Krematorium-Baustart im Sommer

Der geplante Neubau des Krematoriums Feldli kostet knapp 20 Millionen Franken. Künftig werden die Öfen nicht mehr mit Strom, sondern mit Gas betrieben. Dadurch erhöhen sich die Kosten, was sich auch auf die Tarife auswirkt.

Jeanette Herzog
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Der Neubau des Krematoriums wirkt nüchtern. Anstelle der ursprünglich vorgesehenen Pyramide ist nun ein schlichter Kamin geplant. (Bild: Visualisierung: pd)

Der Neubau des Krematoriums wirkt nüchtern. Anstelle der ursprünglich vorgesehenen Pyramide ist nun ein schlichter Kamin geplant. (Bild: Visualisierung: pd)

Eine kleine Tontafel mit einer eingravierten Nummer liegt seit Anfang Jahr auf jedem Sarg, der in den Ofen des Krematoriums Feldli geschoben wird. Die Tafel übersteht die Hitze von bis über 1000 Grad unbeschadet, während der Körper zerfällt. Die Asche lässt sich mit Hilfe der Tafel zweifelsfrei identifizieren. «Wir haben schon vorher dafür garantiert», sagt Ursula Lauper, Geschäftsführerin der Stiftung Krematorium St. Gallen. Mit der Tontafel sei die Qualitätssicherung nun auch sichtbar.

150 000 Verstorbene kremiert

Ende der vergangenen Woche wurde der Sarg mit der Nummer 154 168 in einen der drei Öfen geschoben. Die Ziffern sind nicht zufällig gewählt. Alle Verstorbenen, die bisher im Krematorium auf dem Friedhof Feldli eingeäschert wurden, erhielten eine Nummer zugewiesen. Es war also neulich der 154 168. Sarg, der seit 1903 verbrannt wurde. Die Verstorbenen stammen längst nicht alle aus der Stadt. Auf dem Friedhof Feldli werden die Toten von insgesamt 123 Vertragsgemeinden eingeäschert.

Die Öfen des Krematoriums aus dem Jahr 1903 sind in der Zwischenzeit zwar ersetzt worden, doch das war in den 1980er-Jahren. Jetzt haben sie ihre Lebensdauer erneut erreicht und mit ihnen auch das Gebäude. Die Stiftung Krematorium St. Gallen plant deshalb einen Neubau auf dem Friedhof Feldli, auf der freien Wiese unterhalb des heutigen Standorts. Die Pläne liegen derzeit öffentlich auf.

Neubau ohne Pyramide

Für den Neubau seien «knapp unter 20 Millionen Franken» vorgesehen, sagt Adrian Rüesch, Präsident der Stiftung. Bereits Anfang 2013 wurde der Sieger des Architekturwettbewerbs gekürt: der St. Galler Andy Senn. Inzwischen ist das Siegerprojekt modifiziert worden. Die ursprünglich vorgesehene Pyramide auf dem Dach, die den Kamin kaschiert hätte, ist einem schlichteren Schornstein gewichen. Dadurch solle der Eindruck eines sakralen Baus gemindert werden, sagt Rüesch. Das neue Gebäude im Klinkerbau werde mit «helleren Räumen, besseren Öfen und besserer Rauchgasreinigung» den heutigen Bedürfnissen gerecht.

15 Prozent Aufschlag ab 2016

Bisher sind die drei Öfen des Krematoriums elektrisch beheizt worden. Im Neubau hält eine neue Energiequelle Einzug: Gas. Hauptgrund für den Wechsel sei, dass es kaum mehr Anbieter von Elektroöfen gebe, sagt Adrian Rüesch. Damals seien die Öfen vom Stromkonzern ABB hergestellt worden. In der Zwischenzeit habe das Unternehmen diesen Geschäftsbereich jedoch aufgegeben. Obendrein sei Gas ökologischer. Wermutstropfen sind die leicht höheren Betriebskosten. Diese führen in Kombination mit den Investitionen für den Neubau per 1. Januar 2016 zu einer Tariferhöhung um 15 Prozent. «Mit dannzumal 540 Franken pro Kremation, inklusive Sarg und Mehrwertsteuer, liegen wir aber immer noch tiefer als die meisten anderen Anbieter», sagt Rüesch.

Weniger Aufbahrungsräume

Im Neubau wird es auch nicht mehr so viele Aufbahrungsräume geben wie im bestehenden Gebäude. «Heute haben wir zwölf davon, das sind viel zu viele», sagt Ursula Lauper. Zudem könnten die Angehörigen, die eine Aufbahrung wünschten, ihre Verstorbenen nur durch eine Scheibe betrachten. «Viele bevorzugen es, im direkten Kontakt Abschied zu nehmen.» Im Neubau gibt es zwei Aufbahrungsräume und einen Andachtsraum, allesamt mit Oblicht. «Das ermöglicht es den Angehörigen, in stimmungsvoller Atmosphäre direkt beim Verstorbenen Abschied zu nehmen.» Obwohl weniger Aufbahrungen gewünscht würden, wollten immer mehr Personen dabei sein, wenn der Sarg in einen der Öfen geschoben werde. «Im neuen Krematorium sind die räumlichen Voraussetzungen dafür besser begeben», sagt Lauper.

Baubeginn im Sommer

Die Pläne für den Neubau des Krematoriums liegen noch bis zum 26. März auf. «Verläuft das Bewilligungsverfahren ohne Verzögerungen, möchten wir nach den Sommerferien anfangen zu bauen», sagt Adrian Rüesch. Rund zwei Jahre plant er für die Bauphase ein. Voraussichtlich Ende 2016 oder Anfang 2017 soll das neue Krematorium den Betrieb aufnehmen.

Rüesch ist zuversichtlich, dass die bestehende Anlage den Betrieb bis dahin nicht versagt. «Deswegen habe ich kein Bauchweh. Wir planen unsere Investitionen vorausschauend.» Auf ein halbes Jahr mehr oder weniger komme es da nicht an.