Kunstgalerie auf dem Rosenberg

ST. GALLEN. Jeden Morgen, an dem man von der Stadt her den Campus betritt, stechen die dominierenden Skulpturen aus Beton sofort ins Auge. Noch im Halbschlaf laufen die meisten Studenten ohne weiter darüber nachzudenken an den «Trümmern» vorbei.

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ST. GALLEN. Jeden Morgen, an dem man von der Stadt her den Campus betritt, stechen die dominierenden Skulpturen aus Beton sofort ins Auge. Noch im Halbschlaf laufen die meisten Studenten ohne weiter darüber nachzudenken an den «Trümmern» vorbei. Das Werk der Argentinierin Alicia Penalba weckt dabei kaum Begeisterung. An öffentlichen Kunstführungen lernt man aber, dass die speziell geformten Steinklötze den Übergang von den Bäumen in der Natur zu den Betonbauten auf dem Campus darstellen.

«Neben der HSG hat nur Harvard eine ähnlich bedeutsame Kunstsammlung. Doch dort wird sie aus Sicherheitsgründen weg- gesperrt, oder man macht daraus ein Museum», sagt Professorin Yvette Sánchez. An der Universität St. Gallen hat nur das grosse Gemälde von Gerhard Richter beim Audimax einen kleinen Zaun als Absperrung.

Das ist auch das Credo an der HSG: Man will Kunst nicht bloss an die Wand hängen, sondern sie soll begehbar sein. Man soll um Kunst herumlaufen und sie «brauchen». Dies wurde so verwirklicht, indem die Gebäude selbst zu Kunstwerken werden. Vor allem die freischwebende Treppe im Hauptgebäude erregt in Kunst- und Architekturkreisen Bewunderung.

Im Gegensatz zu den auffallenden Werken gibt es mehrere Installationen, die man auf den ersten Blick nicht sieht. Kaum jemand bemerkt wohl, dass die grossen Fotografien in der Mensa Studioaufnahmen sind. Oder das Werk von Giacometti im Hauptgebäude: Die Skulptur wurde beim Bau des Campus in die Architektur integriert. Die Künstler und Architekten sprachen sich genau ab, wie die «Stehende» am besten angebracht werden soll, um Symbolik und Bau optimal zu vereinen.

Die ganze Kunstsammlung wird aus privaten Geldern finanziert, das heisst, dass die Universität, und damit auch der Steuerzahler, keinen Rappen bezahlen muss. Die Werke wurden direkt beim Künstler erworben, meistens noch bevor er weltberühmt wurde und die Preise ins Unermessliche stiegen. Frédéric Baur