Künstler erleben den Krieg

An der Südostgrenze in Graubünden, am Umbrail, fiel im Ersten Weltkrieg der einzige Schweizer Soldat in einer Kampfhandlung. Es handelte sich um einen Bündner Füsilier, der durch eine verirrte Kugel getroffen wurde, als sich Italiener und Österreicher beschossen.

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An der Südostgrenze in Graubünden, am Umbrail, fiel im Ersten Weltkrieg der einzige Schweizer Soldat in einer Kampfhandlung. Es handelte sich um einen Bündner Füsilier, der durch eine verirrte Kugel getroffen wurde, als sich Italiener und Österreicher beschossen. Kuratorin Isabella Studer gestaltete die Sonderausstellung «Umbrail – Weltkrieg im Hochgebirge» über drei Künstler an der Front: Sie macht den Krieg von 1914 bis 1918 unmittelbar erlebbar.

Der Alltag an der Grenze

Auf Schweizer Seite zeigt die Ausstellung Zeichnungen und Fotos von August Meinrad Bächtiger (Gossau) und Emil Rüfenacht (Basel-Stadt). Dargestellt ist der Alltag der Schweizer Grenzsoldaten. Bächtiger war 1917 und 1918 selber als Soldat am Umbrail stationiert. Er wurde so direkt Zeuge des erbitterten Hochgebirgskriegs, der direkt ennet der Grenze tobte.

97 Jahre auf dem Estrich

Der dritte Künstler, den das Historische und Völkerkundemuseum zeigt, ist der Italiener Pio Rossi. Seine Aufzeichnungen und Skizzen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs lagen 97 Jahre in einem Koffer auf dem Estrich der Familie, bis sie vor einem Jahr wiederentdeckt wurden.

Pio Rossi war, wie so viele, begeistert in den Krieg gezogen, bereit, das junge Italien zu verteidigen. Er kehrte, ohnmächtig über den Zusammenbruch der italienischen Armee im Giftgasnebel am Isonzo, desillusioniert und gebrochen zurück. Er schrieb: «Und dann gibt es noch Schamlose, die schreiben <Es lebe der Krieg!>.»

Am Fluss Isonzo fanden 1915 bis 1917 zwölf Schlachten zwischen italienischen und österreichisch-ungarischen Truppen statt. Rund 800 000 Männer fielen. Österreich-Ungarn setzte hier im Oktober 1917 erstmals Giftgas ein. Udine brannte. Der Horror war grenzenlos. (mw.)

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