KUNSTERLEBNIS: Der letzte Pinselstrich ist fast getan

Sieben Wochen lang malten im Rahmen des Projekts «Ausgleichs-Pinsel» 16 professionelle Künstler und rund 300 Besucher. Die Werke werden nun verkauft und versteigert. Vorbei ist das Projekt damit aber nicht.

Marlen Hämmerli
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Carola Rohner vom Verein Ziit-Ruum steht vor dem Werk des Rheintaler Künstlers Roger Valgoi und hält ein Bild. (Bild: Michel Canonica)

Carola Rohner vom Verein Ziit-Ruum steht vor dem Werk des Rheintaler Künstlers Roger Valgoi und hält ein Bild. (Bild: Michel Canonica)

Marlen Hämmerli

marlen.haemmerli@tagblatt.ch

«Wenn ich gewusst hätte, wie gross das Projekt wird, hätte ich das nie gewagt», sagt Carola Rohner vom Verein Ziit-Ruum. Strahlend steht die 54-Jährige mitten im lichtdurchfluteten Raum im ehemaligen italienischen Konsulat, ringsum kleben Bilder an den Wänden, in einem Regal stehen Farbtuben und auf einem anderen Figuren aus Pappmaché. Rohner ist zufrieden, denn ihr Projekt «Ausgleichs-Pinsel» war ein Erfolg.

Während sieben Wochen wurde an der Frongartenstrasse 9 gemalt, gezeichnet und gebastelt. 16 Künstler aus der Region veranstalteten Workshops und rund 300 Personen nutzen die Gelegenheit, sich künstlerisch auszutoben. «Es ist unglaublich, wie viele Leute kamen», sagt Rohner. «Manche davon trauten sich kaum und viele konnten beinahe nicht glauben, dass alles gratis ist.» Doch so ist es und wird es noch bis zum 7. Oktober sein.

Noch während einer Woche kann gratis gemalt werden

Zwar sind die Workshops vorbei. Doch Interessierte können sich weiterhin Pinsel, Malfarbe, Leinwand und Malschürze schnappen und loslegen (siehe Zweittext). Der Verein Ziit-Ruum möchte den Leuten Zeit und Raum geben. So sollen sie die Möglichkeit erhalten, die eigenen Talente und Wünsche zu entdecken: «Beim Malen geht es deshalb nicht darum, ein Werk zu schaffen, sondern darum, seinen Raum in sich zu finden.» Darin können laut Rohner die eigenen Wünsche entdeckt werden, was ein erster Schritt zu deren Umsetzung ist.

Die Idee für das Projekt hatte Rohner schon vor 20 Jahren. Als sich dann diesen Frühling die Gelegenheit ergab, sie zu verwirklichen, stürzte sich die Rheintalerin voller Energie in die Arbeit. Innert weniger Wochen organisierte sie die Künstler-Workshops, druckte Flyer und schrieb für Spenden über 30 Organisationen an. Doch finanzielle Unterstützung erhielten sie keine. «Die Zeit war auch sehr knapp», sagt Rohner. «Finanzierungsgesuche müssen normalerweise mehrere Wochen vor Projektstart eingereicht werden.» Auch das Crowd­funding kam nicht zustande. Trotzdem mussten die Mitglieder von «Ziit-Ruum» Malfarben und Pinsel nicht aus der eigenen Tasche bezahlen: «Wir fanden einige Materialspender und auch bei der Kollekte kamen einige Franken zusammen», sagt Rohner.

Die Suche nach einem neuen Raum läuft

Nun bleiben noch acht Tage, dann hat es sich ausgepinselt. Die ehemalige Bankangestellte kann es kaum glauben. «Es war so viel los.» Täglich war sie vor Ort, führte Gespräche und begleitete die Besucher. Und laufend besorgte Rohner Materialnachschub. Eine Pause benötigt sie aber nicht. Stattdessen sucht Rohner bereits einen Raum für die Fortsetzung des «Ausgleichs-Pinsels». «Am liebsten im Stadtzentrum, hell und über 100 Quadratmeter gross.»