KREISGERICHT: Bedingte Freiheitsstrafe wegen Becherwurfs

Ein junger Mann hat im Streit ohne bestimmtes Ziel einen Becher geworfen. Er traf einen anderen Mann am Auge. Dessen Sehvermögen ist seither eingeschränkt. Das Gericht hat den Täter jetzt bestraft.

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Der 20-jährige Kubaner wurde von der Staatsanwaltschaft wegen schwerer Körperverletzung angeklagt und musste sich vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. Er habe niemanden verletzen wollen, betonte er an der Gerichtsverhandlung. Was er gemacht habe, tue ihm leid. Er wolle den Fehler gutmachen.

Der Beschuldigte war im August 2016 zusammen mit Kollegen in einem Club in der St. Galler Innenstadt. Dort trafen sie auf andere junge Leute, die sie vom Ausgang her kannten. Im Laufe der Nacht kam es zwischen dem 20-jährigen und einem Mann aus der anderen Clique zu einem Streit, der ausartete. Die Streithähne gingen zweimal vor die Türe, konnten ihre Auseinandersetzung aber nicht klären.

In den Streit hätten sich andere Personen eingemischt, darunter auch das spätere Opfer, erzählte der Beschuldigte. Irgendwann sei es zu einem Gerangel gekommen. Der Kubaner warf dabei einen Trinkbecher und traf einen anderen Mann am Auge. Er habe den Becher ohne Ziel geworfen und niemanden treffen wollen, betonte er.

Die Verletzungen waren so schwer, dass der Mann seither auf dem linken Auge praktisch blind ist. Arbeiten, welche räumliches Sehen voraussetzten, könnten so nicht mehr ausgeübt werden, erklärte der Rechtsvertreter des Opfers. Sein Mandant könne deshalb seinem Beruf nicht mehr nachgehen. Er sei zudem in seiner sportlichen Freizeitgestaltung eingeschränkt. Das Opfer habe beim Streit schlichten wollen, worauf der Beschuldigte aggressiv reagiert habe.

Der Rechtsvertreter beantragte für das Opfer eine Genugtuung von 65000 Franken und die Deckung sämtlicher Kosten. Die Staatsanwältin beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten mit einer Probezeit von drei Jahren sowie eine Busse von 400 Franken für den jungen Kubaner.

Die eigene Zukunft aufs Spiel gesetzt

Das Geschehen in jener Nacht im August 2016 habe das Leben zweier junger Männer stark verändert, erklärte der Verteidiger. Sein Mandant habe nicht nur einen Menschen verletzt, sondern auch die eigene Zukunft aufs Spiel gesetzt. Er habe aber den Becher nicht gezielt, sondern reflexartig geworfen. Der Verteidiger sah eine bedingte Geldstrafe von 270 Tagessätzen à zehn Franken und eine Busse von 200 Franken als gerechtfertigt.

Das Kreisgericht verurteilte den jungen Mann schliesslich zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten mit einer Probezeit von zwei Jahren und einer Busse von 300 Franken. Da er mehrmals als Schwarzfahrer im Zug erwischt worden war, wurde er nicht nur der schweren Körperverletzung, sondern auch der Übertretung des Personenbeförderungsgesetzes für schuldig befunden. Die Genugtuungs- und Schadenersatzforderungen wurden im Grundsatz anerkannt, jedoch auf den Zivilweg verwiesen. Die Verfahrenskosten von rund 14600 Franken gehen zu Lasten des Beschuldigten. (cis)