Kunst und Konsum «à discrétion»

Für das elfte «Rendez-vous Ostschweizer Kunstschaffender» suchen Gabriela Falkner, Brenda Osterwalder, André Büchi und Stefan Rohner nach dem Schlaraffenland. In ihrer Ausstellung setzen sie sich mit Essen und Ernährung auseinander.

Andrea Sterchi
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Die Zutaten für das elfte «Rendez-vous Ostschweizer Kunstschaffender» geben Gabriela Falkner, André Büchi, Brenda Osterwalder und Stefan Rohner bei. (Bild: pd)

Die Zutaten für das elfte «Rendez-vous Ostschweizer Kunstschaffender» geben Gabriela Falkner, André Büchi, Brenda Osterwalder und Stefan Rohner bei. (Bild: pd)

RORSCHACH. Bei der schier unendlichen Vielfalt an Nahrungsmitteln und Ernährungsmöglichkeiten, aus denen wir heutzutage wählen können, wähnen wir uns schnell einmal im Schlaraffenland. Doch dieses Paradies hat auch Schattenseiten – Überfluss, Abfall und Umweltprobleme. Die vier Kunstschaffenden Gabriela Falkner, Brenda Osterwalder, André Büchi und Stefan Rohner setzen sich mittels unterschiedlicher Medien mit Fragen rund ums Essen und Ernährung auseinander. Ihre Werke und Installationen zeigen sie ab diesem Samstag im Kornhaus in Rorschach. Entstanden ist die Ausstellung mit dem Titel «à discrétion» im Rahmen des elften «Rendez-vous Ostschweizer Kunstschaffender» vor dem Hintergrund des «Nouveau Réalisme», dem neuen Realismus. Diese Kunstrichtung steht für eine Bewegung einer Künstlergruppe in den 1960er-Jahren, welche die Kunst wieder näher zu den Menschen bringen wollten nach dem Motto «Kunst ist Leben, Leben ist Kunst». Indem sie mit Techniken der Collage und Assemblage ein Stück Realität in ihre Werke integrierten, wendeten sie sich bewusst von der abstrakten Kunst ab. Bekannt sind dafür etwa die Tischassemblagen des Schweizer Künstlers Daniel Spoerri. Thematisch dekorierte Tafeln wurden samt Geschirr und Essensresten konserviert, gedreht und dann an die Wand gehängt.

1300 Plastiksäckli

In der Ausstellung im Kornhaus inszenieren die vier Kunstschaffenden persönliche Aussagen rund ums Essen und die Ernährung. Aus 1300 Plastiksäckli hat die Fotografin Gabriela Falkner eine den Raum einnehmende Wandinstallation geschaffen. Die bunt bedruckten und zum Kauf verführenden Säckli fügen sich zwar zu einem attraktiven Ganzen. Gleichzeitig ist das Bild trügerisch, denn die Plastiksäckli werden zu einem immer grösseren Problem für die Umwelt.

Ein Papier und ein Wort

Die gebürtige Rheintalerin Brenda Osterwalder, die unter anderem an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin studierte, begibt sich mit ihrer Acrylmalerei auf die Metaebene. Bei ihren Motiven greift sie auf den Fundus ihres persönlichen Bildarchivs zurück. Ihnen gibt sie dann ihren eigenen Sinn.

Der St. Galler André Büchi verstand sich früher vor allem als Maler. Seit den 1990er-Jahren betätigt er sich auch als Objektkünstler. Im Kornhaus zeigt er eine grosse Bodenarbeit. Die Installation mit Namen «Fleisch» besteht nur aus einem Standardpapier in hundertfacher Ausführung und einem Wort.

Ein Video im Kühlschrank

Der Fotograf und Videokünstler Stefan Rohner, der vor fünf Jahren schon einmal beim «Rendez-vous» ausstellte, konstruiert seine Bilder zu einer Performance vor der Kamera. Gerne stellt er philosophische Rätsel, bei denen er, statt Antworten zu finden, neue Fragen stellt. Oft bettet er die Medien Fotografie und Video in Objekte oder Skulpturen ein, um sie so in neue und ungewohnte Formen zu bringen. In der aktuellen Ausstellung sind dies etwa eine Bauchpfanne oder ein Video im Kühlschrank.

Szenische Lesung zum Auftakt

Die Eröffnung zur Ausstellung findet diesen Samstag, 30. Mai, 11 Uhr, mit einer Szenischen Lesung zum Thema «Essen» statt. Der Schauspieler Marcus Schäfer bedient sich dafür einer Auswahl von Texten zum Thema.

Eröffnung: Sa, 30. Mai, 11 Uhr: Szenische Lesung mit Marcus Schäfer. Matinee: So, 7. Juni, 12 Uhr, Essen als gemeinsames Erlebnis, Künstlerlunch am langen Tisch, Anmeldung: info@kulturfruehling.ch Finissage: So, 14. Juni, 11 Uhr, Diskussionsrunde zum Thema «Welternährung». Öffnungszeiten: immer Sa und So, 11-18 Uhr