«Lady in Red» überspringt ein Jahr

Die 22-jährige Thalerin Jolanda Neff erhält als erste Mountainbikerin der Welt eine Sonderbewilligung, um vor dem Erreichen des 24. Altersjahres an der Elite-Weltmeisterschaft zu starten. Die Beförderung ist zwar einmalig – aber durchaus logisch.

Yves Solenthaler
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Jolanda Neff: Die 22-jährige Gesamtweltcup-Siegerin und Nummer 1 der Weltrangliste kann in diesem Jahr an der Elite-WM starten. (Bild: Yves Solenthaler)

Jolanda Neff: Die 22-jährige Gesamtweltcup-Siegerin und Nummer 1 der Weltrangliste kann in diesem Jahr an der Elite-WM starten. (Bild: Yves Solenthaler)

THAL. Die «Lady in Red» wird vom Popbarden Chris de Burgh besungen, an Jolanda Neff hat der Ire dabei mit Sicherheit nicht gedacht. Denn die aktuell beste Mountainbikerin der Welt wurde erst sieben Jahre später geboren, nachdem der Song 1986 entstanden war. «Lady in Red» prangt nun aber als Schriftzug auf Jolanda Neffs neuem Stöckli-Bike. Sie hat Freude an solchen Specials, und deshalb zeigt der Schriftzug auf dem Mountainbike die Hingabe, mit der sich die Innerschweizer Firma um ihre U23-Weltmeisterin kümmert.

Saison ausschliesslich in Rot

«Lady in Red» – oder wie die Walliser Liedermacherin Sina singt: «Königin in Rot» – trifft auf die Thalerin in dieser Mountainbike-Saison bestimmt zu: Sie trägt Rot, ob sie nun mit dem Originaltrikot ihres neuen Teams oder dem der Schweizer Meisterin Rennen bestreitet. Denn im Regenbogentrikot der U23-Weltmeisterin wird man Neff in dieser Saison nicht sehen.

Der Grund dafür ist einfach: Die Thalerin wird keine U23-Rennen mehr bestreiten, und nur in diesen dürfte sie das Weltmeistertrikot tragen. Dabei erreicht sie das 24. Altersjahr erst 2016, und der Weltverband UCI ist bekannt dafür, dass er penibel auf die Einhaltung der Altersbeschränkung achtet.

So ist Jolanda Neff in der Geschichte des Mountainbikes die erste Fahrerin, die vor dem Jahr in dem sie 23-jährig wird, überhaupt keine U23-Rennen mehr bestreitet. Selbst der Bündner Nino Schurter, ebenfalls dreifacher U23-Weltmeister, musste sich gedulden, bis er 23 war, ehe er erstmals an einer Elite-WM starten durfte. Hatte die UCI den Antrag von Swiss Cycling, ob Jolanda Neff an der WM in der Elite starten könne, vor einem Jahr noch abgelehnt, hat der Weltverband diesem Ansinnen nun stattgegeben.

Kuriose Situation

Dieser Entscheid ist eine Sensation, weil er einmalig ist. Er ist aber auch logisch, weil sich die beste Mountainbikerin der Welt an Titelkämpfen mit den Allerbesten messen sollte. Denn im letzten Jahr war die absurde Situation entstanden, dass die Siegerin des Gesamtweltcups und Welt-Nr. 1 nicht an der Elite-Weltmeisterschaft starten durfte – stattdessen verteidigte die Thalerin in Norwegen den U23-Weltmeistertitel zum zweiten Mal. Aber selbst die Kanadierin Catharine Pendrel, die in Lillehammer die Elite-Goldmedaille gewann, sagte zur Thalerin: «Es ist schade, dass du nicht in der Elite gestartet bist.»

Ob der Start in der Elitekategorie auch an der Europameisterschaft gilt, ist noch nicht sicher, weil die EM vom europäischen Verband UEC veranstaltet wird. Gemäss Selina Kuepfer, Kommunikationsverantwortliche von Swiss Cycling, ist der entsprechende Antrag noch nicht beantwortet worden.

Auf der Jagd nach Rekorden

Fest steht aber, dass Neff an der WM vom September in Andorra erstmals um den Elite-Titel fahren wird. Sollte sie dort gewinnen, wäre sie logischerweise die jüngste Elite-Weltmeisterin im Cross-Country aller Zeiten – die jüngste Gesamtweltcup-Siegerin der Geschichte ist die «Lady in Red» bereits.

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