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LADENSTERBEN: Bitterer Abschied nach 40 Jahren: Das Jeanshüsli zieht aus St.Gallen weg

St. Gallen verliert einen weiteren kleinen Laden: Nach 40 Jahren hat das Jeanshüsli seine Türen geschlossen. Die Inhaberin ärgert sich über die städtische Verwaltung und zieht mit ihrem Geschäft nach Herisau.
Christoph Renn
Das Jeanshüsli an der Metzgergasse 26 ist seit Anfang Woche geschlossen. (Bild: Urs Bucher)

Das Jeanshüsli an der Metzgergasse 26 ist seit Anfang Woche geschlossen. (Bild: Urs Bucher)

Christoph Renn

christoph.renn

@tagblatt.ch

«St. Gallen hat seinen Charme verloren.» Christine Gasser vom Jeanshüsli hat genug von der Stadt. Nach 40 Jahren in der Metzgergasse bleiben deshalb seit Anfang Woche die Türen ihres Geschäftes geschlossen. In einem Brief verabschiedet sich Gasser von ihren Kunden: «Schweren Herzens, aber auch mit viel Optimismus und einer gewissen Leichtigkeit verabschieden wir uns aus der Hauptstadt und ziehen in die Industrie Herisau», schreibt sie.

Der Entscheid ist Gasser nicht leicht gefallen. Aber vor allem, «weil die Verwalter der Stadt sehr kleinlich geworden seien», habe sie einen Schlussstrich ziehen müssen. So hätte sie keine Stühle und Tische mehr vor ihrem Geschäft aufstellen dürfen und am Sonntagsverkauf im Dezember seien die ersten Besucher in der Metzgergasse Polizisten gewesen, die Parkbussen verteilt hätten. Hinzu kämen der Abbau der Parkplätze in der nördlichen Altstadt und die mehrmonatige Baustelle in der Metzgergasse. «So ist es uns verleidet, den Laden weiter zu betreiben.» Für die Kunden gibt es jedoch eine gute Nachricht: Am 7. Februar eröffnet das Jeanshüsli-Team ihr ausgebautes Gebäude in Herisau, wo Gasser seit zehn Jahren ihren zweiten Laden betreibt.

Die goldenen Jahre des Jeanshüsli

Begonnen hatte die Geschichte des Jeanshüsli im Herbst 1978. Zusammen mit ihrem Mann Christian eröffnete Christine Gasser den Laden. «Ich war in einer Flower-Power-Stimmung. Bluejeans und ein langes Hemd waren mein Outfit.» Nach Anfangsschwierigkeiten hätten sie schnell dazu gelernt. In den 1980er-Jahren blühte das Geschäft dann so richtig auf. «Cowboystiefel, weisse Socken und Superröhrli-Jeans, heute Skinnyjeans genannt, gehörten zu den Verkaufsschlagern», erinnert sie sich. Mit dem Laden wuchs auch die Familie. Zwischen 1982 und 1989 bekamen die Gassers vier Kinder. «Es war für uns die beste Zeit des Lebens, fernab von Facebook, I-Phone und Co.»

Der Erfolg hielt an. Wirtschaftlich florierte das Jeanshüsli. «Alles war easy. Wir glaubten, so müsse es jetzt auf ewig weitergehen», sagt Gasser. Doch dann kam alles anders. Die globale Wirtschaft und das Internet entwickelten sich schnell. Vor allem die Onlinehändler machten dem kleinen Geschäft Kunden streitig. «Begegnungen und Gespräche auf der Gasse und im Geschäft wurden immer weniger.» Die Kundenfrequenz sei stetig gesunken. «Hinzu kamen der Frankenschock, der den grenzüberschreitenden Einkaufstourismus verstärkte», sagt Gasser. Insgesamt spielten zu viele Faktoren gegen das Jeanshüsli. Deshalb habe sie nun die Reissleine gezogen, bevor es zu spät sei. Mit dem Gedanken, nach Herisau zu ziehen, spiele sie schon länger: «Vor zwei Jahren kam die Idee erstmals auf.» Doch die Zeit war damals fürs Jeanshüsli noch nicht gekommen. Im vergangenen Jahr sorgte dann ein Inserat für Aufregung, in dem die Verwaltung ihre Liegenschaft zu früh zur Vermietung ausgeschrieben hatte (siehe Zweittext).

Eine schöne Zeit in St. Gallen

Obwohl die letzten Jahre fürs Jeanshüsli nicht die besten waren, blickt Christine Gasser wehmütig in die Vergangenheit zurück: «Insgesamt war es eine tolle Zeit in St. Gallen.» Sie habe gute Menschen, Begegnungen und das Schöne im Leben gesucht. «Das habe ich hier gefunden.» Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen hätten sie jedoch zu diesem Schritt gezwungen. Trotzdem blickt sie optimistisch in die Zukunft: «In Herisau können wir unseren Traum weiterleben.»

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