Kultur soll Schule machen

Kunst für alle, nicht nur für einige: Das muss in den Schulen anfangen. Erstmals luden daher die St. Galler Departemente für Bildung und Kultur gemeinsam zur Tagung «Kulturvermittlung».

Peter Surber
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Bildungschef Stefan Kölliker und Kulturchefin Kathrin Hilber. (Bild: Urs Jaudas)

Bildungschef Stefan Kölliker und Kulturchefin Kathrin Hilber. (Bild: Urs Jaudas)

ST. GALLEN. Kathrin Hilber (SP), St. Galler Kulturministerin, und Bildungschef Stefan Kölliker (SVP) miteinander am Rednerpult: An der gestrigen Tagung «Kulturvermittlung – Vermittlungskultur» in der St. Galler Lokremise kam vor über hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern zusammen, was andernorts längst zusammengehört. Denn St. Gallen ist, nebst Zürich, der einzige Kanton mit getrenntem Kultur- und Bildungsdepartement.

Kunst fördert Persönlichkeit

Hilber wie Kölliker betonten zum Auftakt der Tagung, wie notwendig kulturelle Bildung auf allen Schulstufen sei. Sie sehen sich damit im Einklang mit der Unesco-Resolution «Arts & Education», die 2010 in Luzern proklamiert worden ist und unter anderem festhält: «Kulturelle und künstlerische Bildung entwickelt die Ausdrucks-, Gestaltungs- und Kommunikationsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen. Sie befähigt sie, später als Erwachsene konstruktive Beziehungen zu ihrer Umwelt aufzubauen.»

Kultur sei wichtig für die individuelle Entwicklung, aber auch für die Identitätsfindung der Gesellschaft insgesamt, sagte Regierungsrat Kölliker. Kulturelle Bildung, so zeigte der Aargauer Kulturamtsleiter Hans Ulrich Glarner an Beispielen aus der Primarschule, gehe daher weit über blosse Freizeitbeschäftigung hinaus; die Auseinandersetzung mit Kunst biete den Kindern und Jugendlichen vielmehr einen «Schlüssel zur Selbstwerdung».

Der Aargau leistet dabei Pionierarbeit; jede der rund 250 Schulen hat einen «Kulturverantwortlichen», der oder die sich um Angebote kümmert: Künstler kommen ins Schulhaus, Klassen verlegen den Unterricht ins Museum usw. Das Programm «Kultur macht Schule» sei nach sechs Jahren auch politisch unbestritten.

Störsänger und Schul-Künstler

St. Gallen ist aber auch nicht untätig. Die Fachhochschule FH und die Pädagogische Hochschule PH, beide an der Tagung mitbeteiligt, stellten ihre Projekte «Artists in Residence» (PH) beziehungsweise «Stadt als Bühne» (FH) zur Diskussion. «Störsänger» Matthias Ammann führte mit einer Toggenburger Schulklasse vor, wie dieses vom Musikrat geförderte Projekt Musik in die Schule und Kinder in Bewegung bringt. Präsentiert wurde auch eines der Pionier-Förderprojekte, «Artefix» aus Rapperswil-Jona, das sich vor allem der Vermittlung zeitgenössischer Kunst widmet.

Fazit der Experten: «Schwellenangst» vor Kunst, neuer Musik oder Museen hätten weniger die Kinder als vielmehr die Erwachsenen. Und: Kunst sei das perfekte Integrationsmittel gerade für Ausländerkinder. Und leiste damit einen Beitrag zur Herstellung von Chancengleichheit.