Kuriose Fälle und tierische Einsätze

Ausgebüxte Lamas, ungewollte Fontänen, schusselige Autofahrer und eine Katze unter der Sauerstoffflasche: Stadtpolizisten und Feuerwehrleute rückten 2015 zu Einsätzen aus, die sie so schnell nicht vergessen werden. Insbesondere Tiere hielten die Beamten auf Trab.

Kathrin Reimann
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Die Pizza kam und kam nicht: Auf der Notkersegg übersah im Mai ein Lieferdienst-Fahrer die Trogenerbahn.

Die Pizza kam und kam nicht: Auf der Notkersegg übersah im Mai ein Lieferdienst-Fahrer die Trogenerbahn.

Wer für die Stadtpolizei oder die Feuerwehr im Einsatz ist, erlebt sie immer wieder: gefährliche, tragische und aufwühlende Situationen. Glücklicherweise werden die Beamten auch zum einen oder anderen Einsatz gerufen, der sie zum Lachen bringt – aus welchem Grund auch immer – und der ihnen deshalb in Erinnerung bleibt.

Entenmama kooperiert nicht

So löste im August bereits der Alarm ein Schmunzeln aus, wie Stefan Keller von Feuerwehr und Zivilschutz der Stadt St. Gallen erläutert. «Eine Familie informierte uns, dass sie von ihrem Kleinkind ausgesperrt wurde, als sie sich auf dem Balkon befand», sagt er. Die angerückten Einsatzkräfte konnten über die Autodrehleiter ein gekipptes Fenster öffnen und verschafften sich so Zugang, um die Balkontüre von innen zu öffnen und die Eltern aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Ebenfalls um Kinder drehte sich ein Einsatz im Juli – allerdings nicht um menschliche. So entdeckten Passanten in der Mülenenschlucht eine Entenmama mit fünf Küken, welche keinen Ausweg aus der Schlucht fanden. Die angerückten Einsatzkräfte rüsteten sich für die Arbeit im Wasser aus, um die Familie einzufangen. «Leider war die Entenmama nicht kooperativ oder sah ihre Lage als nicht so dramatisch an, so dass sie und ihre Jungen immer wieder vor dem Feuerwehrmann davon watschelten», sagt Keller. Mit dem Eindunkeln gelang es, die Küken einzufangen und in der Voliere abzugeben.

Ein weiterer tierischer Einsatz ereignete sich an der Fontanastrasse im August: Eine Wohnung stand in Flammen und die Feuerwehrleute retteten eine Katze aus den verrauchten Räumen. Zur Sicherheit wurde das Büsi mit Sauerstoff versorgt.

Katze, Welpe und acht Lamas

Viel Aufmerksamkeit erhielt auch eine Katze, die es sich auf einem Blitzkasten bequem gemacht hatte. Zwar löste dies keinen Einsatz, dafür das entsprechende Bild viel Aufmerksamkeit in sozialen Medien aus. Auch Jasper, der neue Stadtpolizei-Welpe in Ausbildung, sorgte für grosse mediale Aufmerksamkeit im letzten Jahr.

Aber auch exotischere Tiere hielten die St. Galler Polizei auf Trab. Darunter waren acht Lamas, die Leser David Stäuble im Mai an der St. Jakob-Strasse über den Weg liefen. Sie waren aus ihrem Gehege im Circus Knie ausgebüxt und dürften den einen oder anderen heimkehrenden Nachtschwärmer zutiefst verstört haben. Vier Polizisten und zwei Zirkusmitarbeitern gelang es, die acht Ausreisser wieder einzufangen.

Fast schon zur Polizeiroutine gehört es offensichtlich, Schildkröten aus einem städtischen Gewässer zu fischen. 2014 holten Beamte eine Chinesische Weichschildkröte aus dem Gübsensee, im Juli dieses Jahres fischten sie dann eine exotische Wasserschildkröte – von den Badegästen und dem Milchhüsli-Team liebevoll Turtle genannt – aus dem Buebenweier.

Aber auch Menschen lösten aufsehenerregende Einsätze aus, insbesondere Autofahrer. So etwa der Fahrer eines Lieferdienstes, der im Mai auf der Spicherstrasse einen Zug der Appenzeller Bahn übersah, mit ihr kollidierte, sich leicht verletzte, die Bahn kurzzeitig ausser Betrieb setzte und vermutlich einen hungrigen Kunden vergeblich auf seine Pizza warten liess. Auf der Davidstrasse hielt die Polizei im September einen jungen Mann an, der im Auto ein Sofa mitführte. Dieses reichte vom Kofferraum bis zum Beifahrersitz und versperrte die Sicht nach rechts fast komplett.

Fünf Meter hohe Fontäne

Ein ungewöhnliches Bild bot sich Passanten und Polizisten an einem Sonntagmorgen im Mai an der Dufourstrasse: Ein Auto hatte den Zaun durchbrochen und stand – fast wie gewollt – im Graben zwischen Trottoir und Hausmauer. Eine 34-Jährige hatte beim Parkieren aufs Gas- anstatt aufs Bremspedal gedrückt.

Einen frankophonen Touch verpasste ein polnischer Lastwagenchauffeur der Stadt im Oktober: Bei der Grünaustrasse kollidierte er erst mit der Hausfassade, übersah dann einen Hydranten, worauf eine fünf Meter hohe Wasserfontäne entstand und an den Jet d'eau in Genf erinnerte.

Acht Lamas aus dem Circus Knie spazierten im Mai durch die nächtliche Stadt. (Bild: Leserbild: David Stäuble)

Acht Lamas aus dem Circus Knie spazierten im Mai durch die nächtliche Stadt. (Bild: Leserbild: David Stäuble)

Im Oktober setzte ein polnischer Lastwagenchauffeur an der Grünaustrasse eine Hommage an Genf. (Bilder: Stadtpolizei St. Gallen/Berufsfeuerwehr St. Gallen)

Im Oktober setzte ein polnischer Lastwagenchauffeur an der Grünaustrasse eine Hommage an Genf. (Bilder: Stadtpolizei St. Gallen/Berufsfeuerwehr St. Gallen)

Vor dem Feuer gerettet: Im August erhielt eine Katze nach ihrer Evakuierung Sauerstoff.

Vor dem Feuer gerettet: Im August erhielt eine Katze nach ihrer Evakuierung Sauerstoff.

Sauber versenkt: Eine Frau parkierte an der Dufourstrasse im Graben.

Sauber versenkt: Eine Frau parkierte an der Dufourstrasse im Graben.

Auch dieses Jahr verirrte sich eine Schildkröte in städtisches Gewässer.

Auch dieses Jahr verirrte sich eine Schildkröte in städtisches Gewässer.

Die Polizei stoppte diesen «Möbeltransport» im September.

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