Kritik, aber keine Opposition

Das Stadtparlament dürfte an seiner morgigen Sitzung die Einführung der Grüngutabfuhr beschliessen. Der Vorlage droht kaum Widerstand. Dennoch sind kritische Voten zu erwarten – zu den Kosten, aber auch zum ökologischen Nutzen.

David Gadze
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Laub muss wohl schon bald nicht mehr in Säcken transportiert oder entsorgt werden. (Bild: Reto Voneschen)

Laub muss wohl schon bald nicht mehr in Säcken transportiert oder entsorgt werden. (Bild: Reto Voneschen)

Wenn im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen, fällt auch entsprechend viel Gartenabfall an. Das Laub muss zusammen mit anderem Grüngut zur nächsten Verwertungsanlage abtransportiert oder mit dem normalen Kehricht entsorgt werden. Damit dürfte es schon bald vorbei sein: Ab nächstem Jahr will die Stadt St. Gallen eine Grüngutabfuhr einführen. Morgen kommt die Vorlage ins Stadtparlament.

Ziele festlegen und kontrollieren

Bei der Beratung in der Werkkommission des Stadtparlaments sei das Geschäft im Grossen und Ganzen unumstritten gewesen, sagt Präsident Roman Claudio Bühler. Die Werkkommission werde aber ein Monitoring vorschlagen. «Es ist wichtig, dass Ziele festgelegt werden, gerade was die Anzahl der teilnehmenden Haushalte betrifft.» Diese Ziele müssten regelmässig überprüft und mit geeigneten Massnahmen verfolgt werden.

Bühler betont auch den ökologischen Aspekt: Nach dem Scheitern des Geothermie-Projekts sei es nun umso wichtiger, auf andere Massnahmen zu setzen, um die Ziele des Energiekonzepts 2050 zu erreichen.

Auch der Kostenteiler – ein Teil wird über eine Grundgebühr pro Haushalt finanziert, ein Teil nach dem Verursacherprinzip über eine Containergebühr – sei unumstritten gewesen, sagt Bühler. Denn preislich sei die Grünabfuhr attraktiver als die normale Kehrichtentsorgung. «In jedem Haushalt fallen Rüstabfälle und Speisereste an. Gerade diese sind energetisch interessant. Insofern ist es nicht ungerecht, die Haushalte mit einer Grundgebühr zu belasten.» Letztlich müsse jeder selber entscheiden, ob er die Grünabfuhr nutzen wolle oder nicht.

Ökologische Bedenken

Im Parlament droht der Vorlage nur wenig Gegenwind. Die FDP werde der Vorlage «nach anfänglicher Skepsis» zustimmen, sagt Fraktionspräsident Roger Dornier. Diese sei immer noch nicht restlos ausgeräumt: «Einige befürchten, dass die gesteckten Ziele nicht erreicht werden können.» Aus diesem Grund hätte man sich eine etappenweise Einführung gewünscht. «Wir zweifeln auch daran, ob sich die Fahrten zu den Vergärungsanlagen ökologisch lohnen», sagt Dornier. Auch der Kauf statt eine Miete der beiden für die Abfuhr benötigten Fahrzeuge für rund eine Million Franken habe zu Diskussionen geführt. «Die Bevölkerung wartet aber offensichtlich auf die Einführung der Grüngutabfuhr, also wollen wir sie nicht verhindern.»

Ähnlich argumentiert Daniel Stauffacher, Präsident der CVP/EVP/BDP-Fraktion. Die Fraktion stehe zwar hinter der Vorlage, es gebe aber auch kritische Stimmen. «Die Stadt führt sofort eine Volllösung ein und kauft zwei Fahrzeuge, ohne die Sicherheit zu haben, dass sich die Grüngutabfuhr lohnt.» Die Belastung aller Haushalte mit einer Grundgebühr sei «im Moment noch vertretbar». Je nach Kostenentwicklung müsse die Finanzierung aber überprüft werden.

Die SVP-Fraktion sei wegen der Kosten geteilter Meinung, sagt Fraktionspräsidentin Karin Winter-Dubs. «Es ist fraglich, ob die Grünabfuhr in der jetzigen finanziellen Situation der Stadt eingeführt werden muss.» Kritisiert wird auch die Tatsache, dass man der Bevölkerung eine weitere Grundgebühr aufzwinge.

Hoffen auf die Hilfe der Stadt

Noch ist offen, was die Einführung der Grüngutabfuhr für die Zukunft der rund 20 Quartier- und Siedlungs-Kompostanlagen bedeuten wird. «Personen, die jetzt bei uns entsorgen, werden das hoffentlich auch künftig tun», sagt Jürg Schmid vom Schlössli-Kompostplatz in Haggen, dem grössten in der Stadt St. Gallen. Er hofft weiterhin auf deren Unterstützung: Manchmal fielen grosse Mengen an Hecken- und Baumschnitt an. Bisher habe die Stadt diese kostenlos abgeführt. «Wir wünschen uns, dass das so bleibt.»