Kunstvoll werben mit grünen Katzen

«Could you be loved» singt Bob Marley im Point Jaune im Linsebühl aus dem Ghettoblaster, während die vier Hobbykünstler der Jungen Grünen St. Gallen unter der Anleitung von Künstler Martin Amstutz ihre Plakate für die Nationalratswahlen vom Herbst anfertigen.

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Junge Grüne drucken ihre Wahlplakate im Atelier Point Jaune. (Bild: Simone Buff)

Junge Grüne drucken ihre Wahlplakate im Atelier Point Jaune. (Bild: Simone Buff)

«Could you be loved» singt Bob Marley im Point Jaune im Linsebühl aus dem Ghettoblaster, während die vier Hobbykünstler der Jungen Grünen St. Gallen unter der Anleitung von Künstler Martin Amstutz ihre Plakate für die Nationalratswahlen vom Herbst anfertigen. Die frisch gedruckten Plakate hängen reihenweise zum Trocknen an Schnüren im Atelier. Auf ihnen ist ein grasgrüner Luchs zu sehen, der angriffslustig an den violetten Kühltürmen eines Atomkraftwerks kratzt.

Von Hand produzieren

Die holzigen Hochdruck-Schablonen für die beiden Sujets seien von Martin Amstutz geschnitzt worden. «Das Design kommt aus den eigenen junggrünen Reihen», wie Debora Buess, Co-Präsidentin der Jungen Grünen, erklärt.

Dann wird gezeigt, wie's geht, wenn man die Werbetrommel ohne maschinell gedruckte, uniforme Plakate rühren will. Mit einem Roller färben Buess und ihre Kollegin die Luchs-Schablone mit grüner Farbe ein. Darüber wird das Plakatpapier gelegt. Dessen F4-Format ist für Amstutz's alte Druckmaschine à la Gutenberg zu gross. Darum wird mit einem Teil des Farbwerks der Druckpresse von Hand darübergewalzt, um die Wildkatze aufs Papier zu bringen. Vier Durchgänge sind notwendig, um ein Plakat zu vollenden. Einmal Luchs, einmal Kühlturm und zweimal Schrift. 150 F4-Plakate und 350 kleinere im A3-Format sind geplant. Dazu noch einige Taschen. «Diese werden mit den Plakaten, die wir nicht aufhängen, in einer Schlussaktion versteigert, um den Druck zu finanzieren», sagt Buess.

Bereits bei den Wahlen 2003 und 2007 hat die Partei ihre Plakate so angefertigt. Damit soll auch Kulturförderung betrieben werden: «Wir wollen keine abgestumpften, langweiligen Plakate, sondern kunstvolle und spezielle», sagt Buess. Man wolle nicht bloss Werbung machen, sondern gleichzeitig ein sinnvolles Kunstprojekt mit «cooler Gemeinschaftsarbeit» realisieren.

Emblem mit Pinselohren

Wieso ausgerechnet der Luchs ihr Emblemtier ist, weiss die jüngere Generation der Jungen Grünen nicht genau. Initianten des Emblems seien bei der Partei nicht mehr dabei, heisst es. Amstutz erinnert daran, dass es in früheren Jahren eingeführt wurde. Als das einheimische Tier und der Umgang mit ihm brisante politische Diskussionsthemen waren. Nach kurzem Überlegen interpretieren die Jungpolitiker: Natürlich stehe so ein Tier für die Umwelt. Eine starke Raubkatze als starkes Emblem. Zudem sei ein Luchs schlau, «gefitzt». «Aber auch künstlerisch passend mit seinen Pinselohren», scherzt jemand. (svb)