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Kritik an Wiesental-Wettbewerb

St. Gallen, ein «architektonischer Holzboden»? Die Ostschweizer Sektion des Bunds Schweizer Architekten (BSA) wehrt sich gegen einen Zürcher Rundumschlag.

In St. Gallen gibt es «zu wenig hochstehende Architekturbüros». Zu diesem Schluss gelangt Martin Hofer, Verwaltungsratspräsident von Wüest & Partner (Tagblatt vom 21. Mai). Das Zürcher Immobilienberatungsbüro hat im Auftrag des Generalunternehmers HRS soeben den Wettbewerb für einen Neubau auf dem Grundstück der Villa Wiesental lanciert. Eingeladen wurden mehrheitlich Zürcher und Basler Architekten.

Wo sind die guten Büros hin?

Dies nicht zur Freude der Ostschweizer Sektion des Bunds Schweizer Architekten (BSA), wie aus dessen pointierter Stellungnahme zu Hofers Aussagen hervorgeht. Im November noch habe Wüest & Partner zusammen mit der Zeitschrift «Hochparterre» ein Sonderheft über die Stadt herausgegeben. Darin würden die lokale Baukultur und deren Protagonisten ausdrücklich gelobt. «Und nach einem halben Jahr sollen diese hochwertigen Büros plötzlich <verschollen> sein?», fragt der BSA. Es gebe in St. Gallen sehr wohl genug ausgewiesene Architekten. Und Hofer sei darüber bestens im Bild. Ohnehin machten sich auswärtige Büros oft ohne besondere Kenntnisse des Ortes und seiner Geschichte ans Werk. Allein der Bekanntheitsgrad der Architekten bringe nicht immer den erhofften Effekt.

Zu gut im Bilde?

Die regionalen Büros dagegen seien bestens informiert über Geschichte und Umstände rund um die Villa Wiesental, hält der BSA fest. Vielleicht seien die regionalen Akteure gar nicht «zu wenig qualifiziert», sondern «zu gut im Bilde». Gerade aus gemachten Erfahrungen stünden sie der Investoren-Bauherrschaft und den «oft willfährig wirkenden Behörden» kritisch gegenüber. In dieser Situation sei ein offener und anonymer Wettbewerb die beste Lösung. Aus einer Vielzahl von Projekten könne jenes ermittelt werden, welches die Interessen von Bauherrschaft und Öffentlichkeit in Einklang bringe.

Auch an der Aussage in den Wettbewerbsunterlagen, die Wirtschaftlichkeit des Bauvorhaben sei zentral, stösst sich der BSA. Die Wirtschaftlichkeit sei nur ein Argument. Der Städtebau dürfe nicht allein von der Rendite bestimmt werden. «Eine hohe Ausnützung ist nicht das einzige Kriterium.» Ebenso zu gewichten sei die Atmosphäre eines gewachsenen Stadtteils, fordert der BSA.

Aus Vergangenheit lernen

Wenn historische Bausubstanz zur Disposition stehe, sei eine kritische Auseinandersetzung zum Verfahren und dem städtebaulichen Programm angebracht. Es gelte auch die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden. In St. Gallen seien schon zu viele wertvolle historische Bauten an mittelmässige Neubauten verloren gegangen. Der Schutz des Gebäudes könne nur aufgehoben werden, wenn das öffentliche Interesse im Projekt berücksichtigt werde. Was herauskomme, wenn auf Vorrat und ohne auf den Kontext zu achten Büro- und Geschäftsbauten geschaffen würden, lasse sich auf der Achse Geltenwiler-/St. Leonhard-Strasse bis Stahl und weiter Richtung Westen bis zum Stadionkomplex besichtigen. Aktive Stadtplanung sieht nach Auffassung des BSA anders aus. (pd/an.)

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