurchschnittlich viel zu arbeiten. 20-Stunden-Tage seien anfangs keine Seltenheit gewesen, berichtet Poplasen.

In den ersten zwei, drei Monaten fand sie zudem nur schwer Schlaf. Nachdem der Rummel beim Wechsel von der Confiserie Pfund zum Café Goldkind beträchtlich gewesen war, wurde es nach der Eröffnung nämlich plötzlich ruhig. «Ich fragte mich, ob es nun so harzig weitergehen würde», berichtet die 51-Jährige. Glücklicherweise habe das Geschäft dann aber wieder angezogen – ausser an den Sonntagen. «Dann ist die Stadt wirklich leer. Teils kamen nur fünf, sechs Gäste, an den Sonntagen machte ich Verlust», sagt Poplasen. Deshalb entschied sie sich, ihr Café nur noch an einem Sonntag pro Monat zu öffnen. «Ich musste handeln, auch wenn es mir schwerfiel», blickt sie zurück.

Die 20-Stunden-Tage aus der Anfangszeit sind glücklicherweise Geschichte. Ein Zuckerschlecken ist der Arbeitsalltag von Sara Poplasen, die aushilfsweise auch Studenten beschäftigt, aber nach wie vor nicht: Sie beginnt um 4 Uhr morgens, und ihr Tag endet meistens erst gegen 21 Uhr. Bei der Post hatte sie zuletzt eine 80-Prozent-Anstellung gehabt. «Es war sicher ruhiger vorher. Aber ich bin glücklich», sagt sie. Geld sei zudem nie die Triebfeder für ihren Entscheid gewesen, ein eigenes Geschäft zu haben: «Ich habe hier nicht angefangen, um reich zu werden. Ich will Ende Monat einfach alle Rechnungen bezahlen können», sagt sie.

Als beträchtlichen Posten nennt Poplasen die Miete für das Lokal. In St. Gallen seien die Mieten grundsätzlich zu hoch, findet sie und merkt an, so nehme man es in Kauf, dass die Innenstadt aussterbe.

«Jene mit Herzblut werden überleben»

«Ich würde es wieder tun»: Das sagt Sara Poplasen im Rückblick auf ihren Entscheid, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Den Einkaufstourismus und das zunehmende Online-Shopping betrachtet sie mit Sorge. Dass das Schicksal sämtlicher kleinerer Geschäfte besiegelt sei, wie teils befürchtet werde, glaubt Sara Poplasen allerdings nicht. Sie ist überzeugt: «Jene Gewerbetreibenden, die authentisch und mit Herzblut bei der Sache sind, werden überleben.»

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