Kunst aus Weggeworfenem

STEINACH. Severin Büeler aus Steinach kreiert Kunstwerke aus leeren Aluverpackungen, die sonst im Abfall landen würden, und hat Erfolg damit: Als einziger Ostschweizer gewinnt er beim Alu-Kreativ-Wettbewerb der Igora-Genossenschaft einen Preis.

Linda Müntener
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Aus leeren Lebensmitteltuben hat Severin Büeler dieses Werk geschaffen. (Bild: Linda Müntener)

Aus leeren Lebensmitteltuben hat Severin Büeler dieses Werk geschaffen. (Bild: Linda Müntener)

Das Herzstück in Severin Büelers Bastelraum in Steinach ist der «Geldschrank». So nennt der 65-Jährige den Schrank, in dem er unzählige leere, zusammengepresste Lebensmitteltuben aufbewahrt – die Basis für seine Alu-Kunst. «Die Tuben bekam ich von meinem ehemaligen Arbeitgeber, der Bischofszell Nahrungsmittel AG.» Die Verpackungen haben alle entweder Fabrikationsfehler oder entsprechen nicht mehr dem aktuellen Design, weshalb das Unternehmen sie eigentlich entsorgen wollte – doch Severin Büeler fragte, ob er sie behalten dürfe. Denn genau solche Tuben eignen sich dank ihrer Biegsamkeit am besten für seine Recycling-Kunst. Der Steinacher ist längst ein versierter Alu-Künstler und erhielt beim diesjährigen Alu-Kreativ-Wettbewerb der Igora-Genossenschaft für Aluminium-Recycling als einziger Ostschweizer eine Auszeichnung.

Kindheitstraum erfüllt

Schon in seiner Kindheit hat Severin Büeler gerne gemalt und gebastelt. Zum Beruf wollte er sein Hobby aber nicht machen. «Das wäre mir zu unsicher gewesen», sagt er. So entschied er sich gegen eine Lehre als Dekorateur und wurde Koch. Malen und Basteln sind aber bis heute seine liebsten Freizeitbeschäftigungen geblieben. Vom Alu-Kreativ-Wettbewerb hat der Pensionär vor acht Jahren aus der Zeitung erfahren. «Seitdem bin ich jedes Mal dabei und habe schon viele Preise gewonnen.» Dieses Jahr ist er sogar der einzige Gewinner aus dem Kanton St. Gallen «Darauf bin ich sehr stolz», sagt er. Um genug Platz für sein kreatives Schaffen zu haben, hat der Hobbykünstler ehemalige Büroräume an der Hauptstrasse 46 in Steinach übernommen und sie zu einem kleinen Atelier umgestaltet. «So einen Bastelraum habe ich mir als Knabe immer gewünscht», sagt Severin Büeler schmunzelnd. «Hier habe ich mein Material untergebracht und kann ungestört arbeiten, wann immer ich will.»

Geduld und Fingerspitzengefühl

Im Laufe der Jahre hat Severin Büeler seine eigene Arbeitstechnik entwickelt. «Bevor ich mich an den eigentlichen Bau eines Werkes mache, skizziere ich meine Idee auf einem Blatt Papier», verrät der begeisterte Bastler. Erst dann zerschneide und forme er die Aluverpackungen. Für ein Wettbewerbsprojekt brauche er ungefähr 100 Stunden. «Es erfordert viel Geduld und Fingerspitzengefühl.»

Ab November geht der Alu-Kreativ-Wettbewerb in die nächste Runde. Bis nächsten Sommer haben die Künstlerinnen und Künstler Zeit, ihre Ideen zum Thema «Essen und Trinken» zu verwirklichen. Auch Severin Büeler wird wieder teilnehmen. Die Skizzen zu seinem nächsten Projekt hat er schon angefertigt. «Die sind aber noch streng geheim», fügt er lächelnd hinzu.