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Krieg, Armut und Terror erlebt

Marianne Huber lebt in St. Georgen. Die 63-Jährige war lange in der Entwicklungshilfe in Asien, Afrika und Afghanistan tätig. Am Mittwoch berichtet sie über ihre Erfahrungen im Land am Hindukusch.
Sabine Rüthemann
Marianne Huber inspiziert eines der unzähligen von ihr betreuten Entwicklungshilfeprojekte, einen modernen Dorfbrunnen. (Bild: PD)

Marianne Huber inspiziert eines der unzähligen von ihr betreuten Entwicklungshilfeprojekte, einen modernen Dorfbrunnen. (Bild: PD)

Es gibt für Entwicklungshelfer und speziell für die Frauen unter ihnen sicher einfachere Länder als das vom Krieg zerrissene Afghanistan. Marianne Huber war dort als Mitarbeiterin der Caritas und als Leiterin des Büros Kabul der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) jahrelang tätig. Sie war in dieser Zeit direkt mit den Auswirkungen von Krieg, Armut und Terror konfrontiert. Am kommenden Mittwoch referiert die evangelisch-reformierte Christin über diese Erfahrungen bei der ökumenischen Erwachsenenbildung St. Georgen.

Im Vortrag «Welche Werte?» spricht die studierte Islamwissenschafterin über Chancen und Herausforderungen im Zusammenleben von Christen, Moslems und Angehörigen anderer Religionen. Ihr Blick auf den Islam, auf das Verhältnis von Islam, Christen- und Judentum sowie auf die Politik im Nahen Osten ist aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen in Asien, Afrika und Afghanistan differenziert.

Als Tochter eines Geologen in Iran aufgewachsen

Marianne Huber hat familiäre Wurzeln in der Stadt St. Gallen. Ihr Vater stammte aus Rotmonten, die Mutter aus St. Georgen. Der Vater war als Geologe im Erdölgeschäft tätig. Das bescherte der Tochter eine Kindheit in Iran und sehr direkten Kontakt mit dem Islam. Mit 20 war Marianne Huber zurück in der Schweiz, heiratete, und bald kam Tochter Eva auf die Welt.

Der berufliche Weg führte in die Flüchtlingsarbeit für die Caritas im Kanton Bern. «Als ich 40 war und meine Tochter erwachsen, fühlte ich mich frei für den nächsten Schritt – ein Nachdiplomstudium in Entwicklungszusammenarbeit an der ETH», sagt die 63-Jährige. Ostafrika, Südasien und Naher Osten (Irak, Libanon) waren erste Einsatzorte. 2001 übernahm sie die Leitung des Subsahara-Afrika-Programms der Caritas Schweiz.

Christentum wie Islam kreuzten regelmässig den beruflichen und privaten Weg von Marianne Huber. Ihr Wissen über den Islam macht es ihr abseits von Ängsten und Pauschalurteilen möglich, die Gemeinsamkeiten der monotheistischen Religionen Islam, Christentum und Judentum zu sehen. Sie bedauert, dass das Verhältnis zum Islam in der westlichen Welt «vergiftet» ist. Die abrahamitischen Religionen verbindet der Ein-Gott-Glaube, verbinden aber auch viele ethische Werte. Der Islam sieht in Jesus einen Gesandten Gottes. Im Koran vergibt Gott Adam; es existiert keine Erbsünde. Biblisch ist das anders, was die Grundlage für den Glauben an die Erlösung ausmacht. Juden und Christen haben im Koran einen speziellen Status, sie gelten nicht als Heiden, sie sind «Menschen des Buches».

Afghanistan: Spielball der Grossmächte

2009 bis 2015 war Marianne Huber schliesslich in Afghanistan mit einem islamisch geprägten, zerrütteten Land mit langer Kriegsgeschichte konfrontiert. Afghanistan war lange Jahre «ein Spielball» der Grossmächte UdSSR und USA. Aus Marianne Hubers Erzählungen wird deutlich, wie verfahren die Situation dort inzwischen ist.

Bis 1992 hing die Regierung in Kabul am Tropf der Russen, dann wurde das Land von den Taliban und anderen Islamistengruppen geknechtet, heute hängt es am Tropf der internationalen Hilfe, vor allem jener aus den USA. Aufgrund ihrer Erfahrungen versteht Marianne Huber, dass viele Menschen aus der Perspektivenlosigkeit dieses Landes nach Europa fliehen, auch wenn mit der aktuellen Regierung tatsächlich zögerliche Fortschritte erkennbar seien.

Nach über sechs Jahren im Land im Hindukusch war es für Marianne Huber im Herbst 2015 Zeit, nach Europa zurückzukommen. Bis zur Pensionierung um Ostern 2017 wird sie in Bern für die Deza tätig sein.

Öffentlicher Vortrag «Moslemische Welten: Möglichkeiten, Konfliktfelder, Hintergründe» am 26. Oktober, 20.00, Kirchgemeindehaus St. Georgen, Demutstrasse 20

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