KUNST: Ein Laserstrahl für den Lämmlerbrunnen

Der Lämmlerbrunnen wird nach seiner Restaurierung im Sitterwerk wieder auf dem neugestalteten Bahnhofplatz installiert. Ein Freund des Künstlers Köbi Lämmler (1934–1989) hat eine neue Idee.

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Der Lämmlerbrunnen soll nach einer neuen Idee des Gestalters Ruedi Zwissler an einem imaginären Seil aufgehängt werden – einem Laserstrahl, der über den Bahnhofplatz führt. Illustration: Ruedi Zwissler

Der Lämmlerbrunnen soll nach einer neuen Idee des Gestalters Ruedi Zwissler an einem imaginären Seil aufgehängt werden – einem Laserstrahl, der über den Bahnhofplatz führt. Illustration: Ruedi Zwissler

Der regional bekannte Gestalter Ruedi Zwissler aus dem thurgauischen Bürglen hat mit Köbi Lämmler die Kunstgewerbeschule in St. Gallen besucht und danach regelmässig mit ihm zusammengearbeitet. Zwissler, der 2015 mit seiner Ausstellung «Werken, Wirken, Wandeln» im Zeughaus Teufen präsent war, kennt Köbi Lämmler und die Geschichte des Lämmlerbrunnes auf dem südöstlichen Teil des Bahnhofplatzes an der Kornhausstrasse, dem Platz, der im Volksmund Kornhausplatz genannt wird. Unlängst diskutierte Ruedi Zwissler mit Freunden über den Brunnen und in welcher Form und wo genau Lämmlers Bronzeskulptur «Textil» nach ihrer Auffrischung in der Kunstgiesserei Sitterwerk aufgestellt wird.

Mit seinem Brunnen aus Bronze gewann Köbi Lämmler Ende der 1970er-Jahre einen Wettbewerb, den die Stadt St. Gallen seinerzeit ausgeschrieben hatte. Mit Ruedi Zwissler diskutierte Lämmler nach der Erteilung des Auftrages durch die öffentliche Hand oft darüber, ob die plastisch dargestellte Stickereibahn über eine Stange oder über ein echtes oder fiktives Seil drapiert werden solle. Ruedi Zwissler erinnert sich heute noch an die künstlerische Auseinandersetzung mit seinem Freund Lämmler über dessen Brunnen.

Zwissler: «Köbi würde sich darüber freuen»

Zwissler ist nun in der aktuellen Diskussion rund um den Lämmlerbrunnen die Idee gekommen, die bronzene Stickereibahn über ein fiktives Seil, einen Laserstrahl, zu drapieren. Er sei sich nicht sicher, sinniert Zwissler, ob es zulässig sei, ein Kunstwerk fast 40 Jahre nach seiner Entstehung auf diese Weise zu ergänzen. Andererseits sei er sich sicher, dass Köbi Lämmer damit einverstanden wäre und sich darüber freuen würde. «Technisch wäre es kein grosses Problem, nur müsste man die Ausrichtung des Brunnens mit Rücksicht auf die Gebäude festlegen», schreibt Ruedi Zwissler, Gestalter und Weggefährte Köbi Lämmlers.

Mit der Neugestaltung des Bahnhofplatzes sollte der Lämmlerbrunnen vom Kornhausplatz verschwinden und durch ein modernes Wasserspiel ersetzt werden. Dagegen regte sich Widerstand. Dieser war so stark, dass die Stadt das Projekt anpasste und den Lämmlerbrunnen vor seiner Demontage bewahrte. Dies wiederum rief einen Bürger auf den Plan, der wegen der Projektänderung eine Anzeige einreichte. Diese wurde vom Kanton abgewiesen. (dwi)