Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KÜNSTLERATELIERS: Zu teuer für die Kreativen

Einst wurde im Industriegebäude an der Zürcher Strasse 45 Waschmittel gelagert. Bald sollten Künstler, Grafiker und Architekten einziehen. Doch aus den Plänen der Stadt wird wohl nichts. Es gibt kaum Interessenten.
Christina Weder
Im Industriebau an der Zürcher Strasse 45 stehen 800 Quadratmeter leer. (Bild: Urs Bucher)

Im Industriebau an der Zürcher Strasse 45 stehen 800 Quadratmeter leer. (Bild: Urs Bucher)

Christina Weder

christina.weder@tagblatt.ch

Seit einem Jahr steht im Indus­triebau an der Zürcher Strasse 45 eine Fläche von 800 Quadratmetern leer. Darauf plante die Stadt als Eigentümerin sieben Ateliers für Kultur und Kreativwirtschaft. Vor einem halben Jahr machte sie sich auf die Suche nach passenden Mietern wie Künstler, Grafiker, Architekten und Designer. Doch bei den potenziellen Mieterinnen und Mietern stiess das ­Angebot auf wenig Interesse. Nur gerade eine bis zwei Anfragen gingen bei der Fachstelle Kultur der Stadt ein. Bis heute befindet sich der Raum im Rohbau.

Mietpreis wird nicht subventioniert

Serafina de Stefano, die Leiterin des städtischen Liegenschaftenamts, wollte mit dem Einbau der Ateliers bis zur Unterzeichnung der Mietverträge zuwarten. Doch dazu kam es bis jetzt nicht. Sie sei überrascht, dass sich nicht mehr Interessenten gemeldet hätten, sagt sie – zumal die Forderung nach zusätzlichen Ateliers und Proberäumen in der Kulturszene immer wieder laut werde.

Als möglichen Grund fürs mangelnde Interesse nennt sie den verlangten Mietpreis. Dieser sei zwar nicht überteuert, aber er könne nicht mit den Mieten für die subventionierten Ateliers in der Reithalle mithalten. «Wir vermieten auf Stadtgebiet mehrere Ateliers in diesem Preissegment», sagt sie. In der Liegenschaft an der Zürcher Strasse 45 sind bereits andere Kulturschaffende wie der Künstler Beni ­Bischof oder der Tontechniker ­Michael Gallusser eingemietet. Da sich das Gebäude im Finanzvermögen der Stadt befindet, werden marktübliche Preise verlangt. Vergünstigungen sind nicht vorgesehen. Der durchschnittliche Mietpreis für die geplanten Ateliers, die mit einer Fläche von 80 bis 150 Quadratmetern sehr gross sind, beträgt 1300 Franken pro Monat – ohne Nebenkosten.

Tatsächlich hat der Mietpreis bereits zu Kritik geführt. SP-Stadtparlamentarier Etrit Hasler hat unter dem Titel «Werden städtische Ateliers nicht mehr subventioniert?» einen Vorstoss eingereicht. Ihn erstaune es nicht, dass bis jetzt keine Mietverträge abgeschlossen wurden, sagt er auf Anfrage. «Der Mietpreis ist viel zu hoch.» Es gebe gar nicht so viele etablierte Kulturschaffende, die sich das leisten könnten. Laut einer Studie von Suisse Culture Sociale betrage das durchschnittliche Einkommen von Kulturschaffenden 40000 Franken im Jahr. «Ich erwarte, dass die Räume an der Zürcher Strasse nichtsdestotrotz Kulturschaffenden zur Verfügung gestellt werden – und die Übung jetzt nicht einfach abgebrochen wird.» Hasler kündigt an, einen Kreditantrag zu stellen, um die Mieten in den geplanten Ateliers zu subventionieren.

«Konsulat» hat Raumnot entschärft

Laut Kristin Schmidt von der städtischen Fachstelle Kultur ist die Raumnot bei den Kulturschaffenden derzeit nicht so akut wie auch schon. Seit der Eröffnung des «Konsulats» an der Frongartenstrasse im vergangenen November habe sich die Situation etwas entspannt. Bis zu 20 Kulturschaffende seien dort untergekommen. Sie bezahlen keine Grundmiete, nur die Nebenkosten und einen Beitrag an Verwaltung und Unterhalt. Es handelt sich allerdings um eine befristete Lösung bis Juni 2018. Die Situation könne sich denn auch schnell wieder verschärfen, sagt Schmidt. «Es ist eine kurzfristige Entwicklung.»

Ob ins Gebäude an der Zürcher Strasse dereinst wirklich Kulturschaffende einziehen, ist wieder offen. Laut der Leiterin des Liegenschaftenamts wurden die Räume in der Zwischenzeit als «Gewerbe- und Büroflächen» ausgeschrieben. Als solche waren sie auch schon ausgeschrieben, bevor die Idee mit den Ateliers aufkam. Diesmal sieht es erfolgversprechender aus: Laut Serafina De Stefano befinde man sich in «vertieften Verhandlungen» mit einem Interessenten.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.