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KÜNDIGUNGEN: "Und jetzt stellt man uns auf die Strasse": Vorwürfe nach Schliessung des St.Galler Restaurants "Cha Cha"

Am 10. Februar wurde das "Cha Cha" in St.Gallen geschlossen. Wie nun bekannt wird, wurde den Mitarbeitenden innerhalb einer Woche gekündigt. Die Betreiberin des Restaurants, die Migros Aare, hält sich bedeckt.
Matthias Fässler
Nach der Schliessung des "Cha Cha" gibt es Ärger. (Bild: Michel Canonica)

Nach der Schliessung des "Cha Cha" gibt es Ärger. (Bild: Michel Canonica)

Der Ausdruck Cha Cha steht im Thailändischen für die Entschleunigung im hektischen Alltag. Für die Mitarbeitenden des Lokals Cha Cha Thai an der St.Leonhard-Strasse 7 in St.Gallen wurde der Name zur zynischen Pointe. Mit der Schliessung verloren sämtliche Mitarbeiter ihre Stelle.

Das Thai-Restaurant mit dem vielversprechenden Motto "Positive Eating" schloss per 10. Februar überraschend seine Türen. Die Genossenschaft Migros Aare, die das Restaurant als Tochterunternehmen betrieb, wollte vergangene Woche auf Anfrage zwar nicht sagen, ob Arbeitsplätze verloren gingen, sprach aber von engem Kontakt zwischen der Unternehmensleitung und den ehemaligen Mitarbeitenden. Als Grund für die Schliessung wurden wirtschaftliche Gründe genannt.

"Man war nicht genug für uns da"

Gemäss den Aussagen einer Person, die im "Cha Cha" gearbeitet hatte und sich beim "Tagblatt" gemeldet hat, wurde allen Mitarbeitenden fast über Nacht gekündigt. Die Person möchte aus Angst vor negativen Referenzen der Migros anonym bleiben. "Wir erhielten eine Woche vor der Schliessung die Kündigung. Wir wurden praktisch von einem Tag auf den anderen auf die Strasse gestellt."

Es stimme zudem nicht, dass die Migros in Kontakt mit den ehemaligen Mitarbeitenden stünde. "Bis zum heutigen Tag gibt es keinen Kontakt. Uns wurde lediglich die Nummer des Personalchefs gegeben. Man war nicht genug für uns da." Das sei auch darum fragwürdig, weil viele der Mitarbeitenden viel Herzblut in das Restaurant gesteckt hätten. Einige hätten oft sechs Tage die Woche gearbeitet. "Wir haben uns immer für das Lokal eingesetzt, das Privatleben kam oft zu kurz. Und jetzt stellt man uns einfach auf die Strasse."

Gerade unqualifizierte Mitarbeitende würde die Kündigung besonders hart treffen. Kritisiert wird insbesondere das Selbstbild der Migros einer sozialen Arbeitgeberin. Die Migros rühme sich oft damit, eine soziale Genossenschaft zu sein. "Davon haben wir nichts gespürt." Eingestehen muss er aber, dass die Migros den Lohn einen Monat länger bezahlt, als dies die gesetzliche Kündigungsfrist vorschreibt.

"Soziale und faire Arbeitgeberin"

Auf die Kritik angesprochen, gibt sich Andrea Bauer von der Migros Aare wortkarg und hüllt sich in Gemeinplätze. Einzelne Entscheidungen oder interne personelle Prozesse und Vorgehensweisen würden nicht öffentlich kommentiert, sagt Bauer. Auf die Frage, wie sich eine solche Kündigung mit den genossenschaftlichen Grundsätzen vereinbaren lasse, sagt Bauer: "Die Migros ist eine soziale und faire Arbeitgeberin." Zudem prüfe man bei einer Kündigung immer, ob die Vermittlung von Mitarbeitenden innerhalb der Migros-Genossenschaft möglich sei.

Unbeantwortet bleibt die Frage, warum nicht bereits früher absehbar war, dass sich der Standort wirtschaftlich nicht positiv entwickelt. Oder aber der Vorwurf der Kontaktperson, dass die Unternehmensleitung zu keiner Zeit in Kontakt mit den ehemaligen Mitarbeitenden stand und diese unterstützte.

Bei den Gästen seien die kurzfristige Schliessung und das Vorgehen der Migros schlecht angekommen, sagt die Person, die noch vor kurzem im "Cha Cha" gearbeitet hat und nun aufs RAV gehen muss.

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