KULTURSTADT: Feldzug gegen Bünzlis

Über Auffahrt hat die Affäre ums Weihern-Festival eine unerwartete Wendung genommen. Der Organisator ruft auf 7. Juni zur Revolution in den Stadtpark.

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DJ-Legende Johnny Lopez wirbt auf Facebook für «Revolution 9000». (Bild: Screenshot: St. Galler Tagblatt)

DJ-Legende Johnny Lopez wirbt auf Facebook für «Revolution 9000». (Bild: Screenshot: St. Galler Tagblatt)

Die Aktion auf Facebook nennt sich «Revolution 9000 – gegen die Diktatur der Bünzlis!». In einem schriftlichen Manifest wird allen Bünzlis der Kampf angesagt – und zwar jenen, die die Polizei rufen, wenn andere einmal etwas lauter feiern, wie jenen, die Gesetze machen. Und weiter: «Wir rufen freudig zur grossen friedlichen Revolution gegen die Diktatur der Bünzlis & Spiessbürger! Wir sind keine Bünzlis & Spiessbürger! Wir leben & reden miteinander! Wir sind Sankt Gallen! Wir sind Schweiz! Wir sind Welt! Reden wir! Alle!» In einem Video werben im Facebook-Auftritt auch einzelne Kulturschaffende – darunter DJ-Legende Johnny Lopez – für die Aktion.

«Diktatur der Bünzlis» zu Fall bringen

Was genau am 7. Juni, ab 16 Uhr, im Stadtpark geschehen wird, bleibt im Internet-Aufruf, in einer Medienmitteilung und in einem Interview von "TVO" mit Dario Aemisegger offen. Dem Organisator des Weihern-Festivals geht es aber nicht mehr nur um seinen eigenen Anlass. Er will allgemein den Kampf gegen «die Diktatur der Bünzlis» aufnehmen. Wenn «eine Nase» reiche, um Glockengeläut abzustellen, wenn sieben Lärmklagen reichten, um ein Musikfestival zu verhindern, seien die Gesetze, Amtsstuben und Gerichte bünzlig. Und das bedeute letztlich eine Diktatur der Bünzlis über jene, die sich eine lebendige Stadt wünschten, kritisierte Aemisegger bei "TVO".

Im Werbevideo auf Facebook tönt es identisch: Mit der Revolution gegen die Bünzlis werde man etwas inszenieren, was die Schweiz so noch nie gesehen habe, lässt sich etwa Johnny Lopez zitieren. Und auch bezüglich des zu erwartenden Aufmarschs gibt sich der Internetauftritt optimistisch: «9000 wäre gut, 90000 wäre besser.»

Im Internet stossen Berichte über die «Affäre» rund ums Weihern-Festival und auch der Aufruf zur Anti-Bünzli-Revolution auf reges Interesse. Im Facebook-Auftritt des Weihern-Festivals erreichte das Werbevideo innert 23 Stunden knapp 2000 Personen. Bis gestern Nachmittag sagten 55 Personen ihre Teilnahme an der Aktion im Stadtpark zu und 156 bekundeten ihr Interesse dafür. Der Bericht von Tagblatt-Online zur Aktion «Revolution 9000» erreichte bis gestern Donnerstag, 15 Uhr, fast 5000 Personen.

Friedlich, gratis und kinderfreundlich

Die Protestaktion von Weihern-Festival-Organisator Dario Aemisegger ist ziemlich ungewöhnlich. Fragen per E-Mail zu konkreten politischen Forderungen und was im Stadtpark geschehen wird, beantwortete er über Auffahrt nicht. Aus dem Facebook-Eintrag geht hervor: Die Revolution im Frauenpavillon soll friedlich sein. Der Eintritt ist gratis, der Anlass «kinderfreundlich».

Stadtpräsident Thomas Scheitlin widersprach über Auffahrt der Kritik der Aktion «Revolution 9000» und jener von Nacht-Gallen (siehe unten). Gegenüber TVO hob er hervor, dass St. Gallen alles andere als eine Bünzli-Stadt sei. Jahr für Jahr fänden unzählige Anlässe statt. Die städtische Fachstelle für Kultur unterstütze über 200 davon. (vre)

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