Kultur zum Blühen bringen

Kulturtag in der Mariabergstrasse, Installation im Amtshauspärkli, Kunst-Rendez-vous im Kornhaus: Seit zehn Jahren engagiert sich der Verein KulturFrühling für die Kultur in Rorschach mit dem Ziel, diese zu fördern und zu vermitteln.

Andrea Sterchi
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Elisabeth und Thomas Krucker Verein KulturFrühling (Bild: ast)

Elisabeth und Thomas Krucker Verein KulturFrühling (Bild: ast)

RORSCHACH. Elisabeth Krucker gibt dem roten Teppich einen Schubs und schaut zu, wie er sich entrollt. Dieser Augenblick hat sich fest in ihr Gedächtnis geprägt. Er ist der Auftakt zu etwas Grossem, etwas nie Dagewesenem. Vor ihr liegt die Mariabergstrasse, die sich für einen Tag in einen einzigen Kulturplatz verwandelt. Rund 450 einheimische Kulturschaffende haben sich am Kulturfrühling beteiligt und vereinen klassische und volkstümliche Kultur.

Elisabeth und Thomas Krucker Verein KulturFrühling (Bild: ast)

Elisabeth und Thomas Krucker Verein KulturFrühling (Bild: ast)

Plattform für Kunstschaffende

Mit diesem kulturellen Paukenschlag ist der Verein KulturFrühling vor zehn Jahren erstmals öffentlich in Erscheinung getreten. Pate für den Kulturtag stand Le Printemps des Musées, der jährlich in Frankreich stattfindet. Elisabeth Krucker wollte etwas Ähnliches in Rorschach initiieren. Eine Umfrage bei den Kulturanbietern in der Region zeigte, dass ihre Idee auf offene Ohren stiess. Da beschlossen sie und ihr Mann Thomas, sie umzusetzen. Gemeinsam mit weiteren Kulturinteressierten gründeten sie den Verein Kulturforum mit dem Ziel: Kulturelles zu initiieren, zu fördern und Kulturschaffenden eine Plattform zu bieten.

Der Erfolg des Kulturfrühlings schürte die Erwartungen an eine Fortsetzung, da der Verein jetzt auch diesen Namen trug. Eine solche sei nie geplant gewesen. «So etwas gelingt nur einmal und kann in dieser Art nicht überboten werden», ist Thomas Krucker überzeugt. Trotzdem rollt der Verein den Kulturteppich seither immer wieder aus. Beim dreiteiligen Anlass «Vom Klang der Bilder» verband er Musik mit bildender Kunst. Schülerinnen und Schüler malten dafür grossformatige Klangbilder zur Musik von Modest Mussorgsky. Das Duo Rossini brachte Alfons Karl Zwickers «Secretum» zur Uraufführung, und der Pianist Hristo Kazakov spielte Mussorgskys Klavierzyklus zu szenischen Bildern von Wassily Kandinsky.

Kulturpfad durch Rorschach

Der Verein initiierte als Nächstes die Idee eines kulturellen Amtshausparkwächters. Dieses Amt übte 2008 der Goldacher Künstler Jonny Müller aus. Und um auf die kulturelle und historische Vergangenheit Rorschachs aufmerksam zu machen, hat er einen Kulturpfad und Stadtrundgang durch die Haupt- und Mariabergstrasse erarbeitet. Das Projekt konnte 2009 der Stadt zur Realisierung übergeben werden.

Kunst im Kornhaus

Seit 2010 organisiert der Verein KulturFrühling im Juni und im September ein Rendez-vous Ostschweizer Kunstschaffender. Demnächst findet die 13. Begegnung statt (siehe Text unten). Schon immer vermisste Elisabeth Krucker in Rorschach einen öffentlichen Kulturraum besonders für die bildende Kunst. Auch weil viele Kunstschaffende gerne hier ausstellen wollten. Als Kulturraum fungiert seither der «Projektraum am See» im Kornhaus. Hier zeigen Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten zu einem vorgegebenen Thema. Der Fokus liegt auf der zeitgenössischen Kunst. «Sie zeigt das, was unser Leben beinhaltet», sagt Elisabeth Krucker. Die klassische Kunst sei schön mit ihren Techniken und Zeitepochen. «Aber das, was heute geschaffen wird, das zeigt das Jetzt. Das ist spannend.»

Nach zehn Jahren denken Elisabeth und Thomas Krucker auch ans Aufhören. Der Kulturfrühling soll aber weitergehen. Zumal er im erneuerten Kornhaus einen Platz erhalten soll. Dann möchten sie die Organisation der Ausstellungen an ihren Sohn Claudius übergeben. «Dann soll ein neues und jüngeres Team weitermachen.»

Der Start des Kulturfrühlings: 2004 hat sich die Mariabergstrasse in einen Kulturplatz verwandelt. (Archivbild: Urs Bosshard)

Der Start des Kulturfrühlings: 2004 hat sich die Mariabergstrasse in einen Kulturplatz verwandelt. (Archivbild: Urs Bosshard)