Kunst unter der Glaspyramide

Vier Künstlerinnen und ein Künstler aus der Ostschweiz stellen noch bis zum 5. Dezember ihre Bilder im Abacus-Gebäude in Wittenbach aus. Das Informatikunternehmen will damit Künstler aus der Region fördern.

Roman Hertler
Drucken
Teilen
Unter dem Titel «Augen-Blicke» stellen bei der Firma Abacus in Wittenbach bereits zum sechstenmal verschiedene Künstler ihre Werke aus. (Bild: Hanspeter Schiess)

Unter dem Titel «Augen-Blicke» stellen bei der Firma Abacus in Wittenbach bereits zum sechstenmal verschiedene Künstler ihre Werke aus. (Bild: Hanspeter Schiess)

WITTENBACH. Die Ausstellung beginnt schon vor der Glaspyramide im Freien. Auf dem Vorplatz der Informatikfirma Abacus in Wittenbach stehen – sichelförmig angeordnet und von Scheinwerfern atmosphärisch in Szene gesetzt – die Bilder einer Serie, die der Appenzeller Künstler Toni «Caton» Caviezel in diesem Frühjahr angefertigt hat. In satt mit dem Spachtel aufgetragenem Öl zeigen die Gemälde Caviezels Impressionen aus den Räumen der Stiftsbibliothek und der Kathedrale. Diese Bilder waren allerdings nur an der gutbesuchten Vernissage vom vergangenen Freitag Teil der Ausstellung, die Abacus in den nächsten Wochen beherbergt. «Die Bilder können natürlich nicht draussen bleiben», so Caviezel. Und in den ersten beiden Untergeschossen sind die Plätze bereits belegt von anderen Gemälden Caviezels sowie vier weiterer Künstlerinnen aus der Region.

Über 180 Werke

Im Entrée unter der Glaspyramide wird zum Apéro geladen. Im Hintergrund gibt die hauseigene Abacus-Band in leicht reduzierter Besetzung sanfte Unplugged-Covers zum Besten.

Die Exposition fällt mit über 180 ausgestellten Werken üppig und vielfältig aus. Da sind etwa die stimmungsvollen und abstrakten Landschaftsbilder der St. Gallerin Antonella Cavalleri, die der Kurator der Ausstellung, Thomas Kölla, als «Himmel auf Erden» beschreibt. Zu den Landschaften gesellen sich Druckgrafiken mit «ihrem» Hans Meier. Cavalleri: «Davon gibt es in der Schweiz 920.»

Die Thurgauerin Marianne Macchi betont in ihren Bildern die Wichtigkeit des Rückzugsortes für den Menschen, einem Ort der Ruhe und der Besinnung. In ihren Gemälden zeigt sie Gärten mit Stühlen und Tischen, verträumte, paradiesische Landschaften in einem Meer von Blumen. Die Farbgebung und die Stimmung sind der Künstlerin dabei wichtiger als die fotografische Wiedergabe ihrer Sujets. Spannend sind die Collagen der Goldacherin Maria Geldmacher. Mit Humor und dem besonderen Blick fürs Detail ordnet sie Zeitungsausschnitte neu an, kombiniert, interpretiert, schafft neue Räume und Zusammenhänge. «Ich greife auf, was ich sehe und setze das dann um», sagt Geldmacher. «Meine Bilder können inspirierend, lustig aber auch nachdenklich sein.»

Mit starken Farben und Formen präsentieren sich die Gemälde von Rita Bannwart aus St. Gallen. Ihre Figuren scheinen den Betrachter anzuspringen, für Thomas Kölla ein Beweis für die Kontaktfreudigkeit der Künstlerin, die sich jeweils am Künstler-Stammtisch im St. Galler Weinlokal 1733 beteiligt. Auf die Frage, was ihre Figuren sagen würden, wenn sie sprechen könnten, sagt Bannwart: «Das kommt natürlich auf den Betrachter an. Aber eigentlich sind sie deshalb hinter Glas, damit sie nichts zu sagen haben.»

Renommée ist unwichtig

Mit der Ausstellung unter dem Motto «Augen-Blicke» führt Abacus mittlerweile zum sechstenmal einen Anlass durch, an dem das Ostschweizer Kunstschaffen gefördert werden soll. Organisator ist der Künstler und Landwirt Thomas Kölla. Als er vor einigen Jahren zum erstenmal das Abacus-Gebäude betrat, dachte er sofort, dass in diesen Räumen Kunst ausgestellt werden sollte. Bei der Abacus-Geschäftsleitung rannte er mit seiner Idee offene Türen ein. Von den Architekten waren Kunstausstellungen von vornherein geplant.

«Die Auswahl der Künstler erfolgt nicht anhand ihres Renommées», sagt Kölla. «Die Bilder werden ohne Angaben der Urheber nebeneinander gelegt, und die Geschäftsleitung trifft gemeinsam mit mir eine Auswahl.» Damit ist gewährleistet, dass nicht bloss die «etablierten Koryphäen» der Ostschweizer Kunstszene zum Zug kommen.

Ausstellung noch bis 5. Dezember offen www.abacus.ch/links/kunstausstellung.

Aktuelle Nachrichten