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Lachen-Quartier: Schöner als im Ghetto

ST.GALLEN. Die Lachen wurde schon einmal als «Ghetto» der Schweiz abqualifiziert. Doch das Gegenteil sei wahr, sagte Kantonsrat Etrit Hasler am Freitag auf einem SP-Spaziergang: Im Quartier sei harmonisches Nebeneinander von Kulturen möglich.
Margrith Widmer
Die einzige grössere Grünfläche im Quartier Lachen ist die Sömmerliwiese. Die Stadt plant hier einen Tageshort für 180 Kinder aus den Schulhäusern Feldli und Schönenwegen. (Bild: Benjamin Manser)

Die einzige grössere Grünfläche im Quartier Lachen ist die Sömmerliwiese. Die Stadt plant hier einen Tageshort für 180 Kinder aus den Schulhäusern Feldli und Schönenwegen. (Bild: Benjamin Manser)

Vor neun Jahren hat das Bundesamt für Statistik Problemquartiere der Schweiz definiert. Die Lachen landete auf einem Spitzenplatz. Das Magazin «Facts» bezeichnete das Quartier damals als eines der schlimmsten «Ghettos». Nichts sei falscher, sagte Kantonsrat Etrit Hasler am Sommerspaziergang der SP Stadt durch die Lachen: «Die Leute wohnen gern da.» Ein harmonisches Nebeneinander der Kulturen und Lebensformen sei hier Realität: «Wir haben Post, Apotheke, Drogerie, Migros, Denner und ein Brautmodegeschäft, drei Primarschulen, eine Oberstufe und KV – und einen Friedhof.»

Erste Station beim Spaziergang am Freitagabend war der Friedhof Feldli – 1876 anstelle des städtischen Friedhofs St. Mangen angelegt. Vor einem Jahr wurde nach langem politischem Kampf das erste moslemische Grabfeld im Kanton geschaffen. Reha Özkarakas, Generalsekretär der Föderation islamischer Dachorganisationen Schweiz, und Ali Hodzic vom Dachverband islamischer Gemeinden der Ostschweiz informierten über die moslemische Bestattung: die rituelle Waschung des Leichnams, das Totengebet und das Begräbnis in der Gebetsrichtung nach Mekka.

Erstes moslemisches Grabfeld

Moslems kennen keine Grabsteine; auf ihren Gräbern stehen Holzstelen mit den Namen der Verstorbenen, Geburts- und Todesdatum. Viele Moslems hätten sich bisher in ihrer Heimat beerdigen lassen, sagte der Bosniake Ali Hodzic; sie hätten sich in der Schweiz nicht heimisch gefühlt. Die Moslems der späteren Generationen hingegen würden sich vermehrt hier beerdigen lassen. Für sie sei die Schweiz zur Heimat geworden.

Massive Verdichtung

Das Quartier Lachen verändert sich stark – es ist eines der am dichtesten besiedelten der Stadt, manchmal mit nahezu britischer Reihenhaus-Optik, so Etrit Hasler. An der Ulmenstrasse wird jetzt noch mehr verdichtet. Hier entsteht ein grosses Wohngebäude mit Migrosfiliale. Denn: Die Migros Lachen an der Zürcherstrasse ist längst viel zu klein. Dort wird der grösste Umsatz pro Quadratmeter der Ostschweiz erzielt. Es gebe aber auch Ängste, so Hasler: Es werde mehr Verkehr geben; ältere Häuser, deren Renovation «zu teuer» wäre, könnten abgerissen und ersetzt werden.

Tageshort auf der letzten Wiese

Wenn es nach dem Willen der Stadt ginge, würde es auch auf der Sömmerliwiese, der einzigen grösseren Grünfläche im Quartier, zu grossen Veränderungen kommen: Auf dieser Wiese plant die Stadt einen Tageshort für 180 Kinder aus den Schulhäusern Feldli und Schönenwegen. Doch die Quartierbevölkerung wehrt sich gegen den Neubau: «Wir sind nicht gegen den Tageshort. Aber wir finden, die beiden Kuben können auch dort erstellt werden, wo sich der alte Hort befindet», sagte Pius Jud, Präsident des Quartiervereins Lachen.

Deshalb hat die IG Sömmerliwiese eine Initiative lanciert: Die Wiese soll in die Grünzone A umgezont werden. Damit könnte sie nicht mehr überbaut werden und bliebe langfristig als Grünfläche erhalten.

Gas abfackeln

Unter der Sömmerliwiese war einmal ein Tal: Es ist mit dem St. Galler Müll aufgefüllt worden – mit «Gallemischt». In den umliegenden Schrebergärten riecht es manchmal immer noch nach Gas. Früher habe man ein Rohr in den Boden gesteckt und das Gas einfach abgefackelt, erzählten Anwohner.

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