KURZGESCHICHTE: Es sprudelt einfach so aus ihr heraus

Miriam Schöb ist Schülerin an der Kantonsschule am Burggraben und Slam-Poetin. Am liebsten schreibt sie Mundart. Jetzt hat sie einen Preis gewonnen.

Nina Rudnicki
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Miriam Schöb liebt das Kreative und hat einen Traum: das Schreiben eines eigenen Theaterstücks. (Bild: Hanspeter Schiess)

Miriam Schöb liebt das Kreative und hat einen Traum: das Schreiben eines eigenen Theaterstücks. (Bild: Hanspeter Schiess)

Nina Rudnicki

stadtredaktion@tagblatt.ch

«Wenn wir gleich ein Foto von mir machen, dann bitte nicht so ein langweiliges, sondern irgendetwas Verrücktes», sagt Miriam Schöb. Die 18jährige Schülerin steht vor der Kantonsschule am Burggraben. Das Erste, was an ihr auffällt, sind die gelb-schwarz-gepunkteten Socken, die sie über die Hosen gezogen hat. Der zweite Eindruck ist, dass sie viel redet und fragt und dass sie selbst­bewusst ist. Den Fotografen etwa führt sie schnurstracks in die ­Bibliothek, wo sie vor ihm auf einem Bein balancierend mit beiden Händen Büchertürme in die Luft stemmt. «Ich mag provokative Sachen, bizarre Dinge und Aktionen, die man nicht erwartet», sagt sie.

«Nöchschte Halt: Neuaafang»

Das passt ganz zu jemandem, der an Poetry Slams mitmacht und Sätze schreibt wie: «D’Lüüt sind äso, alles mönds im ene Affezaah erledige, iischtiege, usschtiege, schnell äs Buttergipfeli vom Bahnhofbeck onder de Nase ineschiebe, chorz go brünzle, uf de Toalette en chorze Tönü-Tschägg und zagg, zagg, ab goh Chöle scheffle.» Letzteres ist ein Abschnitt aus ihrer Kurzgeschichte «Nöchschte Halt: Neuaafang», mit der sie es auf den zweiten Platz des Kurzgeschichtenwettbewerbs ihrer Kantonsschule geschafft hat (siehe Zweittext). Sie ist die einzige Gewinnerin mit einem Text auf Schweizerdeutsch. Auf Schweizerdeutsch schreibt sie, weil sie Dialektwörter liebt. «Ausdrücke wie Schnäderfrässig, Bötzger und Busle sind einfach einmalig», sagt sie.

Mitten in der Nacht schreiben

Die Kurzgeschichte «Nöchschte Halt: Neuaafang» ist bereits der zweite Erfolg von Miriam Schöb innerhalb eines Jahres. So hat sie vergangenen Winter die Finalrunde der Mittelschulmeisterschaften im Poetry Slam gewonnen. Auch bei der aktuellen U20-Slam-Saison macht sie mit: Am 16. Dezember tritt sie in Frauenfeld im Kaff auf und am 24. Fe­bruar am kantonalen U20-Slam-Final im Jugendkulturraum Flon in St. Gallen. Ausserdem ist sie am 26. Januar beim Jazz-Slam im Pavillon im Park in St. Margrethen mit dabei und am 17. und 18. Februar beim Puppen-Slam im Figurentheater in St. Gallen. Inspiration für ihre Texte findet sie in Aktualitäten, Gesprächen mit Menschen und in Romanen. Ihr Lieblingsbuch ist «Das Parfüm» von Patrick Süskind. «Es ist einfach genial, wie ekelerregend es geschrieben ist und wie sehr man sich dennoch mit dem Mörder identifiziert», sagt sie. Auch das Buch «Der Goalie bin ig» von Pedro Lenz habe sie beeinflusst.

Der Klang des berndeutschen Textes habe sie sofort fasziniert und darin bestätigt, ebenfalls in Dialekt zu schreiben. Ihr allererster Slam-Text, den sie vortrug, thematisierte den Weltfrieden. Es sei ein philosophischer Text gewesen, betont sie. Entstanden sei er nachts um drei Uhr, als sie nicht schlafen konnte und über irgendetwas nachdachte.

Vom eigenen Theaterstück träumen

Die 45minütige Busfahrt von ihrem Zuhause in Staad zur Kantonsschule in St. Gallen nutzt sie etwa, um ihre Gedanken schweifen zu lassen. Ihr Smartphone lässt sie in der Tasche und schaut aus dem Fenster. «Wenn mir etwas auffällt oder ich interessante Sätze höre, dann schreibe ich das auf», sagt sie. Viele Ideen kommen Miriam Schöb aber auch erst während des Schreibens selbst. Dann sprudelt es aus ihr heraus. An ihrem Text für den Kurz­geschichtenwettbewerb hat sie beispielsweise nur während zwei Schullektionen geschrieben und diesen dann daheim nochmals während ein bis zwei Stunden überarbeitet. An Slam-Texten arbeitet sie hingegen etwas länger. Acht Slam-Texte, eine Kurzgeschichte und eine Gedichtsammlung hat sie schon verfasst.

Für ihre Zukunft bedeutete das, dass sie nach der Matura mit Schwerpunkt Bildnerisches Gestalten am liebsten an der Hochschule Luzern Kunst und Vermittlung studieren will. Nebst dem Schreiben fotografiert, malt und singt sie. Vielleicht wagt sie sich aber an ein anderes ihrer Ziele: ein Theaterstück zu schreiben.

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