Krieg der Sterne um die Militärkantine

Die Frühlingsferien stehen vor der Tür. Wer verreist und irgendwo ein Hotel buchen will, ist froh, wenn er sich auf die Bewertungen anderer Gästen auf den einschlägigen Portalen verlassen kann.

David Gadze
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Ein Stern, der deinen Namen trägt – und ziemlich alleine scheint. (Bild: Screenshot Google)

Ein Stern, der deinen Namen trägt – und ziemlich alleine scheint. (Bild: Screenshot Google)

Die Frühlingsferien stehen vor der Tür. Wer verreist und irgendwo ein Hotel buchen will, ist froh, wenn er sich auf die Bewertungen anderer Gästen auf den einschlägigen Portalen verlassen kann. Und wie praktisch, dass man bei der Suche nach dem besten Restaurant, der hipsten Bar und dem Nachtclub mit der knackigsten Musik die Erlebnisse anderer Gäste im Netz findet.

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In den Google-Bewertungen erfährt man so beispielsweise, dass ein Besuch der «Militärkantine» durchaus lohnenswert ist. Dies dank einem Studenten, der kürzlich mit seinen Verbindungsbrüdern dort feierte – und den Service anschliessend mit einem Stern bewertete: «Une personne ne tolérant pas ses clients ne devrait pas faire ce genre de business. Un scandale!»

«Ein Skandal!», dachte sich wohl auch Etrit Hasler, SP-Stadtparlamentarier und als Slam-Poet regelmässiger Gast in der «Militärkantine», als er den Grund für die negative Bewertung mitbekommen hatte: Die Studentenverbindung feierte im historischen Gebäude an der Kreuzbleiche spätabends feucht-fröhlich und entsprechend laut. Die Hinweise des «intoleranten» Personals, man sei auch ein Hotel und bitte deshalb um etwas mehr Ruhe, kamen bei den Studenten nicht an. Vorauf ihnen die Botschaft verkündet wurde, die «Militärkantine» doch bitte zu verlassen. Da war es mit der Fröhlichkeit erstmal vorbei. Und prompt folgte der Racheakt im Internet.

Mit der Aktion schoss der junge Mann allerdings ein Eigengoal – und zwar eins der Marke «Tor des Jahres». Denn Hasler bekam tags darauf Wind von der negativen Bewertung und rief auf Facebook dazu auf, mit der «Macht des Schwarms» das Bild der «Militärkantine» wieder ins rechte Licht zu rücken. Aus den sechs Bewertungen seit ihrer Eröffnung vor bald zwei Jahren wurden so innert kürzester Zeit fast 100 – die meisten davon mit fünf Sternen.

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Die Verantwortlichen der «Militärkantine» wollten sich nicht zum Vorfall äussern. Sie seien ihren Gästen gegenüber zur Diskretion verpflichtet. Ganz getreu dem alten Ehrenkodex «was hier passiert, bleibt hier».

Und auch wenn Internet-Bewertungen für Produkte und Angebote mit Vorsicht zu geniessen sind, da viele von irgendwelchen PR-Menschen verfasst werden, darf man sich in diesem Fall dem Urteil des Schwarms anschliessen: Ein Besuch der «Militärkantine» ist durchaus lohnenswert.

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